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Es raschelte leise, als Raziel sachte auf dem Boden aufkam. Er schüttelte seine Flügel etwas, um den Schnee loszuwerden und die Nässe nicht in die Höhle mit hinein zubringen. Dann faltete er seine schwarzen Flügel sorgfältig auf den Rücken und betrat lautlos die kleine Höhle. Die Feuerstelle verbreitete etwas schummriges Licht. Nicht das Raziel viel Licht brauchte. Immerhin war er ein Wesen der Nacht und zudem der Herr dieses Waldes.

Aber das Mädchen, das an den großen Schneewolf gekuschelt am Feuer schlief, brauchte Licht. Denn sie war ein Mensch, ein kleiner noch dazu. Fast verschwand sie unter dem großen Wolf, der den Kopf hob, um Raziel mit einem ganz leisen Schnaufen zu begrüßen. Raziel trat näher und streichelte den Wolf. Mit einem gezielten Ohrenkraulen bedankte er sich, dass der Schneewolf so gut auf das kleine Mädchen aufpasste, das nun fast schon ein halbes Jahr bei ihnen im Wald lebte.

Raziel hatte beobachtet, wie sie von den Bewohnern ihres Dorfes vertrieben worden war und in ihrer Verzweiflung suchte sie Zuflucht im verwunschenen Düsterwald. Dahin folgte ihr kein Mensch. Raziel dachte, sie würde jetzt verängstigt herumirren, doch sprach das Mädchen einfach die ersten Tiere an, die sie traf - und diese antworteten ihr. Das war die besondere Gabe des Mädchens, weswegen andere Menschen sie wohl für einen Dämonen hielten und verjagt hatten. Sie war kein Dämon, das konnte Raziel ganz deutlich spüren. Aber sie war etwas Besonders und daher hatte er sich ihr gezeigt.

Sie hatte ihn angelächelt und gefragt, ob er in diesem Wald leben würde, denn im Dorf hatte sie noch nie einen wie ihn getroffen. Er hatte genickt - und war wieder verschwunden. Er hatte sie jedoch nie aus den Augen gelassen, aber den großen Schneewolf gebeten, sich ihrer anzunehmen und ihr das Leben im Wald zu zeigen. Denn Raziel hatte es nicht so mit Menschen. Auch nicht mit kleinen, stets heiteren, mit Tieren sprechenden Menschen.

Und so lebte sie recht vergnügt in seinem Wald und verbreitete viel gute Laune. Tagsüber streunte sie mit dem Wolf durch den Wald, lag auf Lichtungen zwischen Blumen oder schwamm im See. Seit es schneite, baute sie Formen aus dem Schnee und Raziel fand sich eines Tages als Schneefigur wieder, mit Tannenzweigen als seine Flügel. Manchmal zeigte sich Raziel, ganz selten sprachen sie miteinander. Langsam gewöhnte sich Raziel an ihr Dasein und jetzt konnte er sogar sagen, dass es schön war, sie hier zu haben.

Und weil in einem Tag ein neues Jahr im Düsterwald begann, hatte Raziel sich entschieden, ihr ein kleines Geschenk zu machen. Er kniete sich neben das Mädchen und legte ihr ein kleines Päckchen hin. Es war ein kleiner Holzkamm darinnen. Ihr eigener war vor wenigen Tagen zerbrochen und sie hatte es noch nicht geschafft einen Neuen zu machen. Ihr fehlte das Werkzeug dazu. Er hatte dafür mit seinen Klauen keine Probleme einen feinen filigranen Kamm mit Verzierungen zu fertigen. Außerdem hatte es ihm Spaß gemacht für diesen speziellen Menschen etwas zu fertigen, von dem er wusste, dass sie es brauchen und mögen würde.

Er streichelte noch einmal den Wolf, dann verschwand er lautlos in der kalten Winternachtů

 

 

Fröhliche Weihnachten

 


 

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