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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Ein perfekte Weihnachtsfeier"

 

 


 

Sie hatte alles perfekt geplant. Ihr Mann hatte den großen Baum reichlich geschmückt und beleuchtet. Wie bestellt hatte es seit gestern auch mit Schneien begonnen. Heute Mittag war schon der Catering-Service gekommen und hatte kleine Häppchen für Zwischendurch, Süßes für den Kaffeetisch und vorgekochte Leckereien für das Mahl am Abend gebracht. Sie musste nur zusehen, dass ihr Mann alles rechtzeitig noch einmal aufwärmte.

Das letzte Päckchen für die Gästegeschenke hatte er ihr heute Morgen schön verpackt auf den Tisch gelegt, bevor er zur Arbeit losfuhr. Eigentlich müsste er gleich wieder da sein, er hatte ja extra einen halben Tag Urlaub genommen, um pünktlich da zu sein. Am liebsten hätte sie ihn den ganzen Tag für restliche Vorbereitungen hier haben wollen, aber da hatte sein Chef gestreikt.

Doch ihr Mann hatte schon die letzten Tage das Haus gründlich geputzt, so musste er heute nur noch Kleinigkeiten erledigen, sowie den Tisch eindecken und schmücken. Sie hörte vor der Tür sein Auto einparken. Wie gut sie das doch alles geplant hatte. Er war pünktlich und ihre Weihnachtsfeier zum 2. Advent konnte bald losgehen…

Die Gäste waren zufrieden. Sie hatte nur die eingeladen, die sie für wichtig hielt und die etwas in der Gemeinde zu sagen hatten. Sie ließ sich für die hübschen Geschenkchen loben, die elegante, nicht überladen dekorierte Kaffeetafel und das gute Essen. Ihre Weihnachtsfeier war ein voller Erfolg. Manchmal fragte man sie nach ihrem Mann, und sie antwortete kichernd, er würde gewiss im Hintergrund Heinzelmännchen spielen, weil er alles ganz perfekt haben wollte. Tatsächlich sah sie ihn nur, als sie nach mehr Sekt für die Gäste verlangte, denn ihr Glas war ständig leer.

Es war kurz vor Beginn des Abendessens, als sie zu ihrer großen Rede ansetzte. Sie wollte die Hochzeit für nächstes Jahr ankündigen. Denn sie war zwar mit ihrem Mann schon einige Zeit zusammen, aber eben noch nicht verheiratet. Und das, wo sie doch wie ein Ehepaar lebten, alles teilten, Haus, Bett und Konto. Er wusste von ihren Plänen auch noch nichts, aber er würde in guter Gesellschaft gewiss nicht ‚Nein' sagen.

Es war also der Moment, wo sie in ihrem roten Kleid am Ende der Tafel aufstand und mit einem leisen Gläserklirren um Aufmerksamkeit bat. Sie überschaute ihre Feiergesellschaft, die sie alle gespannt anschauten, bis ihr Blick im Türbereich hängen blieb.

Es war wie ein Trugbild. Doch auch als sie mehrmals heftig zwinkerte, änderte es sich nicht. Ihr Mann stand dort, still, korrekt, wie es seine Art war. Er trug eine komplette Winteraufmachung. Neben ihm ein Koffer. Sie verlangte zu wissen, was er denn damit wolle und warum er die Vorspeise nicht vorbereitete. "Ich gehe", sagte er nur, nickte den Gästen höflich zu und nahm den Koffer auf. Leise ging er durch das Haus davon.

Es war ein älterer Herr, der fest und nachdrücklich in die Hände klatschte und dabei sogar aufstand. Es dauerte nur Augenblicke, in denen alle Gäste dem eigentlichen Hausherrn applaudierten, auch wenn dieser schon lange nicht mehr da war.

Sie aber sah ihre Welt zersplittern. Denn alles, was sie hatte, gehört doch eigentlich nur ihm…

Ende.

10/ 2018

 


 

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