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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Samtpfötchen - Teil 2"

 

 


 

Hauke hatte keine Wildkatzen finden können, aber in seinem Wald war sonst soweit alles in Ordnung. Sie erreichten einen Platz, den Hauke als Futterplatz eingerichtet hat und verteilte das mitgebrachte Futter.

Derweilen ließ er auch Tiger wieder etwas laufen, der neugierig mit seinem Zebrabeinchen durch den Schnee humpelte. Doch die Katze entfernte sich nie weit und turnte zu Haukes Erleichterung auch nicht auf hohen Baumästen herum. Nur den dicken, quer liegenden Stamm einer alten umgestürzten Eiche eroberte der kleine Tiger. Da saß er dann und schaute Hauke zu, wie er den selbstgeschnitzten Futtertrog mit Karotten und Kastanien befüllte und auch die eigens angefertigten Vogelhäuschen mit ausreichend Körnern bestückte.

Am Baumhaus wieder angekommen, verkrümelte sich Tiger nach einem Abstecher am eigenen Futter- und Wassernapf vorerst wieder auf den Sessel am warmen Ofen. Da ließ es sich doch gut aushalten. Hauke dagegen hatte nach einem Blick auf die Uhr festgestellt, dass er noch ausreichend Zeit hatte, aus dem Yeti einen Menschen zu machen. Immerhin war es Weihnachten und seine besten Freunde kamen zu besuch. Der Bart fiel dem Rasierer komplett zum Opfer und die Haare kämmte er streng nach hinten und machte einen kleinen Zopf. Nur vorne wellten sich die unvermeidlichen Locken heraus.

Dann bereitete er draußen, unten am See, den Grillplatz vor. Denn dass seine Freunde nicht nur auf ein Bier vorbeikamen, war allen klar. Der Grillplatz war eine fest gemauerte offene Lagerfeuerstelle über die nach Belieben ein Dreibein mit Schwenkgrill gestellt werden konnte. Drum herum hatte Hauke verschiedene Sitzgelegenheiten aus Holz gearbeitet. Für Kuschelbedürftige gab es eine bequeme lange Bank mit Rücken- und Armlehnen. Ansonsten gab es Hocker und Stühle, im Design jedes ein Original für sich. Er brachte auch noch die Sitzpolster heraus. Wenn dann gleich das Feuer brannte, würde das hier eine äußerst gemütliche Runde werden.

Hauke hatte gerade das Feuer so richtig in Gang gebracht, als er ein Auto hörte, das sich seinen Weg zu seinem Baumhaus suchte. Er hatte extra große Laternen rechts und links des Weges vom oberen Tor zu seinem kleinen Parkplatz am Baumhaus aufgestellt und entzündet, damit keiner im Wald verloren ging. Denn es ging auf späten Nachmittag zu und damit war es schon recht duster.

Mittlerweile war auch Tiger wieder bei ihm und schaute vorwitzig aus der Jacke hervor. Im Haus am Ofen konnte er zwar gut schlafen, aber die Neugierde hatte ihn dann irgendwann nach draußen zu Hauke getrieben.

So wurden Haukes Freunde auch von Tiger mitbegrüßt, der sich in Haukes Jacke sehr sicher fühlte und die Männer gut auf Abstand hielt. Er zeigte dem ersten die Krallen und fauchte. Na was war das denn? Bisher war er doch so ein friedlicher Tiger? Hauke streichelte die fauchende Katze besänftigend hinter den Ohren und erklärte den Jungs kurz, wo die flauschige Kratzbürste eigentlich herkam. Aus dem Auto holten sie noch zwei Kisten Bier, die im Schnee gut gekühlt wurden. Und für den vorher ausgelosten Fahrer gab es Alkoholfreies. Thomas hatte es diesmal getroffen. Sie stießen gleich mit je einer Flasche an und Hauke war sich sicher, dass das die besten Freunde waren, die man haben konnte, denn jeder holte plötzlich noch ein kleines Päckchen hervor und überreichte es Hauke. Er hatte dafür für jeden eine kleine geschnitzte Figur und es freute sich wirklich jeder darüber, selbst wenn es von Hauke nicht anders zu erwarten war. Aber Hauke machte einfach die schönsten Holztiere. Er hatte dieses Jahr für jeden eine Schildkröte geschnitzt. Keine glich der anderen. Sie waren alle ganz unterschiedlich.

Nach dem Geschenkeverteilen, fanden sie sich gleich in diverse Gespräche verstrickt und Hauke konnte sich lustige, spannende und manchmal gar unglaubliche Weihnachtsgeschichten anhören, die seine Freunde mit ihren jeweiligen Familien zum Heiligen Abend erlebt hatten. Das reichte von der typischen Schwiegermutter, der nichts gut genug war, bis hin zu seltsamen Dingen, die man schenken konnte, wie ein Welpe zum Beispiel. Oder die diesjährige Predigt des Pfarrers.

Später holte Hauke Steaks und Würstchen zum Grillen, dazu gab es Kartoffelsalat und Baguette. Wie erwartet fühlten sich draußen am Lagerfeuer alle sichtlich wohl, sogar Tiger hatte sich mit der Nähe der anderen Männer arrangiert, denn auch eine kleine wilde meckernde Katze konnte mit Steakfleisch bestochen werden.

Rundum satt und zufrieden hingen Hauke und Tiger in einem der gemütlichen runden Stühle mit Lehne; die Füße hatte Hauke auf die ummauerte Feuerstelle gelegt. Irgendwer hatte sein Werkstattradio angemacht und so dudelte im Hintergrund leise Weihnachtsmusik. Er hatte einen langen Stock in der Hand, an dessen Ende ein Marshmallow gespießt war, um es langsam über dem Feuer zu rösten. Er genoss das Beisammensein mit seinen Freunden und dem kleinen schnurrenden Fellknäuel in seiner Jacke. So konnte man es doch gut aushalten. Er entspannte sich sogar soweit, dass er seine Arbeit und seine aktuellen Projekte völlig vergaß.

"He, Hauke, erwartest du noch Besuch?"
"Neee. Wieso?"
"Da kommt ein Auto durch den Wald."
Ah, tatsächlich. Jetzt wo Hauke drauf aufmerksam gemacht wurde, hörte er es auch und da waren auch schon die Lichter zu sehen. Er rappelte sich aus seiner gemütlichen Lage hoch, gab seinen fast fertigen Marshmallow an Thomas weiter und ging dem Auto entgegen.
"Wenn was ist, wir sind direkt hinter dir", lachten seine Freunde. Von wegen. Ehe die sich hochgehievt hatten mit den vollen Bäuchen, wäre der Mörder doch schon längst wieder abgehauen. Doch da war gar kein Mörder. Nachdem der Wagen hielt, kletterte ein völlig unerwarteter aber bekannter Mensch aus dem Auto.

"Henning, was machst du denn hier?", fragte Hauke völlig überrascht, als er den kleinen Arzt erkannte.
"Ich bin hier wegen…" Henning stockte, blinzelte Hauke an, nahm dabei die schmale Brille ab und rieb sich über die Augen. Dabei bemerkte er die vier Freunde am Lagerfeuer, die sie neugierig beobachteten. Noch einmal schaute Henning Hauke mit verwirrtem Blick an. Hauke sah das ganze besorgt. Was hatte Henning?
"Meow", meldete sich da auch Tiger zu Wort und wackelte mit den Ohren. Das schien Henning aus seiner Starre zu reißen. Er schüttelte kurz und energisch den Kopf, dann setzte er noch einmal zu einem richtigen Satz an.
"Ich bin wegen der Katze hier. Ich wollte mich versichern, dass es ihr soweit gut geht", antwortete Henning rüde. Hauke fühlte sich aber gerade zu gut und vom Alkohol auch reichlich benebelt, als sich durch Hennings schlechtes Benehmen ärgern zu lassen.

"Ja, Tiger geht es Bestens. Er frisst und trinkt ausreichend und geht auch gerne ein paar Minuten im Schnee spielen. Außerdem kann er auch seine Krallen ganz gut gegen meine Freunde ausfahren." Er kraulte sie wieder an den Ohren, was ihr wirklich gut gefiel.
"Wieso? Haben sie ihm etwas getan?", war Henning gleich besorgt und rückte näher heran. Streckte sogar eine Hand nach dem Tiger aus und streichelte ihn kurz, auch wenn das bedeutete, dass er dabei ziemlich dicht an Hauke heranmusste. Und Hauke? Der hatte plötzlich den feinen Duft des schlanken Mannes in der Nase, gemischt mit ein wenig Räucherkerzenduft. Wie weihnachtlich. Oi. War das der Alkohol, der ihm die Sinne so vernebelte?
"Ne. Ich glaube eher, dass sie eine ausgeprägte Diva ist. Nur wen sie leiden kann, hat die Erlaubnis sie auch zu streicheln."
"Oh! Das kann natürlich sein. Katzen haben einen ganz eigenen Charakter."
Nicht nur Katzen, ergänzte Hauke für sich. Solange Henning sich mit Tieren beschäftigen konnte, schien er ganz umgänglich. Doch sobald er sich auf einen Menschen konzentrieren musste, war er wie ausgewechselt. Kalt und … UNSICHER!? War es das? Wusste Henning mit Menschen nicht so gut umzugehen? Mit Hauke vielleicht im Besonderen? Ein Gedanke drängte sich ihm auf.

"Hätte Georg nicht kommen können? Immerhin kennt er den Weg", fragte er lauernd.
"Onkel hat mich geschickt. Er traute sich eine Fahrt bei diesem Schnee nicht zu. Aber er hat mir den Weg gut beschrieben. Der Bär ist zum Glück nicht zu verfehlen."
HA! Georg und sich nicht trauen. Da kannte der Neffe seinen Onkel schlecht!
"Ja, nicht? Der Bär ist mir doch Klasse gelungen… Na, ok. Willst du Tiger im Wohnraum mal anschauen, da ist ausreichend Licht."
"Ja. Das wäre in Ordnung. Moment, ich nehme meine Tasche mit", erklärte der kleinere Mann steif und holte vom Rücksitz eine große schwarze Ledertasche.
"Jungs! Wir sind grad im Haus. Kommen gleich wieder", rief Hauke seinen Freunden zu.
"Ja. Ja. Spielt nur ohne uns", rief Michael.
"Macht nicht zu lange rum", antwortete Philipp.
"Am Feuer turtelt's sich aber viel besser", wusste Dennis zu berichten.
"Stell uns dein Date dann auch vor, Hauke", musste auch Thomas seinen Senf dazugeben.

Also, auf die Jungs war echt Verlass. Hatte Hauke gerade noch drüber nachgedacht, wie er dem kühlen Arzt seine Neigung vorsichtig offenbaren konnte, kamen die mit dem Vorschlaghammer!
"Oh!", war auch sofort Hennings Reaktion. Abrupt blieb er stehen. "Glauben deine Freunde, wir wären ein Paar?", fragte er kühl.
"Jup. Außerdem ärgern sie gerne und jetzt sind sie auch noch besoffen. Zumindest drei von ihnen. Der vierte macht einfach so mit."
"Ah. Verstehe."
Diese Antwort war für Hauke so völlig ohne Inhalt. Weder wusste er jetzt, ob Henning etwas gegen Schwule hatte oder nicht, oder ob er gar selbst schwul war. Auch nicht, ob er überhaupt Interesse an Hauke haben könnte. Hauke drehte sich auf den Stufen seines Baumhauses um. Henning stand nur wenig hinter ihm, hielt seine Tasche verkrampft fest und blickte in die Dunkelheit des Waldes. Das wurde echt schwierig mit diesem verspannten Arzt.

"Komm erst mal rein und schau nach Tiger…", schob Hauke Henning endlich in den kleinen Wohnbereich. Dieser schaute sich nur einmal kurz um, dann ging er auf den Tisch zu, auf den Hauke bereits die kleine Katze abgesetzt hatte.

Tiger ließ sich ohne Kratzen und Fauchen untersuchen, schnurrte sogar, als Hennings Hände ihn zielgenau dort kraulten, wo es Katzen nun mal am liebsten mochten. Ja. Mit Tieren konnte Henning eindeutig super umgehen. Und während er mit der Katze sprach, um sie etwas abzulenken, trat auch dieses kleine Lächeln wieder zutage. Hauke seufzte still. Henning sollte ihn so auch mal anlächeln, und wenn er sich dafür gleichfalls hinter den Ohren kraulen lassen musste. Es gab schlimmeres.

"Sie ist völlig in Ordnung. Und sie scheint mit dem Beinchen bis jetzt gut klar zu kommen. Die genähte Wunde sieht auch sehr gut aus. Keine Entzündung. In einer Woche solltet ihr noch mal in der Praxis vorbeischauen", erklärte Henning und während er sich zu Hauke umwandte, verschwand auch das Lächeln wieder. Dafür wurde die Brille noch einmal zurecht gerückt.

"Das wäre dann alles. Ich fahre wieder, damit du zu deinen Freunden kannst." Damit war er schon zur Tür hinaus. Hauke konnte nur eben Tiger schnappen und hinterher flitzen. Was war das denn für ein Abgang? Wollte der jetzt einfach so flüchten? Er wollte ihn doch noch auf ein Bier am Feuer einladen.

Er holte Henning beim Auto ein, als dieser seine Tasche wieder auf den Rücksitz verfrachtete. Doch mitten in der Bewegung hielt Henning inne, die offene Tür in der Hand. Hauke sah, wie Henning einmal tief Luft holte und dann mehr zum Auto als zu ihm sprach.
"Hauke… Ich bin gekommen, um mich zu entschuldigen. Wegen gestern. Onkel sagte, du würdest mir zuhören."
Oh! Das war jetzt aber ganz unerwartet. Und da drehte sich Henning auch langsam um.
"Es war nicht richtig, wie ich mich dir gegenüber benommen habe. Vor allem, da du ja wirklich einen Patienten dabei hattest."
"Ach. Schon vergessen. Is' ja alles gut." Das wurde Hauke hier gerade zu emotional. Henning wirkte plötzlich sehr niedergeschlagen. Von der arroganten Kühle war kaum noch etwas da.
"Nein. Es ist nicht richtig, seinen persönlichen Verdruss an anderen auszulassen." Ah. Der Streit, von dem Georg sprach.
"Na ja. Aber irgendwann muss doch mal der Frust raus. Ich kann mich auf meine Arbeit stürzen und Bäume bearbeiten. Da kann man sehr gut Frust ablassen."
Jetzt lachte Henning sogar ein wenig. "Ja. Das glaub' ich dir gerne. Onkel erzählte mir, dass du den Adler gemacht hast. Du hast wirklich ein tolles Talent."

"Und du kannst dafür mit Tieren ganz wunderbar umgehen."
"Ja. Tiere. Aber nicht mit Menschen. - Deine Freunde warten. Ich mache mich auf den Weg. Danke, dass du mir zugehört hast."
Henning wollte sich schon ins Auto setzen, doch Hauke versperrte ihm die Tür.
"Du kannst jetzt nicht fahren. Meine Freunde wollten dich doch kennenlernen…"
"Was?", wirkte Henning völlig verwirrt. "Sie dachten doch aber, ich wäre dein Date… Nur deswegen."
"Und wer sagt, dass du nicht mein Date bist?", wagte Hauke jetzt endlich den entscheidenden Schritt. War er doch sonst eh immer viel direkter.
"Was?"
"Henning. Das heißt nicht ‚was', sondern ‚ja, ich will'", polterte Hauke. War der Kleine wirklich so schwer von Begriff?
"WAS?"
Oha! Das klang nach Panik. Da hatte Hauke wohl etwas übertrieben. Er musste das nochmal vorsichtiger versuchen. Er trat ein wenig von Henning weg, um ihm mehr Freiraum zu geben, dann erklärte er:
"Henning. Auch wenn du irgendwie kompliziert bist, vielleicht für mich zu kompliziert, mag ich dich. Und deswegen wollte ich fragen, ob du ein Bier mit mir und meinen Freunden trinken willst. Dann lasse ich dich fahren. Außerdem möchte Tiger hier noch ein bisschen von dir beschmust werden." Puh! So viele Worte, nur um ein Date auszumachen. Das hatte er bisher noch nie.

Es dauerte, bis Henning endlich eine Antwort herausbrachte. Doch Hauke übte sich in Geduld. Wie schon selbst erkannt, war Henning kompliziert. Sicher dachte er auch über alles Mögliche fünfmal nach.
"Nein", war dann die alles erschöpfende Antwort.
"Hmpf. Dann eben nicht." Hauke fühlte sich verletzt, dass musste er zugeben.
"Nein. So meinte ich das nicht. Aber ich trinke kein Bier."
"Achso. Wir haben auch Alkoholfreies da, für die Autofahrer."
"Nein. Ich mag das Zeug nicht." Ja, kompliziert war definitiv die richtige Beschreibung. Welcher Mann mochte denn kein Bier?
"Äh. Tee?"
"Ja, den… will ich", sagte Henning und endlich durfte auch Hauke sich über ein Lächeln von Henning freuen, das auch wirklich für ihn bestimmt war.

*

Hauke und Henning wurden von den vier Freunden grölend empfangen. Hauke schielte Henning ins Gesicht und erkannte, dass er sich als mögliches Date nicht wirklich wohl fühlte. So stellte er Henning also als das vor, weswegen er ursprünglich hergekommen war. Als Tierarzt, der nach Tiger schauen wollte. Das wurde nur unter Protest von den Jungs akzeptiert. Aber sie fragten dahingehend nicht neugierig weiter.

Er bot Henning seinen Platz an, weil dieser Stuhl für eine einzelne Person noch immer der gemütlichste war und reichte ihm Tiger und einen Marshmallowstock an. Dann verdrückte er sich in das Haus, um einen frischen Tee zuzubereiten. Er wusste, dass das gemein war, denn jetzt war Henning seinen vier Freunden allein ausgesetzt. So beeilte er sich also und kramte sich durch seine kleine Teesammlung. Er fand einen Gewürztee. Das war bestimmt das Richtige. Mit einer übergroßen Weihnachtstasse kam er zurück und überreichte Henning den dampfenden Tee, der die große Tasse nutzte, um sich dahinter zu verstecken. Hauke setzte sich mit einem neuen Bier neben Henning auf einen Wikingerstuhl.

Obwohl Henning kaum noch etwas sagte an diesem Abend, fühlte sich Hauke noch wohler. Henning strahlte eine gewisse Ruhe aus, die ihm gefiel. Sogar Tiger schlief ruhig schnurrend auf Hennings Schoss. Doch leider blieb Henning wirklich nur auf diesen einen Tee. Er gab einen herzerweichend gähnenden Tiger an Hauke weiter und verabschiedete sich von allen mit einem einfachen "Auf Wiedersehen." Hauke schaute ihm so lange nach, bis auch die Lichter des Autos nicht mehr zu sehen waren.

Er seufzte langgezogen und lockte damit wieder die Aufmerksamkeit seiner Freunde auf sich. Während sie aber zuvor eher neckend gesprochen hatten, waren sie jetzt ganz ernst.
"Du solltest ihm wirklich ganz direkt sagen, dass du ihn willst", brachte es Philipp auf den Punkt.
"Das habe ich. Er war ganz verschreckt, fast panisch. Ich glaube nicht, dass er überhaupt mit Männern etwas anfangen will."
"Das ich nicht lache", warf Thomas ein. "Wenn er nichts wollen würde, hätte er nicht die ganze Zeit zu dir rüber gelinst."
"Die Männer aus der Kunst-Szene sind immer sehr direkt", hielt Hauke dagegen und dachte an den extrovertierten Maler mit den grünen langen Haaren, den er auf der letzten Vernissage kennengelernt hatte. Der hatte sich an ihn geklettet und war den ganzen Abend nicht mehr von seiner Seite gewichen.
"Die Männer aus der Kunst-Szene sind auch alles Spinner, die sich vor allem nur darstellen wollen. Ähm - Anwesende ausgeschlossen", murrte Daniel.
"Dein Henning muss umworben werden, Hauke", erklärte Michael. "So wie ich meine Liebste damals umworben habe. Pralinen, Blumenstrauß, Wein, schnieke zum Essen ausgehen, Theater, romantisches Picknick im Grünen, im Winter Pferdekutschfahrten…"
Haukes Augen wurden immer größer. DAS sollte er alles mit Henning machen? Was war mit: Willst du mit mir gehen? Ja. Nein. Vielleicht? Warum so kompliziert und langwierig? Weil es Henning war, beantwortete er sich die Frage gleich selbst.

Er seufzte und trank noch ein Bier!

*

Seine Freunde waren dann auch bald gefahren und hatten noch allerhand gute Ratschläge für ihn zurück gelassen. Die Gedanken kreisten in seinem Kopf und brachten ihm kaum Ruhe, obwohl das leise beständige Schnurren von Tiger zum Einschlafen doch wie gemacht schien.

Aber so war er schon zeitig am Morgen wach, brachte Tiger zum Busch und ließ ihn dann wieder ins Warme, obwohl es heute nicht so kalt war wie gestern. Dafür fielen ganz sachte feine Schneeflöckchen.

Hauke dagegen richtete sich für einen langen Tag in seiner Schnitzhütte ein und vertiefte sich in sein derzeitiges Projekt. Arbeit war im Falle von verwirrenden Gedanken das Beste, was er tun konnte. Und dieser Auftrag hatte es in sich. Ein Wikingermuseum wollte den Gott der Nord in lebensechter Größe und mit aufwendigen Verzierungen haben. Das hieß, neben der Kettensäge dann auch feine Holzschnitzarbeiten. Und die keltischen Knoten waren eine Kunst für sich. Dazu wollte er auch Hugin und Munin, Odins Raben, mitgestalten. Raben hatte er schon öfter gemacht, aber auch hier sollte das Gefieder mit dem Geflecht verziert werden.

Er hatte sich gerade mit einen der Raben arrangiert, als ihn ein Motorengeräusch aufjagte. Erst war er genervt, da er gerade wirklich gut mit dem Vogel vorankam, aber als er das Auto erkannte, war alles andere vergessen. Es war tatsächlich Henning, der da wieder bei ihm war. Was machte er hier? Hatte er was gestern vergessen?

Henning hatte ihn gleich bei seiner Schnitzerwerkstatt arbeiten sehen und steuerte direkt auf ihn zu. Er wirkte nervös, wenn auch auf eine gewisse Art entschlossen. "Guten Morgen, Hauke."
"Moin, Henning. Was machst du so früh hier? Tiger schläft bestimmt schon wieder in seinem Sessel am Ofen. Ihm geht es aber gut." Er legte seinen Raben vorsichtig in einen mit Stroh ausgelegten Korb zurück, damit der offene Flügel nicht zu Schaden kam. Als er sich Henning wieder zuwendete, stand dieser noch mit reichlich Abstand vor der Hütte, schaute sich aber neugierig um.
"Du kannst ruhig näher kommen und schauen, wenn du willst", lockte er ihn näher, während er sich selbst einen groben Handfeger nahm, um sich die Späne von den verstärkten Lederchaps und der Weste zu kehren.

"Oh, ein Rabe mit offenen Schwingen. Wie der Adler vor der Praxis", klang Henning begeistert. "Ja. Das ist Hugin", erzählte Hauke und als Henning ihn nur fragend anschaute, erklärte er weiter. "Das ist einer von zwei Raben, die zu Odin gehören. Odin wird aus diesem Holzstamm dort entstehen. Aber heute wollte ich an den kleineren Raben arbeiten. Das ist ein Auftrag für das Wikingermuseum."

Henning blickte zu dem noch völlig naturbelassenen Holzstamm, an dem auch noch die Rinde dran war und versuchte sich wohl vorzustellen, wie daraus eine Figur werden könnte.
"Ich habe noch nie mit Holz gearbeitet, außer früher in der Schule vielleicht. Dafür kann ich mit Nadel und Faden umgehen", lachte Henning etwas, als er an Haukes Pullover ein Loch entdeckte.
"Ach. Da wird nix geflickt. Der wird solange getragen, bis er auseinander fällt und dann kaufe ich einen neuen", winkte Hauke ab und fragte sich, was mit Henning los war, da er plötzlich so redselig war. Aber noch viel wichtiger war die Frage, warum er überhaupt hier war.
"Was hat dich eigentlich hergetrieben? Hast du gestern Abend etwas vergessen?"
"Ja. Irgendwie habe ich das wohl. - Vielleicht hast du etwas Zeit zum Reden? Aber wenn du noch so viel tun musst, dann fahre ich auch wieder."
"NEIN!" Bloß nicht wieder verschwinden. "Der Auftrag hat noch genug Zeit. Willst du einen Tee oder eine Runde spazieren gehen?", erinnerte Hauke sich an Michaels Aufzählung der Dinge, die zum Umwerben nötig waren.
"Ein Spaziergang wäre schön."
"Gut, ich hole nur eben Tiger aus seiner warmen Höhle. Der kann sich ruhig auch mitbewegen…"

*

Hauke hatte nicht nur Tiger geholt, sondern sich eben saubere Kleidung angezogen und sich auch nochmal durch die Haare gekämmt und sie in einem Zopf gebunden. Seine Mission hieß ja, Henning zu umwerben, da sollte er sich auch ein wenig Herausputzen. Denn er hatte gemerkt, dass auch Henning heute nicht in einer Arbeitsjacke wie gestern da war, sondern in einem hübschen wollenem Langmantel mit einem weichen großen warmen Schal, der ihm ganz ausgezeichnet stand, aber auch zeigte, dass er wirklich sehr viel zierlicher war, als Hauke.

So waren sie nur wenige Minuten später in Haukes verschneitem Winterwald auf einem kleinen Pfad um den See herum spazierend unterwegs. Tiger versuchte sich als Rabe und saß diesmal bei Hauke auf der Schulter. Von da aus hatte man gleich einen noch viel besseren Ausblick auf die weiße verschneite Welt.
"Du hast es wirklich sehr schön hier, Hauke."
"Ja. Es ist mein Zufluchtsort", dachte Hauke ein wenig an seine Vergangenheit.
"Es ist schön, so etwas zu haben. Ich wohne zwar bei Onkel, aber das ist ja nun mal sein zuhause, nicht meines."
"Achso. Ich dachte du hast eine eigene Wohnung?", fragte Hauke nach.
"Noch nicht. Ich wollte mir erst eine eigene suchen, wenn es sicher ist, dass ich die Praxis auch übernehmen kann."
"Aber Georg klang so sicher, als er mir sagte, du würdest sie auf jeden Fall übernehmen…", war Hauke erstaunt.
"Onkel denkt schon immer sehr positiv. Aber viele Patienten sind sehr skeptisch. Also deren Besitzer."
"Mensch, Henning. Du bist noch kein halbes Jahr da. Die Leute müssen sich doch auch erst mal an dich gewöhnen. Wenn sie aber sehen, was für ein guter Arzt du bist, werden sie dich schnell akzeptiert haben. - Du darfst sie nur nicht wegjagen, wenn sie mit einem Patienten an der Tür klingeln", lachte Hauke leise. Irgendwie konnte er es nicht lassen, Henning damit ein wenig aufzuziehen, auch wenn er es ihm schon längst verziehen hatte.

"Das - das tut mir wirklich leid. - Aber ich hatte wirklich gedacht, dass du gefährlich bist. Du hast mich erschreckt. Erst der Streit mit der Familie… Und dann steht da plötzlich so ein Bigfoot in der Tür."
"Ähm… Bigfoot?" So wurde Hauke bisher von niemandem genannt.
"Na, nicht? Viele wilde Haare, groß, düster… Aber gestern zu meinem Besuch hier, habe ich dich gar nicht wiedererkannt…", gestand Henning leise und blickte zur Seite weg. Hatte Hauke da einen Rotschimmer auf Hennings Wangen gesehen?

"OH! Was ist das denn?!", rief da Henning plötzlich, als er so seitlich einen Baum angesehen hatte und da eine Eule entdeckte, die sich nicht bewegte. Sie war aus Holz. Er lief darauf zu, kletterte auf einen Holzstamm, der vor dem Baum quer lag und ihn näher an die kleine Eule heranbrachte. Sie war aber so hoch, dass er sie nicht erreichen konnte und saß in einem Baumloch.

Tiger war gleichfalls aufgeregt und Hauke setzte ihn mit auf den Baumstamm, dass er dort ein wenig balancieren konnte.
"Ist die Eule von dir, Hauke?", fragte Henning aufgeregt.
"Ja", lachte Hauke. "Im ganzen Wald sind welche. Das Loch dort hatte sich geradezu dafür angeboten."
"Meinst du Eulen oder noch andere Tiere?"
"Andere Tiere!"
"Die musst du mir zeigen."
"Ne. Die muss schon jeder selbst finden. Sonst macht es ja keinen Spaß", lachte Hauke und war überrascht, wie sehr sich Henning darüber freuen konnte.

Henning konnte sogar schmollen. Aber nur kurz und dann lachte er auch. Ganz offen. Es war das schönste Lachen, das Hauke je gesehen und gehört hatte. Er kam auf Henning zu und breitete die Arme aus, da dieser ja wieder von seinem Baumstamm herunterkommen musste. Henning zögerte kurz, doch dann ließ er sich wirklich in Haukes Arme fallen und sogar dabei einmal im Kreise drehen.

Hauke setzte ihn vorsichtig im Schnee wieder ab, hielt ihn aber sanft bei sich. Henning blieb auch und legte den Kopf in den Nacken. Er musste ganz schön weit nach oben schauen, um Hauke ins Gesicht blicken zu können. Wahrlich ein Riese. Hauke nutzte die Chance und setzte auf Hennings kalte winterliche Lippen einen kleinen Kuss. Henning wich nicht aus und so konnte Hauke sich wieder an dem feinen Rotschimmer auf Hennings Wangen erfreuen.

"Mau", wurden sie da aus ihrer romantischen Stimmung gerissen. Tiger fühlte sich vernachlässigt. Auch er wollte gerne wieder von seinem Baumstamm herunter. So griff ihn sich diesmal Henning und hielt ihn sicher auf dem Arm.
"Lass uns zurück gehen", schlug Hauke vor. "Es wird langsam kalt. Im Haus machen wir uns einen schönen heißen Tee." Er wendete sich zum Gehen, als er merkte, wie sich verstohlen Hennings Hand in seine schob. Er lächelte, fasste fester zu und gemächlich spazierten sie zurück.

*

Im Haus verkrümelte Tiger sich wieder auf den Sessel am Ofen und begann mit dem Putzritual. Da hatte er jetzt eine Zeitlang zu tun und außerdem hatte er damit Haukes Lieblingsplatz besetzt. Er hatte jetzt noch einen Stuhl und eine kleine Bank für zwei Leute an der Wand. Hmmm…

Hauke bereitete aber vorerst heißes Wasser zu und stellte schon mal einen Teller mit Spekulatiuskeksen hin, als Henning noch einmal nach draußen zum Auto verschwand. Mit einer hübschen weihnachtlichen Metallbüchse kam er zurück und präsentierte Hauke eine riesige Kekssammlung.
"Die hat Sarah gemacht. Meine Nichte. Sie ist meines Cousins Tochter. Als Lisbeth hörte, dass ich zu dir fahre, hat sie die mir alle mitgegeben. So als kleines Weihnachtsgeschenk."
"Oh! Danke." Ja, das war überraschend. Lisbeth, Georgs Frau, war schon immer so eine liebe herzliche Person. "Aber jetzt habt ihr keine Kekse mehr zuhause."

"Ach. Das denkst du. Sarah hat mit Lisbeth gebacken, als ginge es darum, das ganze Dorf zu versorgen. Das schaffen wir bis Ostern nicht, was da noch vorrätig ist."
"Dann hatten die beiden sicher viel Spaß."
"Ja. Und ich auch. Ich war der Blechemeister."
"Blechemeister?" "Ja. Ich war zuständig für das Bleche reinschieben und wieder rausholen. Das ist denen vorbehalten, die das ohne Verbrennungen schaffen."

Ja, das konnte sich Hauke gut vorstellen, dass man sich da die besten Kandidaten aussuchte. Man musste ja Unfälle, gerade zu den Feiertagen, nicht noch herausfordern.
"Du scheinst dich gut mit deiner Familie zu verstehen. Warum habt ihr euch dann so derb gestritten? Es ist nicht schön, wenn sich die Familie gerade an Heilig Abend streitet", fragte Hauke endlich und stellte sich und Henning Tassen auf den Tisch und dazu die große Teekanne mit frischen heißen Kräutertee mit Orangenschalen. Er duftete fruchtig und frisch.

Dann schob er sich einfach frech zu Henning auf die Bank, der ihm aber bereitwillig genug Platz einräumte, ohne zu weit abrücken zu müssen.
"Ich habe mich mit Mutter gestritten und es ging um - es ging um Stefan", seufzte Henning und biss von einem bunten Keks ab.
"Und wer ist Stefan?"
"Mein Chef und mein Ex."
Hauke verschluckte sich an einem Kekskrümel und hustete. "Dein Ex-Chef meinst du?"
"Nein. So wie ich es sagte. Ich habe nach meinem Studium der Tiermedizin in einer größeren Gemeinschaftspraxis angefangen und mich ziemlich schnell in Stefan, den Chef, verliebt. Es war perfekt. Wir machten kein Geheimnis draus und die Praxis-Mitarbeiter akzeptierten uns. Ich sollte bald nicht nur Assistenzarzt sein, sondern als Klinikleiter eine Teilhaberschaft erhalten. Auch die beiden anderen Teilhaber waren damit einverstanden.

Doch genau diesen Zeitpunkt suchte sich Stefan aus, um festzustellen, dass seine Liebe zu mir doch nicht so groß war. Ich entschied mich, zu gehen und nicht nur die Praxis zu verlassen, auch die Stadt. Es hatte mich schwer getroffen. Den einen Tag war alles in Ordnung und wir hatten noch eine tolle Nacht verbracht und den nächsten Tag macht er mit mir Schluss. Ganz plötzlich hatte ich kein Leben mehr; die Arbeit weg und der Lebenspartner weg. - Dann stand ich vor Onkel Georgs Praxis. Ich wusste gar nicht mehr, wie ich bis hierhergekommen war. Ich hatte einfach nur einen Unterschlupf für die nächste Zeit gesucht, doch Georg hat mir gleich das Angebot gemacht, mit ihm zu arbeiten und dann die Praxis auch in ein paar Jahren zu übernehmen."

Es stimmte Hauke traurig, Hennings Geschichte zu hören. Sie erinnerte ihn an seine eigene, auch wenn bei Henning keiner gestorben war. Aber plötzlich vor dem Nichts zu stehen, ist nie leicht…

"Na ja. Und jetzt zu Weihnachten waren eben alle da, auch meine Eltern und Georgs ältere Schwester mit meinem Cousin und dessen Familie. Und meine Eltern, vor allem meine Mutter, sind nach wie vor der Meinung, dass ich in der Gemeinschaftspraxis hätte bleiben sollen. Das wäre finanziell und karrieristisch perfekt gewesen. Sie wollte einfach nicht verstehen, dass ich mit dem Ex-Freund nicht weiter zusammen arbeiten konnte. Und dann machte Mutter sogar den Vorschlag, mich wieder bei Stefan anzubiedern. Ich habe sie gefragt, ob ich mich wirklich für einen Job im ursprünglichen Sinne des Wortes prostituieren soll. Das war der Moment, wo sie immer lauter wurde und ich auch - und wo es dann plötzlich klingelte!"

Henning biss gefrustet von einem weiteren Keks ab und trank Tee. Hauke konnte gar nicht glauben, dass eine Mutter so von ihrem Sohn denken könnte.
"Sie würde dich einfach so verkaufen wollen?!", fragte er fast entsetzt. So klang es für ihn.
"Ach. Ich weiß auch nicht, was sie sich denkt. Unser Verhältnis war schon immer etwas schwierig, vor allem, nachdem ich mich geoutet hatte. Alle in der Familie akzeptieren es, nur meine Mutter nicht. Ich habe ihr dann nur gesagt, dass ich keine Hure bin und nicht auf Stefan angewiesen bin. Immerhin habe ich ein abgeschlossenes Studium und Arbeitserfahrung. Ich könnte überall als Tierarzt arbeiten. Warum also nicht hier bei Georg? Ich bin erst kurze Zeit hier, aber Tiger ist nicht der Einzige, dem ich schon helfen konnte. - Und das muss sie hinnehmen, auch wenn ich nun nicht so viel Geld verdiene, wie sie sich das wohl gewünscht hat. Aber was braucht es mehr? Es ist völlig ausreichend und mir hat es bisher sehr gut hier im kleinen Ort gefallen."

Die Geschichte musste Hauke erstmal verdauen. Das war ganz schön viel auf einmal, wo Henning zuvor so kühl und distanziert war. Er handelte einfach, bevor er darüber nachdenken konnte und zog Henning in eine tröstende Umarmung. Der ließ es sich sogar gefallen und kuschelte sich nach einigen Momenten sogar näher.

Hauke kraulte eine Weile selbstvergessen durch Hennings Haare, als ihm ein Gedanken kam.
"Ist deine Mutter denn noch da?"
"Ja. Alle bleiben bis nach Sylvester", klang Henning geknickt.
"Hmmm… ich habe ja schon ein gestrandetes Kätzchen bei mir aufgenommen. Auf eines mehr oder weniger käme es nun auch nicht mehr drauf an. Was sagst du?"

Henning guckte ihn nur groß an, dann streckte er sich und gab Hauke küssend sein Einverständnis.

*

Mitten in der Nacht wachte Hauke auf. Über ihm auf dem Kissen lag Tiger zusammengerollt und schlief zufrieden. Hauke selbst lag an Hennings Rücken gekuschelt. Er wuselte mit seiner Nase durch Hennings Haare im Nacken; er liebte diesen Geruch. Da spürte er Bewegung und Henning drehte sich um, schob sein Gesicht dicht an Hauke.
"Henning, bist du wach?"
"Hmm…"
"Ich wollte dich was fragen…"
"Hmm…"
"Warum bist du eigentlich heute Morgen zu mir gekommen?"
Hauke glaubte schon, Henning wäre wieder eingeschlafen, doch da antwortete er doch noch.
"Ich hatte etwas vergessen."
"Was denn?"
"Mein Herz", seufzte Henning nur und kuschelte sich näher…
Hauke zog Henning ganz fest an sich. Das war doch das beste Weihnachtsgeschenk überhaupt.

Er griff sich auch noch Tiger und zog ihn zu sich, da ohne dieses Samtpfötchen dieses kleine Wunder gar nicht geschehen wäre. Und da war es egal, dass Tiger fauchte und murrte, weil er im Schlaf gestört wurde…

 

 

Fröhliches Miau

(11/ 2016)

 


 

Teil 1

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