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Sie blickte zufrieden aus dem Fenster hinaus und strich sich ihr Festtagskleid zurecht. Sie sah zu dem Hof weit drüben auf der anderen Seite der Wiese hinüber, der dunkel und still und endlich friedlich da lag. Es war schon dämmrig und bald würden ihre beiden Söhne Sebastian und Rafael mit den Schwiegertöchtern kommen und auch alle fünf Enkel dabei haben und der Hundemischling von Rafael durfte auch nicht fehlen. In weniger als einer Stunde würde das Haus also wieder voller Leben und Trubel und Chaos sein. Elenore liebte es, denn die Tage auf Land konnten schon lang werden, wenn man allein in einem Bauernhaus wohnte.

Sie hatte schon alles vorbereitet; die Zimmer gemacht, das Haus weihnachtlich geschmückt und auch das Essen für den Abend soweit fertig, dass sie jetzt noch etwas Zeit hatte. In einem Körbchen hatte sie selbstgebackenen Gewürzkuchen und eine Flasche selbstgemachten Glühwein dabei, den sie ihrer jungen Nachbarin die wenigen Meter zum anderen Haus hinüber brachte. Sie klingelte und musste nicht lange warten, bis ihr die Tür geöffnet wurde.
"Elenore. Du bist es! Ist doch etwas vorgefallen?", fragte Magdalena aufgeregt und blickte sich hektisch um, sah verängstigt zu dem stillen Hof hinüber.
"Kind. Jetzt beruhige dich doch. Alles ist in Ordnung. Meine Söhne werden gleich kommen und davor wollte ich dir noch eine kleine Überraschung vorbei bringen."
"Oh! Oh! Das ist aberů Ja, danke. Elenore. Ich kann dir gar nicht genug danken."
"Es ist alles in Ordnung. Er wird uns nun nie wieder etwas antun."
"Ja. Du stehst für immer in meiner Schuld. Wann immer du auch Hilfe brauchst, zögere nicht, dich bei mir zu melden."
"Danke. Ich werde es mir merken. Und nun genieße den friedlichen Abend."
"Elenore. Eins noch." Die junge Frau beugte sich näher und flüsterte nur noch. "Was hast du mit - na ja, mit dem Rest gemacht?"
"Keine Sorge. Man wird nichts mehr finden können", lächelte Elenore.

Zurück im Haus, prüfte Elenore noch einmal, ob alles so war, wie es sein sollte. Sogar für den Vierbeiner hatte sie schon den Wassernapf und das Hundekissen am Kamin drapiert. Und da klingelte es und ihre Familie fiel über sie her. Es wurde sich gedrückt, geknuddelt, umarmt und geherzt. Jeder wollte zuerst und erst nach einer ganzen Weile ordnete sich das Chaos und Elenore schaffte es endlich, dass sich alle am großen Esstisch einfanden. Sie stießen mit schweren roten Wein für die Erwachsenen und mit rotem Traubensaft für die Kinder an und dann konnte das große Schmausen losgehen. Sogar der Hund hatte zum Feiertag einen extra riesigen Knochen bekommen.

Der Höhepunkt war wie immer der Braten, den Elenore natürlich selbst zubereitet hatte.
"Mama, dein Braten schmeckt dieses Jahr besonders gut."
"Vielen Dank, Rafael. Er ist diesmal auch etwas Besonderes. Es gab nur diesen einen", sagte sie und schaute gedankenverloren hinaus aus dem Fenster, während sie genussvoll aß.

 

 

Fröhliche Weihnachten

 


 

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