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Er hatte es nicht glauben wollen und doch stand er nun hier und wusste nicht, ob er sich da wirklich hineingetrauen sollte, wollte, musste…

Er musste! Denn seine Freundin wollte es so sehr und sie wollte nicht allein hinein, da er doch genauso mit aussuchen sollte, immerhin würden sie ihr allererstes gemeinsames Weihnachten feiern. Er machte sich auf alles gefasst, was ihm begegnen könnte, dann folgte er dem Zug ihrer Hand. Sie lächelte ihn glückselig an, als sie in ihre Traumwelt eintauchten.

Er wurde von der überwältigenden Masse an Weihnachtszeug regelrecht erschlagen. Zudem dudelte Weihnachtsmusik im Hintergrund und irgendjemand hatte für reichlich Räucherwerk gesorgt, sodass es einem ganz schummerig wurde. Er ließ sich willenlos durch die eng stehenden Regelreihen und Menschen führen und nickte oder grummelte nur, wenn seine Freundin ihm etwas hinhielt. Und das war nicht gerade wenig. Sie entdeckte so viel Tolles, dass der kleine Einkaufskorb sich rasant füllte.

Als sie jetzt aber auch noch in die Abteilung der Spieldosen kamen, war es ihm zuviel. Er musste hier raus! Ihm war schwindelig und er hatte Kopfschmerzen. Er hauchte ihr eilig einen Kuss auf die Wange und murmelte etwas von Übelkeit und frischer Luft. Geradezu fluchtartig verließ er den Laden und mit einem beherzten Hüpfer über die Türschwelle war er der Qual entronnen. Er atmete tief ein und streckte das Gesicht der Sonne entgegen.

Am besten setzte er sich dort drüben auf die Terrasse des Cafés und trank ein kühles Bier oder schleckte ein lekka Eis. Denn die sommerliche Hitze dieses schönen Augusttages trieb ihm ordentlich Schweiß auf die Stirn.

Jawohl! Richtig! Sie hatten Sommerurlaub im wunderschönen Örtchen Rothenburg und wollten eigentlich wandern und entspannen. Doch nun waren sie Weihnachtskram kaufen. Bei 32 Grad im Schatten!

Er wollte sich gerade seiner wohlverdienten Erfrischung zuwenden, als ihn seine Freundin von hinten umarmte und sich über ihre tolle Auswahl freute, die sie in einem Weihnachtsbeutel bei sich trug. Ah. Sie war also doch schon fertig.

"Wo willst du hin?", fragte sie ihn, als er sich zum Gehen wendete. "Wir müssen doch noch da drüben rein. Dort gibt es die Glaskugeln für den Tannenbaum", deutete sie völlig ernst auf ein zweites Weihnachtsgeschäft auf der anderen Straßenseite und zog ihn mit sich.

Ob er das überleben würde?

ENDE.

 


 

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