zurück zur Bibliothek

 

 

 

 

du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Der verlorene Sohn"

 

 


 

Gedanken zum Gleichnis „Der verlorene Sohn“; Ev. Lukas, 15/ 11-32

 

„... ... ...wie kann ich nur solchen... ... ...solchen Hass empfinden... ... ...solchen Hass auf meinen kleinen Bruder... ... ... ...nie waren wir uneins... ... ...haben alles geteilt... ... ...uns geholfen... ... ...die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt... ... ...ich für ihn...und auch er für mich... ...“

„...ich liebte ihn... ...auch als er davon ging... ...mich hier zurückließ... ... ...bedeutete unser Zusammenhalt für ihn nichts... ... ...ich vermisste sein Lachen... ...bis heute... ... ...doch an diesem Abend...so sehr ich es wieder hören wollte...traute mich nicht... ...es tat mir in der Seele weh... ...so weh... ... ...verschwunden... ...und plötzlich wieder da... ... ...einfach so... ...ohne ein Wort des Abschieds...oder des Willkommens... ...ohne einen Blick...“

„...ich wendete mich ab... ...ging nicht zu dem Fest, obwohl mich Vater einlud... ... ...ich konnte nicht... ...und ich merke, dass ich ihn noch immer als meinen Bruder liebe... ... ...mich freue, dass er da ist... ... ...doch dieser Zorn... ...da er mich allein ließ... ... ...er ist noch immer stark... ...wusste er, was er mir damit antat... ...wusste er, was er Vater damit antat... ...was geschah mit all dem Geld... ... ...“

„...ich habe ihn noch nicht gesehen... ... ...weiß nur aus den Berichten wie heruntergekommen er aussah... ... ...wie sehr sich mein Vater freute... ... ...wie enttäuscht er über meine Ablehnung war... ... ...ich kann seine Freude verstehen... ... ...andererseits nicht... ... ... ...er verlor bestimmt kein Wort des Zorns... ... ...wie in seinem ganzen Leben vorher nicht...“

„... ... ...und ich... ...ich spüre Hass in mir... ... ...je länger diese Nacht, desto mehr quälen mich Gedanken,... ... ... ... ...ich hätte ihn zurückhalten können... ... ...ich meinen kleinen Bruder... ... ...hätte ihn beschützen sollen, wie ich es früher tat... ... ...doch nichts...war zur Zeit auf dem Feld, als er das Haus verließ... ... ...ich spüre Hass in mir... ... ...auf mich selbst... ... ...ich verachte mich... ... ...denn ich bin schwach... ... ...ich konnte ihn nicht zurückhalten... ... ...ich konnte ihn nicht willkommen heißen... ...brachte den Mut nicht auf, meine Gefühle zu offenbaren... ... ...jetzt fühle ich sogar Tränen... ... ... ...“

„... ... ...wird es so sein wie früher... ... ...ich weiß nicht... ... ... ...die Nacht ist still... ...anders als sonst... ... ...spüre, dass er da ist... ... ... ...mir nahe ist... ... ...eine Tür... ... ...meine Tür... ...öffnet sich... ... ... ...eine Stimme... ...seine Stimme... ...flüstert fast lautlos meinen Namen... ... ... ...wie früher... ...als er klein war... ... ...verängstigt in der Tür... ... ...er lässt sich auf die Knie fallen... ... ...bittet um Vergebung... ... ... ... ... ...mein Hass... ... ... ...er ist weg... ... ... ...sehe ihn vor mir... ...meinen kleinen Bruder... ... ...ich empfinde Liebe... ... ...nur Liebe... ... ... ...wie früher... ... ...liegt er bei mir...ich bei ihm... ... ...es wird anders sein als früher... ...aber es wird nicht schlechter sein als früher... ...nur besser... ...“

16.09.2002