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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 5"

 

 


 

Verdammt, nur noch zwei Stunden, schimpfte Katrina vor sich hin, zog ein anderes Kleid aus dem Schrank und schmiss es auch wieder aufs Bett zu all den anderen Klamotten. Frustriert warf sie sich einfach noch dazu und blickte in den fast leeren Schrank. Nichts, was sie anziehen könnte. Sie ging mit Andrew aus, nicht mit irgendwem. Da konnte sie nicht einfach in Jeans und Top gehen. Aber was war das perfekte Outfit für ein Date am Nachmittag?

"Katrina, Besuch für dich", hallte die Stimme ihres Vaters durch das ganze Haus. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, dann hörte sie auch schon Schritte auf der Holztreppe im Flur. War Andrew etwa hier? Doch da steckte Chrisi den Kopf ins Zimmer.
"Na? Brauchst du vielleicht Beratung", fragte sie lachend. Das Chaos im Raum war Antwort genug.

Erleichtert atmete Katrina auf. Chrisi fand bestimmt was Tolles und Haare konnte sie auch wie ein Profi machen. Gemeinsam machten sie sich wieder an die Suche für das perfekte Outfit.

***

Andrew saß auf einer Bank im Umkleideraum ihrer Sporthalle. Er wartete bis er allein war, um sich endlich das Shirt auszuziehen und sich in seine Sportklamotten zu werfen. Da klappte die Tür hinter ihm und erschrocken blickte er sich um. Bestürzt blickte Nicki ihn an, kam dann eilig auf ihn zu. Nur vorsichtig berührte er Andrew an der Seite, den Rippen entlang. Andrew stöhnte unterdrückt auf.

"Andrew, warum lässt du das zu? Wie kannst du dir das antun lassen?"
"Ich kann nichts machen. Ich kann nicht -"
"Hör' auf, dir irgendwelche Ausreden auszudenken. Zeige das Schwein endlich an. Und wenn du es nicht machst, werde ich es tun."
Entsetzt schüttelte Andrew den Kopf. "Das kannst du nicht machen."
"Und ob. Ich kann nicht länger zusehen, was der Dreckskerl dir antut. Ich bin dein Freund. Was denkst du, was ich mir für Sorgen mache."
"Brauchst du nicht. Es ist nicht mehr so schlimm."
"Ja, das sehe ich." Nickis Stimme triefte vor Sarkasmus. Andrew wich dem Blick seines kleineren Freundes aus.
"Er schlägt mich weniger als früher", antwortete er.
"Aber er wird immer brutaler, Andrew!", rief er aufgebracht. Dann atmete er kurz durch und zog Andrew in eine lockere Umarmung. Denn das fast ängstliche Zusammenzucken seines Freundes hatte er sehr wohl bemerkt.

"Es tut mir leid, Andrew. Ich wollte nicht so aggressiv sein. Es macht mich wütend, wenn ich sehen muss, was er mit dir tut. Warst du schon bei einem anderen Arzt? Es sieht ziemlich schlimm aus."
Andrew schüttelte nur den Kopf an Nickis Schulter. In der Nacht hatte er einfach keine Energie mehr irgendwo hinzugehen und heute Morgen war er eh schon zu spät. Also schob Nicki ihn auf die Bank, eilte zu seiner Tasche, kramte, und kam mit einer Salbe zurück zu Andrew. Der lächelte etwas: Nicki hatte aber auch immer alles dabei. Vorsichtig strich er die Heilsalbe auf die Haut.
"Angeknackst sind sie aber nicht wieder?", fragte er, als Andrew etwas zuckte. Wieder schüttelte der nur den Kopf.
"Willst du heute trotzdem beim Training mitmachen?"
"Ja. Ich brauche jetzt Bewegung. Irgendwo muss ich mich abreagieren. Ich will doch heute Nachmittag zu meiner Verabredung."
"Oh ja. Dein Date. Du musst mir dann alles darüber erzählen. Und jetzt auf. Dein Team wartet draußen. Die denken bestimmt, dass wir hier sonst was machen." Dabei zwinkerte er Andrew schelmisch zu und lachte, weil der rot anlief.
"Sei nicht immer so verklemmt", lachte er lauter, drückte dann Andrew tatsächlich noch einen Kuss auf die Wange und rannte nach draußen in die Halle.
Für Andrew war das alles viel zu schnell gegangen. Er schüttelte den Kopf, zog sich noch eilig das Sportshirt über und rannte hinterher: das gab Rache auf dem Spielfeld.

 


 

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