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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 8"

 

 


 

Andrew ließ erst ihre Hand los, als sie den Schlüssel aus der Tasche suchte, um die Haustür aufzusperren. Aber sie zögerte. Viel zu schön war der Nachmittag und anschließende Abend, als dass sie ihn nun schon beenden wollte.
"Danke. Der Tag war wirklich toll", sagte sie in die Stille hinein. Andrew kam doch noch die drei Stufen zu ihr rauf.
"Ja. Es war sehr schön. Ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen. Und da meine ich nicht nur, dass wir uns in der Schule wieder sehen." Damit kam er noch einen Schritt näher und gab ihr einen leichten Kuss; direkt auf die Lippen, so wie sie es sich den ganzen Tag bereits erhofft hatte. Sie seufzte noch einmal auf und blickte ihm hinterher, bis er in der Dunkelheit um die nächste Ecke verschwunden war. Dann erst ging sie ins Haus.

***

Langsam spazierte Andrew durch die Stadt. Es war schon eine kleine Strecke zurück zu seinem zu Hause. Aber auch die Nacht war noch angenehm warm. Er war glücklich, zufrieden. Es war ein sehr schöner Tag gewesen. Nachdem er mit Katrina zwei wunderbare Stunden in dem kleinen Eiscafé erlebte, fragte er spontan, ob sie nicht noch ins Kino mit ihm gehen wollte. Sie hatte zugesagt und so hatten sie auch noch einen herrlichen Abend miteinander verlebt. Er freute sich wirklich auf ihr nächstes Date. Ob es dann mehr als einen Kuss geben würde?

In seine Straße einbiegend, blieb Andrew schon wenige Meter später stehen. Da stand der Mercedes in der Einfahrt. Aber er hat doch heute Nachtdienst, dachte er sich nur. Vielleicht kann ich mich vorbei schleichen.

Mutig ging er weiter, sperrte leise die Tür auf. Noch bevor er die Tür wieder schließen konnte, wurde er von zwei knochigen Händen ergriffen und in den Flur gezerrt. Hart wurde er gegen den großen Flurspiegel gestoßen. Der Geruch von Alkohol umnebelte sein Gehirn.
"Verdammt. Wo treibst du dich herum, du Nichtsnutz?", schrie der hagere Mann und stieß mit überraschend viel Kraft Andrew immer wieder gegen den Spiegel. "Ich habe dir doch gesagt, dass du heute hier zu sein hast."
"Du hast mir nichts gesagt. Im Kalender steht, du hast heute Nachtdienst."
Eine Hand fuhr ihm grob über den Mund. Sofort schmeckte Andrew Blut.
"Lüg' mich nicht an! Was denkst du dir eigentlich", fragte er wütend und drückte ihn noch stärker gegen das Glas bis dieses splitterte. Er schrie unterdrückt auf, worauf er noch einmal so stark gegen die Wand gestoßen wurde, dass er gewaltsam mit dem Kopf gegen Glas und Wand schlug. Schmerz im Rücken und der Schlag am Kopf ließen ihn besinnungslos an der Wand herunterrutschen, in die Glasscherben die weit am Boden zerstreut lagen.

***

Andrew kam nur langsam wieder zu sich. Er spürte Wind. Dann die Schmerzen. Im Kopf, im Rücken. Er versuchte auf die Beine zu kommen, schnitt sich dabei in die Knie und Hände.
Er sah auf die offene Tür. Von der Straße fiel Licht einer Straßenlaterne herein. Es war noch mitten in der Nacht. Er stolperte nach draußen, die Einfahrt zur Straße hin. Der Mercedes war weg. Er folgte dem bekannten Weg, traf keine Menschenseele, und hoffte nur, es bis zu Nicki zu schaffen.
Endlich erreichte er das Haus seines Freundes , fand irgendwie die Klingel und drückte gleich mehrmals auf den Schalter, bis er an der Tür herunter rutschte, die Augen schloss, die Schmerzen zitternd versuchte zu ertragen.
Er hörte nur noch einmal eine aufgeregte Stimme, glaubte dass es auch Nicki wäre, dann spürte er gar nichts mehr.

 


 

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