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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 3"

 

 


 

Katrina stand eine Weile nur unentschlossen da und blickte zu Andrew hin, der es sich augenscheinlich sehr gemütlich gemacht hatte. Er hatte die Augen geschlossen und schien wohl tatsächlich zu schlafen, da er gar nicht auf ihre Schritte reagierte. Sie nutzte diese Tatsache, um ihn einfach mal in Ruhe anschauen zu können. Seine Haare standen in alle Richtungen wild ab. Sie mochte das, es sah männlicher, wilder aus. Gleichzeitig aber auch jünger und frecher. Die leicht geschwungenen Augenbrauen huben sich von der sonst so hellen Haut ab. Die Nase wirkte etwas eckig, doch passte sie ausgezeichnet zu dem markanten Gesicht. Die Lippen fügten sich einfach optimal ins Bild und waren nicht zu stark und nicht zu fein. Wie sie wohl schmecken würden?

Sie merkte auf, als helle blaue Augen sie anschauten, noch etwas verklärt. Ob das der berühmte Schlafzimmerblick war? Es dauerte wohl etwas bis er sie erkannte, aber dann lächelte er sie an. So hatte sie ihn noch nie gesehen. Dieses Lächeln machte sie ganz zittrig und schwach, der zweite freie Sessel bot sich daher gerade zu an. Sich setzend fragte sie: "Hast du Schlaf nachgeholt?".

Blöde Frage, fand sie. Doch er lächelte weiter.
"Ja. Die letzte Nacht war wohl etwas zu kurz", antwortete er und überrascht bemerkte sie den düsteren Schatten, der dabei über sein Gesicht huschte.
"Da sollte ich nicht weiter stören", sagte sie und wollte doch wieder aufstehen.
"Nein, bleib ruhig. Du störst mich nicht." Sein Augenzwinkern verrät ihr, dass er genau wusste, was sie am meisten hören wollte. Sie konnte die Röte in ihrem Gesicht deutlich spüren. Sein Lächeln wurde dabei noch etwas breiter, dann lehnte er sich wieder zurück und schloss die Augen.
"Ich habe hier oben nur etwas Ruhe gesucht. Da unten ist ja immer die Hölle los", seufzte er leise und fast klang es, als würde er etwas ganz anderes mit diesem Satz meinen.
"Geht es dir nicht gut?", fragte sie ohne weiter nachzudenken.
"Doch, ich habe nur zu wenig geschlafen heute Nacht."
"Dann gehe ich besser, dann kannst du die Pause noch nutzen und ein wenig die Augen zu machen."
Er schreckte etwas auf, sah sie bittend an.
"Wenn es dir nichts ausmacht, würdest du da bleiben? Einfach nur da bleiben?"
Etwas überrumpelt nickte sie nur und zog ein Buch aus der Tasche, zeigte ihm somit, dass sie seiner Bitte nachkommen und die Zeit zum Lesen nutzen würde. Er lächelte ihr noch einmal dankend zu, legte sich zurück und lag dann ruhig da.

***

Eine zaghafte Bewegung an seiner Schulter weckte ihn. Ziemlich verwirrt blickte er sich um, bis er das süße Gesicht neben sich entdeckte.
"Hey", sagte er nur leise und lächelte. Es schien ganz einfach immer da zu sein, wenn er sie sah.
"Hey", sagte auch Katrina."Es klingelt gleich. Geht es dir denn besser?"
"Hm, ja, ich glaube schon", strich er sich durch die Haare, doch Ordnung brachte er so nicht da rein. Dann räkelte er sich vorsichtig, bis die Gelenke mit einem hörbaren Knacken wieder dahin rutschten, wo sie hingehörten.

"Ihh, hör' auf damit." Überrascht und fragend blickte er auf. Katrina zog gerade die niedliche Nase kraus und schimpfte weiter.
"Müsst ihr Kerle denn das immer machen? Ich kann das nicht hören." Andrew konnte das Lachen gar nicht zurückhalten. Es brach einfach so aus ihm heraus und entgegen seiner sonstigen Zurückhaltung schnappte er Katrina am Arm und zog sie einfach zu sich. Sie strauchelte, stolperte und saß schließlich quer auf seinen Beinen, sicher von seinen starken Armen gehalten.
"Würdest du einmal mit mir ausgehen wollen?", ließ er ihr gar keine Zeit über ihre Situation nachzudenken.
"Ja", brach es viel zu schnell aus ihr heraus, was Andrew erneut lachen ließ.
"Hast du es so nötig mit mir auszugehen", fragte er neckend. Sie zuckte errötend die Schultern.
"Na ja, wenn du schon fragst? Da kann ich doch nicht ablehnen. Außerdem habe ich heute Nachmittag Zeit."

Verspielt zupfte Andrew an ihrem kurzen Pferdeschwanz, das wollte er schon immer mal machen.
"Gleich heute?", murmelt er vor sich hin. Doch, das ließe sich einrichten. Aber erst nach dem Training.
"Ja, gut. Aber erst halb 5, wenn das nicht schon zu spät ist", fragte er schließlich.
"Nein, das ist gut. Sehr gut sogar! Im Eiskaffee auf dem Marktplatz?"
"Ja, das kenne ich", bestätigte er, schob sie nun aber von seinen Beinen. Weiter vorne im Flur hatte er Stimmen gehört. Die mussten sie zu zweit so nicht sehen.
"Gut. Sei pünktlich", winkte sie, schnappte sich die Tasche und verschwand aufgeregt durch die kleine Tür zum hinteren Treppenaufgang.

 


 

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