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„Gabe, Herrgott …“

„Sprich nicht dieses Wort!!!“

„Verdammt noch mal…“

„Schon besser!“

„GABE!!! Es reicht!!! Wenn du nicht endlich Ruhe gibst, dann fliegst du hier raus!“

„…“

„Was ist denn nur los mit dir?“

„…“

„Schön, wenn du jetzt schmollen willst, bitte – aber SETZE dich endlich auf deinen zarten Hintern und lauf mir nicht den Boden durch!!! – Gut. Ich bin mit den Unterlagen hier gleich durch! Dann bin ich fertig für heute.“

„Das wird aber auch Zeit.“

„Wie das wird Zeit? Was ist denn heute so besonders?“

Hmmm… Ach nichts!“

„Dieses Nichts kenne ich. Da ist doch noch mehr. In all dieser endlosen Zeit habe ich dich wirklich gut kennen gelernt. Hinter diesen Hörnern steckt mehr, als du oft erwartest.“

„Ich weiß - Aber es ist eh nicht wichtig …. Guck nicht so. Es ist wirklich nicht wichtig. Ich sollte jetzt vielleicht gehen.“

„Halt! Komm mal her, mein kleines Engelchen.“

Hmpf! Ich bin nicht klein. Und lass meinen Flügel los!“

HaHaHa. Ich kann nichts dafür, dass du kleiner bist als ich.“

„Das sind nur die spitzen Dinger da auf deinem Kopf.“

„Trotzdem bin ich größer. Und jetzt erzähl mal was los ist. Hat dich Micha oder Raph wieder geärgert.“

„Nein.“

„Hmmm… Hast du deine Aufgaben nicht erfüllt? Nein – das machst du immer sehr gut. Hat es mit den Menschen zu tun?!“

„Hmmm…“

„Jetzt erzähl! Sonst muss ich deine Flügel rannehmen – da bist du immer so kitzlig!“

„Nein, Finger weg – Na gut! Heute hat der junge Herr Geburtstag.“

„Ja und?“

„Die Menschen feiern ihn. Jedes Jahr wieder.“

„Ja. Das gehört zu ihrem Glauben. Jedes Jahr ein riesiges Fest.“

„Na ja. Und wir – wir haben keinen Geburtstag, obwohl uns der Herr doch erschaffen hat.“

„Hey, Gabe … “

„Nein, lass mich aussprechen. Ich finde das o.K., wenn wir unseren nicht feiern, wie die Menschen ihren und den des jungen Herrn. Schließlich haben Menschen doch nur so eine kurze Zeit zu leben. Aber ich habe gesehen, wie die Menschen den Geburtstag des jungen Herrn feiern und ich … ich.“

„Du willst auch, Gabriel!?“

„… Ja. Weißt du, ich habe die Menschen oft beobachtet. Auch zu diesem Fest. Und es ist so ein schönes Fest. Alles strahlt in warmen Lichtern und die Menschen finden zusammen, ohne dass wir irgendwie helfen müssen. Daher haben wir jetzt so wenig zu tun. Und ich frage mich, warum wir nicht den Geburtstag feiern. Wir, die doch dem Herrn und dem jungen Herrn am nächsten sind.“

***

„Na? Wie fühlst du dich?“

„Ungewohnt in dieser Kleidung. Und meine Flügel fehlen. Ich fühle mich so unsicher.“

„HaHa. Das glaube ich. Mein Schwanz hat mir am Anfang auch gefehlt. Aber du gewöhnst dich sicher schnell daran.“

„Hoffentlich. Es gibt hier soviel zu sehen. Da! Das Schaufenster…!“

„Wah! Zieh nicht so. Du bist ja voller Elan. So habe ich dich schon lange nicht mehr erlebt.“

„Ja, nicht?! Ich fühle mich toll. Guck – die kleine Figur, sie hat auch Flügel.“

„Entschuldigen Sie, aber diese Figur stellt den Erzengel Gabriel dar. Möchten Sie sie kaufen?“

„N-Nein. Ich habe kein Geld.“

„Doch. Wir nehmen die Figur. Wie viel soll sie denn kosten?“

„D-Danke. Ich – Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Und woher hast du Geld?“

„Freue dich einfach darüber, Gabe. Ich will, dass mein kleiner Bruder heute einfach nur glücklich ist. Und was das Geld betrifft – so war ich schon öfters auf der Erde, als du es dir vorstellen kannst.“

„Wirklich? Warum?“

„Weil ich die Menschen interessant finde. Wie sie es schaffen, ihr Leben zu bestreiten. Wie sehr manche an den Herrn und den jungen Herrn glauben. Ich habe es zu Beginn nicht verstanden und wollte es lernen. Und so habe ich natürlich auch das Weihnachtsfest schon miterlebt. Und heute freue ich mich, es dir zeigen und mit dir erleben zu können.“

„Luzi, heißt… heißt das, dass du bereust?“

„Ja, Gabriel. Ich bereue. Aus tiefstem Herzen. Denn ich glaube nun. Ich weiß nicht nur, sondern ich glaube wirklich an die Herrlichkeit Gottes.“

„…“

„Hey, Gabe, nicht weinen.“

„Ich…ich kann nicht anders.“

„Was gibt es denn da zu weinen. Du sollst doch heute fröhlich sein.“

„Bin ich ja.“

„Dann lass die Tränen weg. Komm, trockne sie. – Gut so! Warum denn die Tränen, wenn du doch fröhlich bist?“

„Weil, weil du…weil du wieder zurück kannst, Luzi.“

„Ich? Zurück? Nein – bestimmt nicht. Außerdem bin ich gerne, wo ich bin. Die Aufgaben sind auch wichtig. Es wäre nur schön, wenn ich meinen kleinen Bruder öfter sehen könnte.“

„Dann werde ich den jungen Herrn bitten, dich öfter besuchen zu dürfen. Er wird es bestimmt erlauben.“

„Ja. Und ab jetzt werden wir jedes Weihnachten feiern, wenn es dir so gut gefällt, Gabe. Und siehst du – nicht nur die Menschen finden zum Geburtstag des jungen Herrn zusammen…“

Ende

(2005)