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Einmal im Jahr geschieht es, dass die Welten ganz ruhig werden. Das ist die Zeit, in dem das Sternenkind erwacht…

 

Auf einem winzigen Mond stand ein hübsches rotstämmiges Bäumchen mit wasserblauen Blättern. Unten am Stamm, zwischen großen Wurzeln sicher geborgen und in eines dieser türkisenen Blätter gewickelt, schlief das Sternenkind. Der Baum wachte über das kleine Geschöpf, das ihm die Engel anvertraut hatten. Nun aber wurde es Zeit: der Baum bewegte ein wenig seine Wurzeln und weckte damit ganz sanft das kleine Sternenkind.

Das Sternenkind reckte und streckte sich, gähnte und schaute dabei über die Planeten, die vor ihm träge ihre Bahnen zogen. Es kam auf die Füße und umarmte zum Gruß seinen Baum. Der Baum grüßte herzlich zurück und reichte ein Blatt mit frischen honigsüßen Tautropfen, die er schon länger im Sternenglanz zu Gelee gewandelt hatte. Diesen Gelee mochte das Sternenkind am meisten und freute sich immer, wenn der Baum seine Lieblingsmahlzeit so lecker zubereitete.

Nachdem es fertig gegessen hatte, reichte der Baum einen kleinen Ast mit drei Zacken hinunter, mit dem das Sternenkind sich die Haare kämmen konnte. Sie bedeckten das Sternenkind wie ein feines goldenes Kleidchen.

Und dann begannen die Fragen. Der Baum musste erzählen, was in dem vergangenen Jahr alles passiert war, wer vielleicht auf dem kleinen Mond zu Besuch gewesen war und natürlich versicherte sich das Sternenkind, dass es dem Baum gut ging. Dafür ließ sich der Baum geduldig auf etwaige Schadstellen oder Ungeziefer untersuchen und wenn das Sternenkind einen Zweig erwischte, an dem er besonders kitzelig war, schüttelte er sich, dass die Blätter nur so raschelten und brachte es damit zu einem hellen Lachen. Doch das Sternenkind entdeckte nur einen bunt schillernden Mondkäfer und ließ diesen weiterkrabbeln.

Der Baum erzählte, dass dieses Jahr ein kleiner neuer Stern geboren worden war. Den wollte das Sternenkind auf jeden Fall sehen und der Baum zeigte ihm die Richtung. Und wirklich, da hinten, gerade noch in Sichtweite strahlte noch etwas unsicher ein kleiner niedlicher Stern. Er leuchtete innen ganz golden, dann wechselte es in ein dunkles Grün mit einigen kupferfarbenen Punkten. Das war ein ganz wunderschöner Stern, befand das Sternenkind und der Baum konnte dem nur zustimmen. Selten leuchteten Sterne in so schönen Farben, auch wenn dieser noch ein wenig schüchtern war.

Das Sternenkind beschloss, sofort zu dem kleinen Stern zu gehen und verabschiedete sich für kurze Zeit vom Baum. Er winkte ihm nach, als es mit schwebenden Sprüngen von Planet zu Stern hüpfte. Und jetzt schon zog das goldene Haar einen feinen Sternenstaub hinter sich her, der sich glitzernd über die Planeten breitete.

Auf dem kleinen neuen Stern angekommen, verbeugte sich das Sternenkind höflich und stellte sich artig vor. Der Stern guckte erst etwas verschreckt, war aber ganz fasziniert vom Sternenkind. Es dauerte gar nicht lange, da lachten sie gemeinsam und als das Sternenkind erklärte, dass es dieses Jahr den neuen Stern ausgewählt hatte, um seinen Tanz auf ihm zu beginnen, war der Stern ganz stolz und strahlte gleich noch sehr viel mehr. Schüchtern war er nun ganz bestimmt nicht mehr

Um dem Sternenkind den Tanz zu erleichtern, drehte sich der kleine Stern schwungvoll. So konnte das Sternenkind besonders schöne Wirbel hervorbringen und das lange Haar wehte kräftig hinterher und verteilte außerordentlich viel Sternenstaub.

Mit einer lang anhaltenden Pirouette verabschiedete sich das Sternenkind vom jungen Stern und sprang hinüber zu einem alten Planeten, der schon dagewesen war, bevor das Sternenkind geboren wurde. Er war etwas langsamer, aber konnte in seine Drehungen ein paar leichte Schwankungen einbauen. Das Sternenkind konnte so raffinierte Sprünge machen und wenn es landete, stob besonders viel Sternenstaub auf. Aber es hatte noch eine Menge zu tun, verabschiedete sich vom alten Planeten und sprang weiter.

So ging es hin. Das Sternenkind sprang zu einem Planeten oder einem Stern, tanzte mit ihm, verteilte Sternenstaub, und sprang hinüber zum nächsten. Solange, bis alle Himmelskörper vom Sternenstaub ordentlich bedeckt waren.

Mit einem letzten beherzten Sprung landete das Sternenkind wieder auf seinem Mond und ließ sich auf einem Ast seines Baumes nieder. Gemeinsam betrachteten sie die Sterne und Planeten, die dieses Jahr mit extra viel Sternenstaub bedeckt waren. Der Baum war sehr mit seinem Sternenkind zufrieden und reichte ihm frischen Sternengelee. Nach dieser Anstrengung musste es Hunger haben.

Brav bedankte sich das Sternenkind und trank den süßen Nektar. Dabei unterhielt es sich noch ein wenig mit dem Baum, bis es zu müde wurde. Es kletterte vom Baum und nahm ein schönes großes Blatt entgegen, damit es sich kuschelig einrollen konnte. Es suchte sich eine bequeme Mulde zwischen den Wurzeln des Baumes, grüßte den Baum noch einmal zum Abschied. Mit einem letzten Blick zum neuen kleinen Stern schlief das Sternenkind ein, bis es im nächsten Jahr wieder vom Baum geweckt wurde.

 

Hanna schaute in den Himmel. Sie dachte, sie hätte da oben etwas glitzern sehen, doch dann waren weiter so viele Schneeflocken gefallen, wie seit Jahren nicht. Sie blinzelte noch einmal, schnappte sich dann ihren Schlitten und rannte den Berg hinauf, um mit ihren Freunden laut jauchzend den Hügel wieder hinunter zu fahren.

 

 

Fröhliche Weihnachten

 


 

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