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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 2"

 

 


 

Allmählich schwand Katrinas schlechte Stimmung vom Morgen, zumal es gerade eine Stunde gab, dessen Lehrer tatsächlich mit ehrlicher Leidenschaft den Schülern 45 spannende Minuten schenkte. Jeder hörte still und interessiert zu und obwohl Katrina sich ebenfalls sehr für die Viktorianische Zeit Englands begeisterte, wanderten ihre Gedanken weg, hin zu jenem, der immer mehr ihre Träume einnahm. Ob sie ihm heute auf den Gängen wieder begegnen würde? Abwesend seufzend, verlor sie sich in ihren Gedanken.

Bis zum Mittag hin träumte sie meist vor sich hin, bis die Info sie erreichte, sie solle einmal zum Schulleiter in dessen Büro kommen.
"Zum Teufel?", rutschte es ihr vor Überraschung heraus. Im Gesicht rötlich schattiert, murmelte sie dem Lehrer nur eine Entschuldigung zu und folgte dem Gang zur unscheinbaren weißen Tür am Ende des Ganges. Zaghaft klopfte sie. Der Meister hatte gute Ohren, sofort hörte sie ein bestimmendes "Herein!". Mit klopfenden Herzen öffnete sie die Tür, blickte sich in dem überraschend hellen Zimmer um und folgte der kleinen auffordernden Geste, sich zu setzen. Nun saß sie da dem dunklen Fürsten gegenüber und befürchtete das Schlimmste. Was folgte war die Liste für die Schüler ihrer Klasse; Fächerauswahl fürs nächste Schuljahr. Zwei Hauptfächer und drei Nebenfächer standen zur Auswahl. Sie solle - als demokratisch gewählte Klassensprecherin - dies ihrer Klasse ordentlich vermitteln und "versuchen Sie es bis Mittwoch diesmal richtig ausgefüllt wieder abzugeben". Dieser Satz war auch gleichzeitig ihre Entlassung. Kein Wort über ihr Zuspätkommen. Sie murmelte ein erleichtertes "Auf Wiedersehen" und verließ eiligst das kleine Zimmer.

Genervt schaute sie vor der Tür noch einmal auf den unscheinbaren Zettel. Sie hielt ihn jetzt zum dritten Mal in der Hand! War es so schwer die Auswahl mit einem einfachen Kreuz zu markieren? Na gut. Dann das Ganze von vorne. Aber erst nach der Mittagspause. Alle in einem Zimmer, brauchte sie es nur noch einmal zu erklären - hoffentlich.

Sie überlegte, ob sie die letzten 20 Minuten der Pause noch in die Mensa gehen sollte, entschied sich aber für ein paar ruhige Minuten auf dem kleinen zerknautschten Sofa auf dieser Etage. Heute wollte sie einfach ihre Ruhe und dort war meist um diese Zeit noch keiner. Der ganze Flur lag still, weiter vorne hatte jemand ein kleines Fenster geöffnet und ließ frischen Regenduft herein. Jetzt, da sich die Wolken verzogen hatten, und die Sonne sich wieder zeigte, erschien der Regen vom Morgen schon gar nicht mehr so schlimm. Sie atmete tief ein und lief weiter - und blieb überrascht stehen. Ihr Herz machte einen aufgeregten Hüpfer. Ihr Sofa war bereits besetzt.

***

Bis zur großen Mittagspause hatten sich Andrews aufgewühlten Gedanken zwar etwas beruhigt, trotzdem wollte er seinen Freund nicht mit hinaus ins Gewirr des Schulhofes begleiten. Zu viele Leute und zu viel Nikotin. Und dazwischen Dominic, kurz Nicki, zwar kleiner als alle anderen aber irgendwie immer der Mittelpunkt mit seinen grellen Klamotten und seiner wilde Frisur, die häufig wechselte. Andrew erkämpfte sich sehr zeitig ein Wurstbrötchen an der Mensatheke und einen Kaffee aus dem Automaten - beides nicht so lecker, aber besser als nichts - und stieg wieder die Treppen zur 2. Etage des Schulgebäudes hinauf.

Hier stand in einer Ecke eine kleine Couchlandschaft, ein Sofa mit 2 Sesseln und einem kleinen Tisch, und war noch unbesetzt. Erleichtert ließ er sich einfach ins weiche Polster fallen, schmiss die Tasche auf einen der Sessel und schloss die Augen. Nach wenigen Sekunden legte er doch noch die Beine mit hoch und machte es sich auf dem Sofa bequem, soweit seine Länge es auf diesem kurzen Möbelstück zuließ.

Die Arme hinter dem Kopf verschränkt, döste er ein wenig vor sich hin, genoss die Stille und lauschte auf die Geräusche, die durch das kleine Fenster drangen, das er vorhin beim Vorbeigehen geöffnet hatte.

 


 

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