zurück zur Bibliothek

 

 

du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Alexander Ried - Teil 15"

 

 


 

"Alex." Der rufenden Stimme folgten ein zärtlicher Kuss und eine Hand, die streichelnd seinen Arm und dann seine Wange berührte. Alex seufzte nur leise, wollte gar nicht aufwachen. Es war hier gerade so behaglich.
"Alex, Abendessen ist fertig", wurde er weiter gelockt. Er schlang seine Arme um Rian und zog ihn zu sich. Sie küssten sich in langsamer Gemütlichkeit bis Alex nur noch kuschelte und den Geruch seines Liebsten genoss. Seine Hände fuhren tastend über seinen Rücken und erfühlten weichen Stoff. Er blinzelte und erkannte, dass Rian sich umgezogen hatte. Er trug diesen tollen meerblauen Pullover, der ihm so gut an Rian gefiel.

"Na, du Schlafmütze. Du hast es dir hier ja richtig gemütlich gemacht mit dem Kamin." Rian deutete auf das Feuer und auch den Tannenzweig und als Alex mit Blicken der Bewegung folgte, sah er neben seinem Geschenk für Rian ein zweites an der Vase lehnen. Eine schmalere hübsche schwarze Schachtel mit roter Satinschleife. Er strahlte Rian an. Da hatte er ihm doch mit dieser Reise schon so ein tolles Geschenk gemacht und dann hatte er sogar noch ein richtiges Weihnachtspäckchen für ihn.
"Wollen wir zuerst essen?", fragte Rian bei diesem Blick. Er hatte ehrlich Hunger, doch wenn Alex sein Geschenk gleich auspacken wollte, dann würde er sich noch gedulden. Immerhin lagen hier griffbereit die Cookies.

"Essen klingt sehr gut", sagte Alex. Auch er hatte Hunger und wollte wissen, wie das schmeckte, was da so gut roch. Außerdem hatte sich Rian mit dem Kochen soviel Mühe gegeben, dass es unverschämt wäre, ihn warten zu lassen und damit das Essen zu ruinieren, weil es kalt wurde oder zerkocht war. Er ließ sich vom Sofa hochziehen und folgte ihm in die Küche.

Rian bedeutete ihm am vorderen Ende des großen Tisches Platz zu nehmen, wo bereits alles festlich eingedeckt war. Es lag sogar eine rote Tischdecke auf und eine dicke weiße Kerze mit Wintermotiven tauchte alles in schimmerndes Licht. Der Flammenschein spiegelte sich in Wasser- und Weingläsern und dem blanken Silberbesteck, das auch schon neben dem weißen robusten Keramiktellern bereit lag. Ein großer Krug mit Wasser stand neben den Gedecken. Kleine Tannenzweigchen in niedrigen Wassergläsern in der Mitte des Tisches rundeten Rians Weihnachtsdekoration ab.

"Das sieht toll aus", lobte Alex und dabei fiel ihm ein, dass er doch seine Mutter zum Heiligen Abend anrufen wollte. Dieser herrlich eingedeckte Weihnachtstisch wäre ein optimales Grußfoto.
"Du~u. Rian?"
"Was ist, mein Schatz?"
"Darf ich dein Smartphone missbrauchen?"
"Für deine Mama?" Was für ein Schlitzohr. Rian durchschaute ihn einfach zu gut.
"Na ja. Es sieht so schön aus, wie du eingedeckt hast und mein Handy ist doch noch so ein altes. Aber mein Vater hat schon ein neues. Er meint, er hätte sogar WhatsApp. Wenn ich dir seine Nummer gebe, könnten wir einen schönen Weihnachtsgruß schicken."

So machten sie es. Sie schafften es, ein schönes Foto von sich gemeinsam mit dem gedeckten Tisch zu schießen und über Rians geniales iPhone auch zu verschicken. Fast prompt folgte die Antwort seiner Eltern, die sich sehr freuten und sich wunderten, wo er denn wäre? Sie antworteten noch kurz, dass sie sich auf der Insel ‚Linksfahrend' befanden und morgen mal anrufen würden. Dann blieb das Telefon still und Rian konnte den ersten Gang auftragen.

Es ging mit leichter Kost los: ein bunter Salat mit äußerst leckerem Dressing und Garnelen. Dazu gab es einen gekühlten Weißwein, der Alex aufgrund seiner fruchtig-leichten Note sehr gut schmeckte.

Für den nächsten Gang wollte Alex beim Abräumen mit helfen, doch wollte Rian davon nichts wissen. Er solle sich ruhig bedienen lassen; das hatte er sich verdient. Außerdem war er doch krank und müsse sich schonen. Alex war der Meinung, dass eher Rian sich ein wenig Bedienung verdient hätte, soviel, wie er für ihn bereits getan hatte, doch bemerkte er, dass es ihm Freude machte. So blieb er sitzen und hatte seinen Spaß daran, seine persönliche Bedienung ein wenig zu scheuchen. Rian ließ sich aber nicht ärgern und gönnte seinem Schatz die liebgemeinten Frechheiten.

Zum Hauptgang staunte Alex über einen mit Rosinen, Nüssen und Honig gefüllten Truthahn aus dem Ofen, dazu geschmortes Wurzelgemüse und Rosmarin-Kartöffelchen. Rian tranchierte den riesigen Vogel fachmännisch am Tisch und gab jedem etwas auf den Teller. Es schmeckte wunderbar und Alex war sich sicher, so gut noch nie gegessen zu haben. Zwar kochte seine Mutter sicherlich auch sehr gut, aber typisch deutsche Hausmannskost. Rian kochte nicht nur deutsch und schon fast ein wenig auf Sterneniveau und als er ihn fragte, wo er das gelernt hatte, gestand Rian, dass es eine persönliche Leidenschaft war. Nicht nur war er ständig aufgrund seiner Stellung in teuren Restaurants mit Kunden und Geschäftspartnern essen, er wollte auch gerne selbst so gut kochen können, wie er in den Sterne-Lokals aß. Und es lenkte seine Gedanken von den Geschäften ab, wenn er in der Küche neue und alte Rezepte ausprobierte und seine Familie und Freunde dann zum kosten vorbeikommen mussten.

Zu dem mächtigen Hauptgang gab es auch einen schweren Rotwein, der Alex ein wenig in den Kopf stieg. Immerhin hatte er am Nachmittag bereits Fruchtpunch und kurz vorher Weißwein getrunken. Es wurde ihm angenehm warm und er schwebte in Glück ein wenig durch das Hauptessen und dem sehr süßen und feurigen Nachtisch.

Zum Abschluss gab es nämlich einen süßen Christmas Pudding, der mit dunkler Schokolade gebacken und mit Rosinen, Orangen, Zitronenschalen und Mandeln gefüllt war. Rian übergoss ihn mit Whisky und servierte ihn in Flammen gehüllt. Als er für Alex und sich eine große Portion in die Dessert-Schälchen gegeben hatte, fragte er, ob sie nicht im Wohnzimmer den Nachtisch essen wollten. Alex fand, dass das eine sehr gute Idee war, konnte er sich doch so auf die Couch lümmeln. Es war nicht so einfach, da hinüber zu kommen. Der Alkohol benebelte sehr stark seine Sinne und schwankend hopste er mit seinen Krücken hinüber. Rian folgte mit den Leckereien und brachte sogar noch einen guten Sherry mit.

"Ich frage mich wirklich, ob du einen bestimmten Zweck verfolgst, indem du mich willenlos besoffen machst", beklagte sich Alex gutmütig bei dem vielen Alkohol, war aber schnell versöhnt bei dem köstlichen Christmas Pudding.
"Natürlich bezwecke ich damit eine bestimmte Absicht", lachte Rian ihm verschwörerisch ins Ohr und klaute sich von Alex' Pudding ein Stück, rückte ihm damit sehr bestimmend auf die Pelle.

"Aha", lachte Alex nur und entwand sich den eigentlich gewollten Zudringlichkeiten. Doch er wollte zuvor auch Rian beschenken. Er nahm sein Geschenk von Rian beim Weihnachtszweig weg und überreichte es Rian, indem er sich rittlings auf seinen Schoss niederließ und ihn küsste. Diesmal nicht sanft oder gemütlich, sondern mit Leidenschaft und sicherlich nicht dafür gedacht, Rian nicht anzumachen.

Rian stöhnte nur auf und packte kräftig zu, zog Alex dicht an sich. Das Geschenk war erst einmal vergessen. Erst als es Rian aus der Hand rutschte und mit einem sachten Poltern auf dem Teppich landete, kamen sie wieder zu sich. Er angelte erst das Päckchen wieder hoch, dann schob er Alex vorsichtig von sich. Er wollte ihn nicht loslassen, aber doch erst das Päckchen für ihn noch holen. Er hatte so ein Gefühl, dass sie es heute sonst nicht mehr schaffen würden.

So kämpfte er sich in die Höhe, ignorierte mannhaft die zu eng gewordene Jeans und die leisen Proteste seines Liebsten, und holte die hübsche schwarze Schachtel; dabei legte er noch einige Scheite Holz im Kamin nach, damit das Feuer nicht zu bald ausging.

Zurück bei Alex zog er ihn sich sofort wieder auf den Schoß, fühlte gleich wieder die Hitze zwischen ihnen und drückte recht rabiat das Geschenk in Alex' Hände, während er schon sein eigenes Päckchen öffnete.

Er entdeckte ein Foto. Darauf war Alex zu sehen und seine Kollegen aus seiner Abteilung. Sie lachten vergnügt in die Kamera und waren alle äußerst schick gekleidet. Er erkannte Alex' Kleidung von der Weihnachtsfeier. Es muss beim Empfang gewesen sein, bevor alles so dramatisch wurde, und Alex noch zufrieden war. Er sah wirklich hübsch aus und obwohl Caspar mit dem sehr dunklen Gesicht und dem ansteckenden breiten Grinsen auf jedem Foto hervorstach, sah Rian nur Alex.

"Danke. Das ist ein schönes Geschenk." Er bewunderte die organisatorische Leistung, die hinter dem Erwerb des Fotos steckte, da sich Alex und seine Leute der Abteilung seines Wissens nach eigentlich seit dem Krankenhaus nicht mehr gesehen hatten. Aber er wusste ja, dass Alex super organisieren konnte. Das war ein besonderes Talent, das er mit der Weihnachtsfeier ausreichend bewiesen hatte.

"Los, mach doch deines auf", drängte er aber auch gleich, weil Alex die Schachtel noch immer geschlossen in den Händen hatte.
Alex lachte bei der Ungeduld Rians. So kannte er ihn nicht. Er war immer sehr bedacht und eher zurückhaltend, wenn auch sehr bestimmend. Was gerade umso mehr hervortrat.

Er öffnete die Schleife und hob den Deckel. In Seidenpapier eingewickelt fand sich ein weinroter Stoff. Alex atmete überrascht ein und holte den Kaschmir-Schal hervor, den er bei Sasha im Herrenausstatter gefunden hatte, aber sich nie und nimmer hätte leisten können. Er legte ihn sich um den Hals und fand, dass er sich auch dort gut anfühlte.
"Danke, Rian. Das ist ja der Schal, den ich mir gewünscht hatte. Und das ist ein Weihnachten, wie ich es mir wünschen würde und du bist - bist ein Mann, wie ich es mir nur wünschen konnte. Das ist - ist - ist einfach alles so viel, dass ich glaube, dass es gar nicht wahr ist. Und dann kann ich dir gar nicht all das zurückgeben. Ich habe nicht so viel Geld." Ihm standen sogar die Tränen in den Augen, die er gar nicht zurückhalten konnte.

Rian war erschrocken. Mit soviel herzerweichender Dankbarkeit hatte er nicht gerechnet und er wollte auch nicht, dass Alex sich überfordert fühlte oder gar dachte, er müsse als mit gleicher Münze aufwiegen. Er wollte ihm nur zeigen, was er ihm bedeutete, obwohl sie sich noch gar nicht so lange kannten.

Er fasste Alex mit beiden Händen sachte am Gesicht, legte sie an seine Wangen, und zwang ihn damit sanft, ihn direkt anzuschauen, streichelte mit dem Daumen über seinen Nasenrücken.
"Alex, ich bin es, der sich immer wieder fragt, ob er träumt, wenn ich dich ansehe, rieche und schmecke. Doch du bist hier und dafür bin ich unendlich dankbar. Jedes Geschenk, das ich dir machen könnte, kann nicht genug ausdrücken, wie sehr ich dich liebe. Vor allem, da wir noch gar nicht so lange zusammen sind. Aber ich bin mir sicher; war es schon von Anfang an und als du so böse auf mich warst, zerriss es mich fast innerlich. Umso glücklicher bin ich jetzt - und du sollst sicher sein, dass ich niemals aufrechne. Ich arbeite hart und verdiene mein Geld auf ehrliche Weise und wenn ich entscheide, dass ich es für meine Liebe ausgeben will, dann ist das so. Du kannst beruhigt das Geschenk annehmen. Wenn du aber lieber etwas Günstigeres willst, schenke ich dir gerne auch einen kratzigen Wollschal."

Alex musste trotz Tränen darüber lachen und schlug Rian etwas fester auf die Schulter.
"Du Blödmann. Mach doch nicht solche Witze bei so einer ernsten Sache. Ich will keinen kratzigen Wollschal. Ich will dich!!!"

Dies bewies er auch gleich mit einem tiefen Kuss.

***

Rian griff sich nach kurzer Überraschung seine Beute und legte sie sorgsam auf ihrer bequemen Schlafwiese ab und begann auch schon gleich Alex unter feinen Küssen von der Kleidung zu befreien. Er nahm damit Alex eventuelle Nervosität und die offene gierige Eile. Ganz wie ein Geschenk, erkundete er mit allen Sinnen seinen Schatz. Dabei fand er schnell heraus, dass Alex nicht viel von sich gab. Er lag mit geschlossenen Augen in den Decken, fuhr fahrig mit den Händen über Rians Rücken und Arme und durch die Haare. Da wo er ihn eben so erreichte. Er reckte sich ihm entgegen, wenn es ihm besonders gefiel. Nur selten kam ein leises Stöhnen.

Es war wirklich wie ein Geschenk für Rian. Alex ließ ihn machen und gab sich ihm ganz hin. Dieses Vertrauen war wundervoll. Und schwierig. Er musste sehr auf Alex' Körpersprache achten, da er ja nichts sagte, und auf sein lädiertes Bein musste er auch noch aufpassen. Rian lächelte verliebt. So sehr musste er bisher wirklich noch nicht arbeiten im Bett, doch es machte ihm Spaß und wo er vorhin noch selbst voller Willen war, entschied er sich jetzt dafür, ganz allein Alex ein schönes Erlebnis zu bereiten.

Dafür arbeitete er sich an Alex' schlanken, noch etwas zu dünnen Körper hinab. Hoffentlich brachten Cookies, englisches gutes Essen und entspannende Tage wieder ein paar Pfunde auf die Rippen. Er hangelte einer plötzlichen Idee folgend nach einem Cookie und zerbröselte ihn auf Alex' Bauch. Es dauerte etwas, bis dieser merkte, dass irgendwas anders war.
"Rian?" Der lachte nur, schnappte sich einen größeren Krümel mit den Lippen und kam wieder hoch, gab Alex einen Keks-Kuss. Das war eine wirklich besondere Delikatesse.

Dann knabberte er die letzten Stücke von dem leckeren Bauch, der äußerst kitzlig war und rutschte endlich tiefer…

***

Irgendwann in der Nacht wachte Alex auf. Ähnlich wie am Tage zuvor lag er zwischen all den Decken und Kissen an Rian gekuschelt. Nur diesmal hatte er nichts mehr an und auch Rian war nackt. Er streichelte sachte über die glatte Brust vor sich und genoss die warme Haut seines Freundes. Sie roch nach Rian und Schweiß und Sex. Unwiderstehlich für Alex.

Aber er musste ins Bad. Der viele Alkohol hatte ihn nicht nur sexgünstig beschwipst, sondern wollte jetzt auch wieder raus. Er löste sich vorsichtig von Rian, um ihn nicht zu wecken und humpelte ins Bad. Ihm tat das Bein mehr weh, was wohl an der wilden Nacht lag. Er bereute es kein bisschen und dann merkte er auch noch eine ganz andere Stelle, die weh tat. So sehr sich Rian all die Zeit zurückgehalten hatte, sogar noch gestern Abend nur Alex Gutes tun wollte, so sehr war er unersättlich gewesen, als Alex nach mehr verlangte. Ein echtes Sexmonster! Mit erstaunlicher Ausdauer. Da konnte Alex nicht lange mithalten und musste einige Runden umdisponieren.

Es war alles wie ein Traum. Nach seinem Rausschmiss aus der alten Firma hatte er wider aller Erwartungen einen Job gefunden, der ihm Spaß machte und wo er die besten Kollegen der Welt kennengelernt hatte. Dazu hatte er noch einen Mann gefunden, der ihn liebte und so wollte, wie er war. Der ihn entführte in andere Länder und in ganz andere Sphären.

Er trat wieder an die Eingangstür des Cottages und öffnete die schwere Holztür. Er war tatsächlich in England, in diesem kleinen Dorf bei Oxford und blickte in den herrlichen Garten. Es war kalt und ein leichter Luftzug bescherte ihm ein Frösteln. Er blickte hoch in den klaren Sternenhimmel und war sich sicher: egal was noch kommen möge, hier und jetzt war er glücklich.

Ende

(31.10.2015)


Teil 14

nach oben