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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Das fünfte Puddingförmchen"

 

 


"Mama, du hast das fünfte Förmchen vergessen!", rief Laura aufgebracht ihrer Mutter zu und holte aus dem Schrank noch das letzte heraus.

Sie waren gerade von der Kirche zurück, wo sie das Krippenspiel sehen konnten und nun waren sie und ihre Mutter in der Küche beschäftigt, um das Essen für den Abend vorzubereiten, während ihre kleinere Schwester Mia mit ihrem Vater zusammen den Tisch festlich eindeckten.

"Und du nimmst deine Nase da weg", erklärte sie bestimmt ihrer Border-Collie-Dame Tjep und schob die freche schwarz-weiße Schnauze beiseite. "Geh doch Mauritius ärgern", gab sie ihr noch den Vorschlag, bevor sie weiter machen wollte. Mauritius war nämlich ihr fetter bunter Glückskarter, der bestimmt wieder faul auf der Sofalehne lag, die Beine rechts und links runterhängend. Es sah immer sehr entspannend aus, doch durfte man das der Katze nicht nachmachen, da sonst das Sofa umkippte. Blöde Sache war das. Na ja.

Tjep trollte sich tatsächlich aus der Küche und schnüffelte sich durchs Wohnzimmer und Laura konnte endlich ihren Pudding kochen, während sich ihre Mutter grad um die Suppe kümmerte und den Braten im Ofen prüfte.

Sie war gerne mit in der Küche und versuchte vieles selbst auszuprobieren. Doch am Besten konnte sie bisher verschiedene Nachspeisen. Und zum Heilig Abend gab es also einen selbstgekochten Schokoladenpudding in einer Sternchenform, die sie nach dem Abkühlen stürzen konnte. Danach kamen noch einige angeröstete Mandelblättchen drüber und die Eltern gaben immer noch gern einen Schluck Eierlikör dazu. Sie verzog das Gesicht: wer es halt mochte…

Sie arbeitete mit viel Lachen und Vergnügen mit ihrer Mama zusammen, irgendwann kam auch Mia dazu, aber nur zum heimlich Naschen. Ihr Vater war noch einmal mit Tjep einen kleinen Spaziergang machen, damit sie den Abend nicht unruhig wurde.

***

Es lief leichte Weihnachtsmusik im Hintergrund als die junge Familie zusammen saß und der Hauptgang gerade vorbei war. Laura half den Tisch vom benutzen Geschirr abzuräumen und dann in der Küche noch schnell die Mandelblättchen anzurösten. Sie sollten frisch und warm auf ihren Sternenpudding kommen.

Als sie alle verziert hatte, viel ihr Blick auf den fünfte Stern und sie kam ins Grübeln. "Mama, können wir nicht schon jetzt den Pudding bringen? Jetzt sind die Mandeln noch warm." Sie sah zwischen ihrer Mutter und ihrem Vater hin und her. Sie nickten dann. "Natürlich, wir warten auf euch."

"Los Mia. Tjep kommt auch mit", rief Laura aufgeregt, schnappte sich den fünften Pudding. Vorsichtig stieg sie die Treppen im Hausflur herunter, um in die 1. Etage des dreistöckigen Mehrfamilienwohnhauses zu kommen. Tjep sprang neben ihr her und Mia hielt sich an ihrem Pullover fest.

An der Wohnung unten rechts klingelte Laura schließlich. Es dauerte ein paar Augenblicke, dann hörte sie Schritte und endlich wurde ihr die Tür geöffnet. "Fröhliche Weihnachten, Herr Laurenz. Der ist für Sie", rief Laura etwas nervös. Sie wusste schließlich nicht, ob Herr Laurenz Schokopudding mochte. Doch der alte Mann lächelte übers ganze Gesicht und die sonst traurig wirkenden Augen blickten glücklich. "Laura, Kleines. Das ist so lieb von euch. Vielen Dank. Den werde ich ausgiebig genießen. Und Mia? Hast du mit geholfen?"

Mia wirkte verlegen, als sie flüsternd gestand, sie habe nur genascht aber dabei hingewiesen, das Zucker fehlen würde. Herr Laurenz lachte gutmütig. "Wartet mal einen Augenblick", bat er die Mädchen und verschwand kurz in seiner Wohnung. Dann kam er mit zwei Briefumschlägen zurück, auf denen die Namen der Mädchen standen. "Hier, für euch, weil ihr euch jedes Jahr so viel Mühe gebt." "Oh. Danke", brachte Laura überrascht heraus. Immerhin kochte sie den Pudding nicht, um dafür irgendetwas von Herrn Laurenz geschenkt zu bekommen.

"Das ist in Ordnung so, Laura, und nun geht wieder hoch zu den Eltern. Sicher gibt es bald Bescherung nicht?", fragte er und streichelte nebenher den Kopf der gescheckten Hündin. "Erst müssen auch wir noch unseren Pudding essen", rief Laura. Dann verabschiedete sich noch brav und stieg mit Mia und Tjep im Schlepp wieder die Treppen hinauf.

Herr Laurenz blieb allein in seiner Wohnung zurück, doch genoss er wirklich den überaus leckeren Schokopudding.

 

Ende

(1.12.2013)