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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Die zerbrochene Glaskugel"

 

 


 

Sie holte die kleine Schachtel ins Wohnzimmer und stellte sie vorsichtig zu den anderen auf den Tisch. Dann machte sie extra Weihnachtsmusik an, denn damit schmückte sich ein Weihnachtsbaum am besten.

Leider konnte sie heute den schönsten Teil der Weihnachtsvorbereitung nicht mit ihrem Freund zusammen machen. Dieser war gerade noch unterwegs, da ihn ein Notfall seiner Firma einige hundert Kilometer quer durch Deutschland geschickt hatte.

Doch sie freute sich, denn vor wenigen Minuten hatte sie eine Nachricht von ihm erhalten, dass er soeben fertig geworden sei, schon im Auto saß und gleich losfahren würde; also noch heute, wenn auch spät, zu Hause sein würde. Dazu waren einige Herzen und Kuss-Smileys drangehängt. Wenigstens hatte er morgen zum Heilig Abend keine Bereitschaft. Der Tag konnte also ganz ihnen gemeinsam gehören.

Sie machte sich noch eine Tasse Glühwein fertig, dann endlich begann sie den Baum zu schmücken. Sie sang dazu die Lieder im Radio mit.

Der Baum füllte sich immer mehr und er gefiel ihr immer besser. Als sie fertig war, brachte sie auch schon ihre gepackten Geschenkepäckchen her und legte sie unten drunter. Das sah doch alles sehr hübsch aus.

Oh! Da war noch eine kleine Kiste. Diese hatte sie fast übersehen. Es waren drei gläserne rot-goldene Kugeln, die sehr teuer gewesen waren, aber auch wunderschön aussahen. Die durften auf keinen Fall fehlen, denn die hatte er ihr letztens erst geschenkt.

Sie nahm die erste in die Hand, hängte den kleinen Aufhänghaken daran und streckte sich, um sie weiter oben an einer gut sichtbaren Stelle aufzuhängen.

Es geschah wie in Zeitlupe: die Kugel wollte am Zweig nicht hängen bleiben und rutschte wieder weg, sobald sie sie losgelassen hatte. Sie fiel auf den Boden und zersprang in tausend Scherben. Es schmerzte sie mehr, als es eine einfache Glaskugel hätte tun sollen und Tränen stiegen in ihre Augen. Sie blickte auf die Splitter und spürte Kälte ihre Seele ergreifen...

 

200 Kilometer weit entfernt, rutschte ein LKW auf plötzlich vereister Brücke durch die Mittelplanke und rammte auf der Gegenfahrbahn einen PKW, der in den Abgrund stürzte.

 

ENDE.

 


 

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