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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Angus Greenwood's Gäste"

 

 


 

Angus Greenwood, Duke of Cornwall, goss sich und seinen beiden Gästen einen Schluck blutig roten Wein ein und prostete ihnen zu. "Fröhliche Weihnachten", sprach er huldvoll und setzte sich.
"Fröhliche Weihnachten", knurrte Sir Clayton. Wein war nicht so sein Ding, aber für den Duke machte er gerne diese Ausnahme. Immerhin hatte dieser seine Gruft extra für den Festtag geputzt und sogar den ollen Sarg mit einem weißen Tuch abgedeckt, damit er sich hier wohlfühlte.
"Also, wollen wir die Geschenke austauschen?"
"Oh ja. Bitte. Ich möchte zuerst", rief Prinzessin Iset, die recht vergnüglich neben dem Duke auf dem Sarg saß, mit den bandagierten Beinen schaukelnd. Als Mumie fühlte sie sich hier sichtlich wohl. Untote eben.

"Tadaa! Das, liebster Sir Clayton, ist mein Geschenk für dich. Ich hoffe, es gefällt dir." Sie holte eine kleine Kiste hervor und Sir Clayton nahm das Geschenk argwöhnisch entgegen. Die altägyptische Prinzessin, die derzeit im Museum zu besichtigen war, hatte schon die sonderbarsten Geschenke gemacht. Und richtig. Sein Geruchssinn schlug an. Da war ein Tier in der Box.
"Sag mal, Iset, musstest du eine von den Katzenmumien mitbringen?", brummte er.
"Ich schenke dir doch keine tote Katze. Los, mach auf. Aber vorsichtig mit deinen Klauen. Musste es denn ausgerechnet heute Vollmond sein?", murmelte sie verstimmt.
"Oh", kam es da überraschend von Sir Clayton, heute im Wolfspelz. In einer seiner großen Pranken saß ein kleines flauschiges quicklebendiges Kitten und blickte ihn aus großen Augen neugierig an.
"Ich dachte, du bist immer so allein im Wald. Also bekommst du heute von mir das Kätzchen geschenkt. Es war allein und braucht eine Familie."
"Danke", brachte der Werwolf nur heraus. Das war ein so wunderbares und süßes Geschenk. Er kraulte das Kätzchen hinter den Ohren und sofort begann es mit schnurren.

"Iset, das war eine tolles Geschenk", brachte sich nun der Duke auch ein. "Da hast du dir dein Geschenk von mir wirklich verdient." Damit holte er eine kleine Phiole mit dunkler Flüssigkeit aus den Untiefen seines Mantels. "Dies ist das Blut einer Prinzessin", erklärte er und reichte es an Iset weiter. Sie schnupperte daran. "Angus, das ist das Blut einer Jungfrau! Du hast wirklich so viel für mich übriggelassen?"
"Ja. Und es fiel mir nicht leicht. Sie war ein wirklich guter Jahrgang."
Iset fiel ihm um den Hals. Das war so lieb von dem Duke. Ein besseres Geschenk hätte er ihr nicht machen können. Das Blut einer jungfräulichen Prinzessin!

Nun saßen die Mumienprinzessin und der adelige Vampir auf dem Sarg und blickten grinsend zum Werwolf hinüber, der völlig weltvergessen mit dem kleinen Kätzchen spielte. Bis die Prinzessin sich räusperte.
"Sir Clayton! Hast du nicht auch noch ein Päckchen zu verschenken?", fragte sie und der Werwolf bekam große Augen. Na eben. Das Geschenk für den Duke! Er holte ein weiches Päckchen hervor. Der Duke nahm es dankend entgegen und öffnete es eilig. Gleich hielt er schwarzen, schweren Stoff in den Händen; ein Umhang für den Winter.
"Sir Clayton! Das ist ja ein neuer Umhang für mich. Er sieht gut aus. Neueste Mode?"
"Ja. Der junge Bursche war grad mit seiner edlen Kutsche im Wald unterwegs. Er schien sehr auf den aktuellen Trend geachtete zu haben."
"Der ist wirklich sehr hübsch. Damit kann ich mich auch wieder mal im Theater blicken lassen." Er legte ihn sich gleich um und die Prinzessin versicherte ihm, dass er ihm wirklich sehr gut stand.

Gerührt von den schönen Geschenken, die jedem wirklich gut gefallen hatten und ihrer außergewöhnlichen Freundschaft, hielt der Duke wieder sein Glas in die Höhe und prostete seinen Gästen nochmals festlich zu.

 

 

Fröhliche Weihnachten

 


 

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