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Roman eilte den Parkweg entlang. Es war fast Mitternacht und er wollte seine Familie nicht enttäuschen. Sie wollten extra auf ihn warten, um wenigstens noch gemeinsam auf den Feiertag anstoßen zu können. Aber er hatte Spätschicht gehabt und nicht eher weggekonnt.

So lief er jetzt also gehetzt durch die kalte Weihnachtsnacht und nur ab und zu drang ein wenig diesiges Licht der Straßenlaternen durch den dicken Nebel. Es war dunstig und ungemütlich, ja fast ein wenig gruselig. War da vorne nicht ein Schatten? Roman schüttelte den Kopf; er war übermüdet. Er legte noch einen Zahn zu und unterlief die Bogenbrücke.

Doch. Direkt vor ihm war doch etwas! Was er erst für einen Nebelschwaden hielt, verdichtete sich. Da war eindeutig etwas Großes. Sollte das etwa noch eine Kutsche sein? Im Central Park an sich nichts Ungewöhnliches, aber doch nicht zu dieser nächtlichen Stunde!

Er wurde langsamer und schlich sich argwöhnisch näher. Jetzt konnte er die Schatten ziemlich gut erkennen. Eine große Gestalt lief am Gefährt entlang und Roman zählte insgesamt neun Tiere. Zu seiner großen Überraschung sah er Geweihe auf den Köpfen. Sollten das sogar Rentiere sein? Hier in New York? Er dachte sich, dass er eindeutig zu viel Fantasie hatte und überarbeitet war. Er sah hier nicht wirklich den Weihnachtsmann, oder?! Er rieb sich mit seinen kalten Händen durchs Gesicht. Er musste wieder munter werden.

Jetzt hörte er sogar ein fröhliches tiefes Lachen und als er die Augen wieder aufmachte, flog der ganze große Schatten nach oben weg und hinterließ einen kleinen Glitzerregen.

Roman hatte staunend den Mund aufgeklappt. Also so viel konnte doch die eigenen Fantasie nicht wirklich kreieren, oder? Er blickte zurück zu der Stelle, wo eben das Gefährt noch gestanden hatte. Da war nichts mehr, alles ruhig. Er ging vorsichtig näher.

Fuß- und Hufabdrücke im Schnee bewiesen eindeutig, dass hier eben noch etwa gewesen war. Roman beschloss, trotz aller logischen Wiedersprüche, einfach zu akzeptieren, dass er gerade wirklich den Weihnachtsmann gesehen hatte, samt seiner Rentiere und dem großen Schlitten. Er nickte für sich bestätigend mit dem Kopf und lächelte dann, als er kindliche Freude spürte. Wann hatte er das letzte Mal so etwas fantastisch Magisches erlebt? Und mit diesem Gefühl begann es vor ihm wieder zu glitzern und noch ehe er sich's versah, fiel ein Päckchen direkt in seine Hände.

"Hohoho - fröhliche Weihnachten, Roman", hörte er es noch entfernt lachen. Roman war erstaunt, wunderte sich aber über nichts mehr. Er lachte auch, winkte in den Himmel und wünschte dem Weihnachtsmann eine erfolgreiche Nacht, die ohne Komplikationen verlaufen möge. Dann drückte er das Päckchen fest an sich und lief eilig weiter. Seine Familie wartete schließlich auf ihn.

ENDE.

 


 

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