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Theo war froh, die Weihnachtsfeiertage endlich mal wieder in seinem kleinen Heimatort verbringen zu können. Er hatte sogar so zeitig frei bekommen, dass er bereits wenige Tage vor Weihnachten zu seinen Eltern fahren und noch ein wenig über den kleinen Weihnachtsmarkt gehen konnte. Der war nicht sehr groß, aber immer wieder sehr gemütlich und brachte in Theo wieder Erinnerungen einer glücklichen Kindheit zurück.

Nicht dass er jetzt traurig wäre, aber die Großstadt war einfach immer mit Hektik und wenig Ruhe verbunden. Zudem war er seit längerem allein und als er sich jetzt auf den Weg zum Markt machte, erinnerte er sich an seinen besten Freund Tilo, mit dem er früher immer gemeinsam über den Markt gestromert war. Seit Theo aber vor zehn Jahren von hier weggezogen war, hatte er von diesem nichts mehr gehört. Er wusste weder wo er nun wohnte, gar wie es ihm ging oder was er zwischenzeitlich gelernt hat.

Er stoppte. Was lag denn dort? Er ging näher und entdeckte mitten im weißen Schnee einen schönen bunten Schal. Er nahm ihn auf und betrachtete ihn sich. Er war nicht durchnässt, musste also erst vor kurzem hier verloren gegangen sein. Er beschloss, ihn mitzunehmen. Vielleicht fand er auf dem Weihnachtsmarkt den rechtmäßigen Besitzer. Der Einfachheit halber wickelte er ihn sich um den Hals. Damit gelang ihm der Duft des eigentlichen Besitzers in die Nase. Hmmm… Etwas winterlich und herb, dazu eine fruchtige Note. Er kuschelte sich noch etwas mehr in den Schal und spazierte weiter.

Nicht lange und er sah schon die ersten kleinen Buden, die auf dem Platz um das Kirchlein herum aufgestellt waren. Es wurde jetzt langsam dämmrig und überall waren schon Kerzen und Lichter entzündet. Ein kleiner Chor sang und es drängelten sich reichlich Besucher zwischen den Ständen. Theo steuerte zuerst den Glühweinstand der FFW an, um sich aufzuwärmen. Dabei begrüßte er so manch alten Bekannten von früher. Man gab sich die Hand und plauderte. So zog sich der Abend. Theo stromerte von Stand zu Stand, kaufte ein paar Geschenke für seine Ellis, naschte und trank, und unterhielt sich mit vielen Leuten.

"Tilo, ist das nicht dein Schal?", rief da eine junge Frau irgendwo hinter ihm. Theo blieb stehen. Einerseits, weil er wohl den möglichen Besitzer des bunten Schals gefunden hatte und zweitens, weil ihn der Name aufschreckte. Sollte das sein Tilo sein? Sein bester Freund von damals? Er drehte sich um - und wirklich: genau vor ihm stand Tilo. Braune verwuschelte Haare unter einer ebensolch bunten Strickmütze, wie der Schal es war. Und staunende große braune Augen. Ja! Das war sein Tilo.

Und Tilo? Der jauchzte auf und warf sich freudig lachend auf Theo, der gerade so noch die Arme ausbreiten konnte. Was für ein tolles unverhofftes Wiedersehen. Jetzt würde er mit Tilo erst mal kräftig Glühwein trinken gehen. Dieses Treffen musste gefeiert werden!

 

ENDE.

 


 

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