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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 14"

 

 


 

Nicki hatte keine Chance gegen Andrew. Noch weniger Matti oder der Rest seines Teams. Sein aufgestauter Frust bestimmte das gesamte Spiel. Unaufhaltsam trieb er seine Mannschaft an. Nickis Energie ermöglichte es ihm lange mitzuhalten, aber auch er konnte bald nicht mehr, ließ sich zu Boden sinken und schaute nur noch zu wie Andrew mit einem letzten Sprung den Ball erneut im Korb versinken ließ, ihn wieder auffing und sich dann nach seinen Leuten umblickte, da es plötzlich ungewöhnlich still war. Sie alle hockten am Boden, einige lagen lang ausgestreckt dort, zu keiner Bewegung mehr fähig. So ließ sich auch Andrew nieder, lehnte sich weit zurück und genoss einige Sonnenstrahlen, die durch das offene Fenster schienen.

"Andrew!", rief Nicki leidend und kroch auf allen Vieren zu ihm herüber. Mehr schaffte er nicht. Andrew lachte, lachte noch mehr als Nicki schmollte, sich dann neben ihn einfach fallen ließ.
"Musste das sein? Wie soll ich mich da noch bewegen können? Du weißt, dass ich heute Abend in die Disco will."
"Dann kannst du diesmal eben nicht so wild tanzen und Mädchen damit anlocken."
Nicki zuckte nur mit den Schultern. Was interessierten ihn Mädchen, dachte er sich und hatte sofort wieder ein schlechtes Gewissen. Irgendwann musste er es ihm sagen, doch nicht heute.

"Wie geht es deinen Rippen", fragte er Andrew leise und lenkte ihn damit vom wilden Tanzen ab und weil er ehrlich besorgt war.
"Alles gut. Etwas tut es noch weh, aber sonst alles ok."
"Hmmm… wann wolltest du dich eigentlich treffen?" Andrew schaute zu der großen Uhr an der Wand hinüber.
"In einer dreiviertel Stunde. Das reicht. Es ist ja nicht weit bis in die Stadt."
"Dann auf. Du willst ja nicht zu spät kommen."
Mit plötzlich neuer Energie rappelte Nicki sich auf und reichte Andrew die Hand, der sie dankbar annahm.

***

Nicki trödelte so lange bis es nicht mehr auffiel, dass er und Andrew die letzten unter der Dusche waren, dann war er auch schon fertig und verabschiedete das Team im Umkleideraum, wollte somit vermeiden, dass jemand Andrew doch noch so zugerichtet sah.

Wie gemein, dachte er sich, als er dann überrascht wieder die großen Finger in seinen Haaren spürte, wie sie kräftiger zugriffen und ihm Schauer durch den Körper schickten. Allein! Nicht nur Andrew in der Dusche, auch er mit Matti. Hatte der sich verstohlen hinter den Spinden aufgehalten und Nicki dachte schon traurig, dass er bereits gegangen wäre. Doch auch Matti hatte wohl Sehnsucht nach ihm und vergrub genussvoll die Hände in Nickis dichten bunten Haarschopf, drehte ihn zu sich herum. Und schon war Nicki in den starken Armen dahingeschmolzen und ließ sich hingebungsvoll küssen, vergaß die ganze Welt um sich herum.

***

"Nicki", rief es plötzlich hinter ihm. Schlagartig war er wieder im Hier und Jetzt, bemerkte entsetzt, dass er mit Matti wild knutschte und Andrew in dabei erwischt hatte. Erschrocken keuchte er auf, biss dabei Matti auf die Zunge, der leise aufschrie.
"Äh… Andrew… also… es ist nicht das, wonach es aussieht…", stammelt Nicki nur erfolglos heraus, versuchte derweil seine Kleider etwas in Ordnung zu bringen.
"Nicht wonach es aussieht? Und warum hast du dann Matti auf die Zunge gebissen?"
"Genau", mischte sich jetzt auch Matti ein, auch wenn es undeutlich klang. Nicki hatte vor Schreck ganz schön tolle zugebissen. Hin- und hergerissen zwischen einer Erklärung für Andrew und eine Entschuldigung für Matti wusste Nicki gar nichts mehr zu sagen. Flehend schaute er zurück zu Andrew.

Mit wenigen Schritten war Andrew ganz bei den beiden, legte Nicki eine Hand auf die Schulter und blickte den kleineren Freund fest an.
"Nicki, ich bin dein Freund. Und ich freue mich, dass du es mir endlich gesagt hast. Na ja. Eigentlich eher gezeigt." Mit großen Augen starrte er Andrew an. "Aber… aber… du hast es gewusst?!"
"Ja, schon lange."
"Und warum hast du nie was gesagt", fragte Nicki nur leise.
"Weil ich wollte, dass du so viel Vertrauen zu mir hast und es selbst sagst."
"Bist du sauer auf mich", fragte Nicki weiter, immer leiser werdend.
"Nein, warum sollte ich?"
"Na weil… ich meine… findest du es nicht… abstoßend, eklig, widerwärtig?"
"Ich bin dein Freund. Schon immer gewesen. Und wenn du glücklich bist, ist dass das Beste, was ich mir für meinen Freund nur wünschen kann. Und so wie es vorhin aussah, scheinst du sehr glücklich damit zu sein", erklärte Andrew, zwinkerte ihm auch noch schelmisch zu und schmunzelte über Nickis rot werdendes Gesicht.
"Na, wer ist jetzt verklemmt", lachte er dann.

Ein paar Minuten brauchte Nicki noch, um sich vom Schrecken zu erholen und von dem, was Andrew ihm sagte. Matti nutzte die Gelegenheit, um über ein noch rotglühendes Ohr zu knabbern, bis ihn eine Hand ungeduldig wegschob. Na ja, sie konnten das auch heute Abend in der Disco fortführen, dachte er sich ergeben und ließ Nicki los. Der ging zu Andrew rüber und schnappte sich dessen Sporttasche.
"Danke Andrew. Und du sagst keinem anderen was?"
"Nein, werde ich nicht."
"Gut, dann darfst du jetzt auch zu deinem Date. Ich nehme deine Sachen dann einfach mit zu mir. Dann stören sie dich dort nicht. Du kannst sie ja morgen oder Sonntag abholen."
"Danke. Das ist super. Aber begleitet ihr mich noch bis in die Stadt? Ich habe Angst, alleine dorthin zu gehen."
"Gerade du", lachte Nicki endlich wieder fröhlich auf.

 


 

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