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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 17"

 

 


 

Lange blieb Nicki im Krankenhaus, saß im Wartebereich oder lief aufgeregt hin und her. An Schlaf war nicht zu denken. Seine Mutter hatte an der Rezeption in Erfahrung gebracht, dass Andrew tatsächlich in den OP gebracht werden musste, das war jetzt schon 3 Stunden her. Seitdem saß Matti auf den harten Stühlen, an ihn gelehnt Nickis dösende Mutter.

***

Matti blickte zu Nicki hinüber. Er konnte Nicki verstehen, die Ungewissheit, wie es Andrew ging, ob er wieder gesund werden konnte. Und was vor allem danach passierte. Musste er zurück zu seinem Vater? Er glaubte das nicht. Nicht, wenn so etwas passiert war. Aber man wusste ja nie. Und doch wollte er Nicki ein wenig beruhigen. So winkte er ihm mit der freien Hand. Nicki folgte, kam zu ihm. Er ließ seine Finger wieder in die verstrubbelten Haare gleiten, kraulte sanft im Nacken und küsste Nickis Lippen. Erst waren sie noch hart aufeinander gepresst, doch allmählich wurde Nicki entspannter, ruhiger und schließlich kuschelte er sich dann doch an die andere Seite Mattis.

***

So saßen sie eine ganze Weile, bis plötzlich die Tür aufging und sein Vater erschien. Aufgeregt suchte er nach den Dreien, fand sie hinter der kleinen Biegung.
"Und", fragte Nicki und sprang sofort auf.
"Die Polizei hat meine Aussage direkt aufgenommen und sofort eine Streife in der Nähe zu Andrews Haus geschickt. Über Funk kam bald die Information, dass niemand mehr im Haus sei, der ganze Flur von Scherben und Blut bedeckt war. Er muss Andrew mit viel Kraft mehrmals gegen die Spiegel gedrückt haben, bis diese zerbrachen. Wo sein Vater aber jetzt ist, weiß man nicht. Er wurde zur Suche ausgeschrieben."
"Und was passiert jetzt", fragt Nicki weiter. ER ließ Andrew gewiss nicht mehr zu diesem Monster zurück. Egal was er dafür tun musste.
"Keine Sorge. Andrew muss ganz sicher nicht mehr zu seinem Vater zurück. Aber habt ihr schon Neuigkeiten? Wie geht es ihm?" Traurig schüttelten sie nur die Köpfe, sie konnten nur warten.

***

Es war Sonntag, später Morgen und Nicki war auf den Weg zu Andrews Zimmer. Er hoffte, dass dieser heute endlich wach sein würde. Leise drückte er die Klinke der schweren Krankenzimmertür und lugte vorsichtig hinein. Er sah seinen Freund dort liegen, den Blick hinaus aus dem Fenster gerichtet, aber eindeutig wach.
"Hey, Andrew", begrüßte er ihn leise, wollte ihn nicht erschrecken. Dieser blickte ihn erstaunt an, als hätte er jemand anders erwartet. Nicki konnte sich schon denken, wer hier wohl aufgetaucht wäre, wenn er noch könnte. Aber so konnte er sogar ein schwaches Lächeln von Andrew sehen.
"Hey, Nicki", antwortete er und hatte schließlich seinen besten Freund in den Armen. Er passte auf, Andrew nicht zu derb zu drücken, schließlich war der ganze Körper mit Schnitten übersät.
"Ich bin so froh, dass du wieder wach bist", weinte er fast. Die letzten zwei Tage waren wie ein Alptraum für ihn. Wie musste sich da nur Andrew fühlen?
"Du hast den ganzen Samstag über geschlafen und bist einfach nicht aufgewacht. Ich hatte wirklich Angst. Sag, wie geht es dir?" Er ließ von Andrew kurz ab, legte sich ganz dreist neben ihn aufs Bett und legte seine Arme wieder locker um ihn. Er wollte seinen Freund nicht mehr hergeben. Wenn das die Ärzte sahen, würde Nicki wohl schneller rausfliegen, als ihm lieb war, aber das war ihm egal.
"Bin müde", flüsterte Andrew nur und legte den Kopf an Nickis Schulter. Es war schön, sich an jemanden anlehnen zu können, und Trost zu finden.

***

Eine ganze Weile blieb es still und Nicki dachte schon, Andrew sei eingeschlafen, da hörte er dessen leise Stimme erneut.
"Nicki, ich weiß nicht was ich tun soll."
"Wie wär's, wenn du zu mir ziehst?"
"Das wird er niemals zulassen", wisperte Andrew ergeben. Plötzlich sehr aufgeregt ruckelte Nicki unruhig im Bett herum.
"Also, Andrew, ich … ich wollte dir was zeigen, doch ich weiß nicht, wie."
Von der ungewohnten Aufregung seines Freundes erfasst, zog Andrew die Stirn in Falten. Was hatte Nicki? Ist bei ihm zu Hause etwas vorgefallen? Hatte sein Vater ihm Ärger bereitet? Hatte Matti ihn irgendwie verletzt? Er hatte diese Gedanken wohl laut ausgesprochen, denn Nicki beeilte sich, ihn zu beruhigen, ihm ginge es gut und Matti wäre ganz zärtlich zu ihm gewesen. Dann wurde er rot.
"Das gehört doch gar nicht hier her", rief Nicki verschämt.
Trotz der ernsten Situation, musste Andrew nun doch lächeln und sagte: "Zeig mir einfach, was es ist."
"Ja, warte. Ich habe es in meiner Tasche." Nicki wühlte sich aus dem Bett wieder raus, holte seine Tasche ran und zog schließlich eine Zeitung hervor. Diese gab er einfach an Andrew weiter. Dieser nahm sie entgegen und wusste erst einmal nichts damit anzufangen. Erst als Nicki auf einen bestimmten Artikel tippte, begann er zu lesen. Es dauerte etwas, dann las er den Artikel erneut. Dann noch einmal.
"Ich verstehe das nicht", fragte er schließlich Nicki. "Heißt das… dass… dass ich frei bin", flüsterte er nur noch. Nicki nickte, sah, wie Andrew zu zittern anfing und nahm ihn einfach wieder in die Arme. Hielt ihn so lange, bis die Tränen irgendwann versiegten.
"Mensch, Andrew, du siehst jetzt aber verheult aus", sagte er dann, als er in Andrews lachendes, aber vom Weinen gerötetes Gesicht blickte.
"Gib's zu, du hast auch etwas geweint", ärgerte Andrew gleich zurück und wischte Nicki eine heimliche Träne vom Gesicht. Dann lehnte er sich wieder an Nicki an.
"Ist er wirklich bei dem Unfall gestorben?", fragte er Nicki nochmals.
"Ja. Er ist mit so viel km/h gegen diesen Baum gekracht, da war nichts mehr übrig", sagte er. "Sorry, ich wollte das jetzt nicht so ausdrücken", entschuldigte er sich dann doch noch. Da war ein Mensch gestorben, da sollte man nicht so über diesen reden.
"Hmmm…", machte Andrew nur. Er war nur froh, dass sein Vater nicht andere Menschen bei dem Unfall verletzt oder gar getötet hatte.

***

"So, Andrew. Ich verschwinde jetzt wieder. Wir kommen dich morgen wieder besuchen. Matti will dich auch sehen. Und meine Ma lässt dich auch ganz lieb grüßen und du sollst ihre Kekse ja aufessen, damit du wieder gesund wirst. Und du solltest gut schlafen, damit du morgen ausgeruht bist, wenn jemand ganz besonderes kommt."
Damit stellte Nicki die riesige Büchse mit den selbstgebackenen Keksen neben ihn ans Bett, drückte Andrew noch einmal und verschwand dann. Freute sich, das Katrina so gerne Andrew besuchen wollte.

 


 

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