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Melbar war sauer.

Zuerst wurde er aus der Werkstatt verbannt. Das hieß, er durfte beim Päckchen verpacken nicht helfen, obwohl er das am liebsten machte. Und dann, als er gerade eine neue Aufgabe gefunden hatte und mit Begeisterung dabei war, den Schlitten auf Hochglanz zu polieren, wurde er auch noch von da vertrieben. Und als ob das nicht alles schon genug wäre, hatte ihn der Chef persönlich von der Weihnachtsnacht ausgeschlossen. Das wiederum hieß, er durfte auf den Flug nicht mitkommen. Dabei war er die letzten Jahre immer dabei gewesen, da er mit den Rentieren und dem Schlitten am besten von allen Wichteln zurechtkam.

Ja, er gab zu, es war nicht besonders schön gewesen, als er so heftig niesen musste, dass er wahrscheinlich das komplette Päckchen vor sich mit seinen Bazillen verseuchte. Immerhin sollte das in kleine Kinderhände kommen. Es war auch nicht so toll gewesen, als er beim Schlitten polieren plötzlich so starken Schwindel hatte, dass er gegen den großen Bienenwachseimer getreten war und diesen umwarf. Die ganze Werkstatt musste geschrubbt werden und das kurz vor der wichtigen Nacht. Da gab es weiß Gott anderes zu tun, als jemandem hinterher zu putzen. Und da half es auch nicht, dass Melbar sich tausendfach entschuldigt hatte.

Er sah das ja alles ein. Aber nicht, dass ihn der Weihnachtsmann beim Flug nicht dabei haben wollte. Ja. Er hatte eine fette Erkältung und ja, er hatte auch Fieber. Aber er trug deswegen schon seit Tagen den langen rot-weißen Kringelschal und trank so viel ekeligen Kamillentee, dass er das Zeug schon nicht mehr riechen konnte und außerdem ständig aufs Klo musste.

Missmutig stapfte Melbar also durch den Schnee und blickte grimmig zur Werkstatt hinüber. Da wurden nämlich gerade die Tiere vor den großen Schlitten gespannt. Er hatte ein paar Tränen in den Augen und musste gleichzeitig wieder stark husten. Es ging ihm wirklich nicht gut und so sehr er auch gerne mitgeflogen wäre, im Bett war er sicher besser aufgehoben. Aber er konnte sich zumindest von den Rens verabschieden. Er ging hinüber und streichelte Comet und Prancer, seine zwei Lieblingsrentiere. Sie schoben ihre Nasen an seinen Bauch, wo er sonst immer einen Beutel voller Möhren dabei hatte. "Ich habe heute keine Möhren für euch", erklärte er den beiden.

Er kraulte beide noch einmal hinter den Ohren, als ihm ein Gedanke kam. Er war gerade allein mit Schlitten und Rens. Er schlich eilig zum Schlitten vor und griff sich die Zügel. Geschickt machte er einen Knoten hinein und als er den Weihnachtsmann und andere Wichtel zurückkommen hörte, krabbelte er unter den Bäuchen der Rentiere durch, nach draußen hinter einen Schneehügel. Von dort gelangte er ungesehen in die Wohngemächer der Wichtel. ER würde heute eine ruhige Weihnachtsnacht haben.

ENDE.

 


 

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