zurück zur Bibliothek

Impressum

 

 

du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Der Adventskalender"

 

 


 

Es war frustrierend. Wiebke wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Sie wollte nicht weinen, schon gar nicht, wenn gleich ihr Freund zur Küche hereinkam. Sie hantierte am Wasserkocher, um einen Pott heißen Früchtetee zu machen und stellte die Flamme am Herd etwas kleiner ein, damit der Eintopf nur noch etwas vor sich hinköchelte.

Es war nämlich kalt und ungemütlich draußen. Es lag Schnee und es war windig, was die Temperaturen gleich noch kälter erscheinen ließ. Und da war etwas Heißes genau das richtige. Außerdem konnte Wiebke sich so gut ablenken. Sie wusste, sie sollte das alles nicht so ernst nehmen, aber sie hing an ihrer Beziehung und bisher dachte sie, dass auch ihr Freund diese sehr ernst nahm. Sie hatte ihre Zukunft mit ihm geplant.

Doch heute hatten sie Jahrestag und Wolfram hatte ihr weder heute Morgen noch am Nachmittag zu ihrem besonderen Tag gratuliert, wie er es sonst in den vergangenen Jahren immer gemacht hatte. Das bedeutete wohl so einiges. Ob sie nächstes Jahr Weihnachten noch mit ihrem Freund feiern würde?

Sie hörte Schritte und Wolfram kam herein. Er wirkte stoisch und grüblerisch. Sie wusste, dass er Sorgen hatte und über etwas schwer nachdachte. Wahrscheinlich überlegte er, wie er ihr die Trennung sagen konnte.

Sie stellte mit etwas zuviel Schwung den Topf mit der Kürbissuppe auf den Tisch und erschrak dabei selbst, denn es schwappte etwas über.

"Oh!", rief da Wolfram überrascht aus und als sie ihn schon anknurren wollte, sah sie, dass er gar nicht sie oder den Topf anschaute, sondern hinter ihr an die Wand starrte. Sie wendete sich auch dahin und sah dort nur ihren Weihnachtskalender hängen. Es war ein günstiger aus dem Supermarkt und nichts Besonderes.

"Du hast ihn ja noch gar nicht aufgemacht", sagte Wolfram total perplex.
"Ich kam heute noch nicht dazu", schnappte sie zurück. Was interessierte der blöde Kalender, wenn er ihren wichtigsten Tag vergaß?
"Aber… vielleicht… vielleicht wäre es besser, du machtest ihn auf", druckste er herum.
"Wenn du dich dann besser fühlst", maulte sie gereizt und ging hinüber. Mit groben Fingern riss sie fast das Türchen auf - dann war Stille. DAS war jetzt nicht wahr, oder? Sie begann zu zittern und fühlte schon wieder Tränen in den Augen. Doch diesmal vor Glück. Denn da war keine Schokolade drin. Sondern ein Ring!

Sie würde nächstes Jahr tatsächlich nicht mehr mit ihrem Freund Weihnachten feiern, sondern mit ihrem Mann!

 

ENDE.

 


 

nach oben