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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 6"

 

 


 

Nicki hatte keine Chance gegen Andrew. Noch weniger Matti oder der Rest seines Teams. Sein aufgestauter Frust bestimmte das gesamte Spiel. Unaufhaltsam trieb er seine Mannschaft an. Mit einem letzten Sprung ließ er den Ball erneut im Korb versinken, fing ihn wieder und blickte sich nach seinen Leuten um, da es plötzlich ungewöhnlich still war. Da hockten sie alle am Boden, einige lagen lang ausgestreckt dort, zu keiner Bewegung mehr fähig. So ließ sich auch Andrew nieder, lehnte sich weit zurück und genoss einige Sonnenstrahlen, die durch das offene Fenster schienen.

"Andrew!", rief ihn eine bekannte Stimme leidend und als er zu Nicki schaute, kam der gerade auf allen vieren zu ihm herüber gekrochen. Andrew lachte, lachte noch mehr als Nicki schmollte, sich dann neben ihn einfach fallen ließ.
"Musste das sein? Wie soll ich mich da noch bewegen können? Du weißt, dass ich heute Abend in die Disco will."
"Dann kannst du diesmal eben nicht so wild tanzen und Mädchen damit anlocken." Andrew beobachtete ihn genau. Bei den letzten Worten zuckte Nicki nur mit den Schultern.

"Wie geht es deinen Rippen?", fragte er Andrew dann noch ganz leise.
"Alles gut. Etwas tut es noch weh, aber sonst alles ok."
"Hmmm…wann wolltest du dich eigentlich treffen?" Andrew schaute zu der großen Uhr an der Wand hinüber.
"In einer dreiviertel Stunde. Das reicht. Es ist ja nicht weit bis in die Stadt."
"Dann auf. Du willst ja nicht zu spät kommen." Mit plötzlicher neuer Energie rappelte Nicki sich auf und reichte Andrew die Hand, der sie dankbar annahm.

***

Allein unter der Dusche, hörte Andrew wie sich sein Team von Nicki verabschiedete. Nicki würde wie immer auf ihn warten, so dass sie noch einige Schritte gemeinsam gehen konnten. Seit er vor einigen Jahren, noch in der Realschule, von anderen Schülern auf dem Nachhauseweg geschlagen worden war, ging er nicht mehr ohne Andrew nach Hause. Damals war es wirklich die Angst, heute ist es zur Gewohnheit geworden, zumal sich ihre Freundschaft in der Zeit noch vertieft hatte. Zudem lagen ihre Elternhäuser nur zwei Querstraßen voneinander entfernt.

Nur ein Handtuch um die Hüften, und ein zweites kleines um sich die Haare trocken zu rubbeln, ging Andrew zurück zu seiner Bank …-
-… und blieb überrascht stehen. Tatsächlich war Nicki noch da, doch nicht allein. Zwei kräftige Arme hielten ihn fest umschlungen, die eine um seine Hüfte, die andere in seinen kurzen Haaren vergraben. Auch Nickis Hände hielten sich an dem anderen Körper fest. Er stand auf den Zehenspitzen, um den größeren Jungen wild küssen zu können.

Andrew beschaute sich die kleine Szene kurz, als ihn dann aber noch keiner bemerkte räusperte er sich leise. Noch immer keine Reaktion.
"Nicki", rief er. Da endlich hörte er einen Schreckenslaut, dann einen leisen schmerzlichen Aufschrei und Nicki schaute ihn entsetzt an.
"Äh…Andrew…also…es ist nicht das, wonach es aussieht…", stammelt er nur erfolglos heraus, versuchte derweil seine Kleider etwas in Ordnung zu bringen.
"Nicht wonach es aussieht? Und warum hast du dann Matti auf die Zunge gebissen?", denn kein anderer war es, den Nicki so fest umschlungen gehalten hatte.
"Genau", mischte sich jetzt auch Matti ein, auch wenn es undeutlich klang. Nicki hatte vor Schreck ganz schön tolle zugebissen. Hin- und hergerissen zwischen einer Erklärung für Andrew und eine Entschuldigung für Matti wusste Nicki gar nichts mehr zu sagen. Flehend schaute er zurück zu Andrew.

Mit wenigen Schritten war Andrew ganz bei den beiden, legte Nicki eine Hand auf die Schulter und blickte den kleineren Freund fest an.
"Nicki, ich bin dein Freund. Und ich freue mich, dass du es mir endlich gesagt hast. Na ja. Eigentlich eher gezeigt."
Mit großen Augen starrte er Andrew an. "Aber…aber…du hast es gewusst?!"
"Ja, schon lange."
"Und warum hast du nie was gesagt?", fragte Nicki nur leise.
"Weil ich wollte, dass du so viel Vertrauen zu mir hast und es selbst sagst."
"Bist du sauer auf mich?", fragte Nicki immer leiser werdend.
"Nein, warum sollte ich?"
"Na weil…ich meine…findest du es nicht…abstoßend, eklig, widerwärtig?"
"Ich bin dein Freund. Schon immer gewesen. Und wenn du glücklich bist, ist dass das Beste, was ich mir für meinen Freund nur wünschen kann. Und so wie es vorhin aussah, scheinst du sehr glücklich damit zu sein", erklärte Andrew, zwinkerte ihm auch noch schelmisch zu und schmunzelte über Nickis rot werdendes Gesicht.
"Na, wer ist jetzt verklemmt?", lachte er dann.

Ein paar Minuten brauchte Nicki noch, um sich vom Schrecken zu erholen und von dem, was Andrew ihm sagte. Matti nutzte die Gelegenheit, um über ein noch rotglühendes Ohr zu knabbern, bis ihn eine Hand ungeduldig wegschob. Na ja, sie konnten das auch heute Abend in der Disco fortführen, dachte er sich ergeben und ließ Nicki los. Der ging zu Andrew rüber und schnappte sich dessen Sporttasche.
"Danke Andrew. Und du sagst keinem anderen was?"
"Nein, werde ich nicht."
"Gut, dann darfst du jetzt auch zu deinem Date. Ich nehme deine Sachen dann einfach mit zu mir. Dann stören sie dich dort nicht. Du kannst sie ja morgen oder Sonntag abholen."
"Danke. Das ist super. Aber begleitet ihr mich noch bis in die Stadt? Ich habe Angst, alleine dorthin zu gehen."
"Gerade du", lachte Nicki endlich wieder fröhlich auf.

 


 

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