zurück zur Bibliothek

 

 

du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 16"

 

 


 

Sie waren kurz vor Mitternacht bei Nicki zu Hause angekommen. Die kühle Luft hatte ein wenig seine Lebensgeister geweckt und er wollte noch nicht direkt schlafen. So nutzten sie die Gelegenheit, dass seine Eltern bereits im Bett waren und kuschelten sich zu zweit auf die riesige Couch, mit Radler, Süßkram und einem Actionfilm - viele sinnlose super in Szene gesetzte Schießereien. Nicki ruckelte solange herum, bis sein Kopf endlich auf Mattis Schoss lag und er die streichelnden Hände in seinen grellbunten Haaren genießen konnte, den leichten Druck der Finger, wenn sie massierend über die Kopfhaut fuhren. Ab und zu ließ er sich einen Schokocrossie - natürlich nur die Weißen - in den Mund schieben und verschluckte sich jäh, als Matti die Idee hatte, ihm auch Radler zu geben - von Mund zu Mund. Da kam die Beatmung anschließend gerade recht und der so gehaltvolle Film war auch vergessen.

Ohne es zu merken, war Nicki dann einfach seinem Freund weggepennt. Matti beschloss, dass das riesige Sofa auch für ihn ein gutes Bett war, hatte den Fernseher ausgeschaltet und sich neben Nicki ausgestreckt, schlief ebenfalls sofort ein; lag halb auf Nicki und umarmte ihn fest mit Armen und Beinen.

***

Mitten in der Stille schrillte die Haustürklingel so dermaßen laut, das Nicki mit einem Ruck gerade aufsaß. Matti murrte, da Nicki sich so hektisch bewegte. Noch einmal klingelte es - und wieder und wieder und wieder. Nickis Herz krampfte zusammen. Andrew! Das konnte nur Andrew sein!
"Andrew!!!", rief er laut, kämpfte sich unter Matti hervor, zerrte ihn mit hoch.
"Matti, schnell. Andrew!" rief er erneut und rannte dann endlich zur Tür, machte auf dem Weg das helle Flurlicht an und riss die Eingangstür weit auf.
"Andrew! Oh Gott!", schluchzte er auf. Er sah nur noch Blut, überall Blut. Er zitterte, genauso wie sein Freund auf der Treppe draußen. Erst traute er sich nicht, ihn anzufassen, dann aber packte er ihn an den Schultern, versuchte ihm aufzuhelfen. Es gelang kaum, Andrew stöhnte auf vor Schmerzen und brach nach wenigen Schritten in die Knie, sackte an Nicki zusammen und bewegte sich nicht mehr. So ließ er ihn vorsichtig im Flur auf den Boden, blickte dankbar zu Matti auf, als dieser ihm die Decke von der Couch brachte, und legte sie vorsichtig über Andrews ausgekühlte Gestalt. Dann blieb er einfach bei ihm hocken, strich Andrew mit bebenden Fingern vorsichtig über das so blasse Gesicht, sprach leise mit ihm, bat ihn nicht zu sterben. Seine Angst ist plötzlich wahr geworden. Sein bester Freund lag hier, in seinem eigenen Blut, still und regungslos. Wie tot. Hinter sich hörte er seine Eltern und Matti reden. Hörte wie sein Vater den Rettungsdienst anrief. Dann spürte er Matti hinter sich, seine ruhige, tröstliche Präsenz. Doch die Tränen konnte er nicht trocknen, unaufhörlich flossen sie.

***

Irgendwann wurde er von einem Mann in leuchtend orange-roter Jacke angesprochen. Er brauchte lange, um die Sanitäter zu erkennen, zu verstehen was sie von ihm wollten. Er ließ sich zurückdrängen, damit sie sich ganz um Andrew kümmern konnten und versteckte sich in der festen Umarmung Mattis.
"Er schaute zu, wie die Sanitäter arbeiteten, Dinge taten, von denen Nicki keine Ahnung hatte und Andrew schließlich auf eine Trage legten, ihn in den Krankenwagen brachten. Seine Eltern sprachen kurz mit dem Fahrer, dann verschwand der Krankenwagen schon in der Nacht, nur das Blaulicht war noch lange blitzend und zuckend zwischen den Straßenzügen zu sehen. Verkrampft umklammert Nicki noch immer seinen Freund, schluchzte immer wieder auf und konnte sich kaum beruhigen.

"Dominic." Die sanfte Stimme seiner Mutter, die ihn noch immer bei seinem ganzen Namen nannte. Er spürte ihre Hand erst in seinem Haar, dann wie sie ihn ganz umarmte.
""Es wird alles wieder gut", sprach sie weiter. "Ich fahre jetzt ins Krankenhaus. Dein Vater fährt direkt zur Polizei und wird eine Anzeige aufgeben. Du kannst hier bleiben, mit deinem Vater zur Polizei oder du kommst mit mir zu Andrew. Matti wird auf jeden Fall bei dir sein."

Sie klang so zuversichtlich und geordnet, dass es ihm mehr als alles andere Hoffnung gab, Andrew könne es überstehen. Und natürlich fuhr er mit seiner Mutter mit. Wo als an der Seite seines besten Freundes sollte er jetzt sonst sein. Nur ein paar Minuten dauert es, bis sie sich umgezogen hatten, dann fuhren sie schon durch die stille Nacht dem Krankenwagen nach, während sein Vater die Polizeistation der Stadt aufsuchte.

 


 

Teil 15

Teil 17