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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Das Klöße-Desaster"

 

 


 

De Kloß war itse nich dat Highlight. Un de Rotkraut och nich.

Ne, wirklich nich.

Die Soße war och so lasch.

Un zu wenisch.

De Brate war ok, a bissl trocke.

Außerdem, wer kommt uf de Idee, 'nen Rapunzelsalad als Vorspeese zu mach'n?

Ne. Dat war alles nich so dolle.

Nachspeise ging. War halt en Pudding. Da kamer nich viel falsch mache.

In der Küche fiel Geschirr zu Boden. Man hörte das Porzellan in tausende Scherben zerspringen. Dann ging die Küchentür auf und mit einem schmatzenden Geräusch hatten Onkel und Tante aus Zweenfurth je einen vor Soße triefenden Kloß im Gesicht.

Das sah ulkig aus, vor allem in Zusammenhang mit den ungläubigen Gesichtern.
"Ich hoffe, es ist nun genug Soße", sagte Julia und wischte sich die Hände an einem Geschirrtuch sauber.

Sie hatte ja geahnt, dass es nicht leicht werden würde, trotzdem hatte sie ihrer Mama zuliebe zugesagt, zu Heilig Abend und den zwei Feiertagen die weite Strecke mit dem Auto zu kommen und auch beim Kochen zu helfen. Sie hatte aber nicht geglaubt, dass es so schlimm werden würde. Dass dieser Onkel und die Tante meckerten, war nichts Neues, aber so? Sollten sie doch einfach nicht kommen, wenn sie mit Nichts zufrieden waren. Egal ob angeblich nicht genug Handtücher da waren oder die Brötchen nicht knusprig waren, die Enkel beim Kaffeebesuch zu laut waren oder der Hund mal schnell in den Garten musste… Es gab da eine lange Liste und jetzt auch noch das gesamte leckere Weihnachtsessen.

Für Julia war Schluss mit lustig, als ihrer Mama in bitterer Traurigkeit der Teller aus den Fingern rutschte. Nun endete also dieser Abend mit empörten Geschnake über Benehmen und Unverschämtheiten und ganz anderen ungeheuerlichen Beschimpfungen, bis Onkel und Tante endlich von dannen gezogen waren - und Julia prostete ihrer Mama mit einem guten Schluck Wein zu, als endlich im Hause Ruhe herrschte, und sie zu zweit ein besinnliches Weihnachten feiern konnten.

Ende.

10/ 2018

 


 

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