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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 7"

 

 


 

Pünktlich stand Andrew vor dem Eiscafé. Natürlich war er sehr gespannt, was Katrina tragen würde. Hoffentlich nicht zu viel Make-up. Er fand sie schon immer schön, wenn sie ganz natürlich aussah. Er blickte weiter zu den vielen Menschen, die aufgeregt über den Marktplatz wuselten, und suchte nach dem einen Menschen, der heute nur wegen ihm unterwegs war.

Etwas Blaues blitzte in der Menschenmenge auf und zog Andrews Blicke sofort auf sich. Das schöne Kleid war mit seiner wasserblauen Farbe zwischen den meist tristen Farben nicht zu übersehen. Ihre ganze Aufmachung ist so einfach und doch schön. Und dazu diese strahlenden Augen. Ohne dass er es merkte, kam er ihr entgegen und hielt ihr den Arm entgegen, sagte nur ein leises "Hey". Katrina hakte sich bei ihm ein und lächelte vergnügt.
"Hey", sagte auch sie erst mal nur. Aufgeregt ließ sie sich zum Café führen.

"Hier draußen ist leider kein Platz mehr. Wollen wir hineingehen?", fragte Andrew dann endlich. Auch er war jetzt richtig nervös. Wie vor einer Klassenarbeit, dachte er sich.
"Ja. Das macht nichts", antwortete Katrina, und folgte nach innen.
"Was möchtest du denn haben?", begann Andrew, da er gar nicht wusste, wie er anders anfangen sollte.
"Ein Eis natürlich. Hier gibt es doch das Leckerste. Und einen Cappuccino dazu." Ja, sie wollte es heute einfach genießen.
"Etwas Heißes auf was Kaltes?"
"Jap. Ich mag Kontraste", lachte sie und freute sich immer mehr auf die nächsten Stunden.

***

Die gesamte Fläche vibrierte unter dem Bass, der aus großen Lautsprechern dröhnte. Licht blitzte in schneller Abwechslung im Dunklen auf. Menschen drängelnden sich an zwei Bars und auf der großen Tanzfläche. Müde drehte sich Nicki zu seinem Freund um und deutete auf einen schmalen Gang hinter ihnen. Zum Sprechen war es zu laut. Matti nickte nur und schob Nicki über die volle Fläche hin zu dem dunkleren Gang; wenige Schritte und sie fanden rechts einen ruhigen Raum mit gemütlichen Sofas. Erleichtert ließ sich Nicki darauf fallen, gähnte herzerweichend und kuschelte sich an die breite Brust Mattis, genoss dessen warmen Körper und ganz eigenen Geruch.

"Matti?"
"Hmmm?"
"Ich mache mir Sorgen."
Der Satz blieb erst einmal unbeantwortet. Dann endlich regte sich Matti doch. "Wegen Andrew, nicht?"
"Ja", antwortete Nicki nur kurz angebunden.
"Ich habe ihn gesehen. Hat er sich geprügelt?"
"Nein."
Matti wunderte sich über die kurzen Sätze. Sonst redete Nicki immer so viel.
"Ist es so ernst?" Bevor Nicki antwortete, drehte er sich zu Matti um und sah ihm fest in die Augen.
"Versprichst du mir, es niemanden zu sagen?"
"Ja. Ich sage nichts, was du nicht willst."
Nicki überlegte noch einige Momente, bevor er mit der Wahrheit herausrückte, sich fast wie ein Verräter fühlend. Andererseits hatte Matti Andrew heute beim Sport ja selbst gesehen.
"Andrew wird von seinem Vater verprügelt. Schon lange. Er wird immer brutaler. Doch er will nichts dagegen tun. Ich weiß nicht, warum er alles so hinnimmt."
"Andrew? Er lässt sich von seinem Vater verprügeln? Der ist doch kaum halb so groß wie er?" Auch Matti kannte den Arzt. Schließlich ist er der beste Sportarzt in der Stadt. Aber gemocht hatte er ihn nie. Zu listig wirkten die undurchschaubaren Augen hinter den Gläsern der Brille.
"Doch, er kann. Andrew musste schon mehrmals zum Arzt deswegen. Zu einem anderen natürlich. Einige Rippen waren sogar schon mal gebrochen." "Aber warum? Er kann es doch anzeigen."
"Das habe ich ihm auch schon gesagt, doch er will nicht. Ich habe überlegt, ob ich es nicht tun sollte."
"Nein. Du kannst nicht hinter seinem Rücken so etwas tun. Wenn er nicht will, dann hat er seine Gründe."
Nicki setzte sich abrupt wieder auf und blickte seinen Freund fast verzweifelt an.
"Matti! Verstehst du das nicht? Er ist mein Freund und ich will nicht, dass er irgendwann vom Bestattungsinstitut von zu Hause abgeholt wird."
Matti legte seine Hände um das ernste Gesicht.
"Ich weiß, dass er dein bester Freund ist. Er ist ja auch mein Freund. Und ich will ganz sicher nicht, dass es einmal so weit kommt. Ich meinte nur, dass du ihm schon sagen sollst, was du vorhast."
"Aber ich kann es nicht mehr mit ansehen. Irgendwas müssen wir tun."
"Wir reden morgen mit ihm, wenn er bei dir vorbeikommt. Ich bleibe mit dabei. Manchmal braucht man eine Meinung von jemanden, der sonst mit der Sache nichts weiter zu tun hat."
"Hmmm…ja. Gut. Machen wir das so", stimmte Nicki dem Plan zu und küsste Matti sacht.

"Du, Matti?", murmelte er leise nach kurzer Zeit. "Ich bin müde. Bist du böse, wenn wir jetzt schon nach Hause fahren?"
Matti sah auf seine Uhr, es war noch nicht einmal 11 durch. Nicki war wohl vom Training noch ganz kaputt.
"Nein. Ist o.k. Es war heute ein langer Tag", antwortet er, zog Nicki einfach mit sich und brachte ihn bald sicher nach Hause.

 


 

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