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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 13"

 

 


 

Der Tag zog sich in die Länge. Nickis Neugier wurde immer größer und Matti konnte ihn nur mit heimlichen Küssen ruhig halten, die Gelegenheiten waren gering und so wurde Nicki immer hibbeliger. Wie sehr freute sich Matti auf ihr Training jetzt am Nachmittag. Erstens wollte Andrew dann mit Nicki sprechen - er wusste nicht worüber - und zweitens konnte er Nicki beim Basketball so jagen, dass dieser danach sicher genug ausgepowert wäre. Es gab da noch andere Möglichkeiten, wie er sich verträumt vorstellte, doch soweit waren sie noch nicht. Nicki hatte Angst, und Matti selbst Geduld genug, um in kleinen aber steten Schritten sich seinem Ziel zu nähern. Allein die Zunge konnte Nicki bereits in ungeahnte Höhen treiben und Matti liebte es, Nicki dabei zu sehen, wie er gelöst von allen ganz ihm gehörte.

Wenn da nicht letztens plötzlich Nickis Mutter an der Tür geklopft hätte, um zu fragen, ob alles in Ordnung wäre. Nicki war nicht in der Lage zu antworten, hatte wohl gar nichts mitbekommen, Matti dagegen war so auf seinen Liebsten konzentriert gewesen, dass er sich und sein Bedürfnis gar nicht beachtet hatte und relativ normal die Türe öffnen konnte. Er erklärte, Nicki wollte das Zimmer aufräumen und hätte sich den Kopf gestoßen, was während seinem heftigen Höhepunkt tatsächlich passiert war, wenn auch nicht so derbe, und wollte nur die Augen für ein paar Minuten zu machen. Nickis liebe Mutter nickte, lächelte zuvorkommend und ging wieder nach unten in die Küche. Matti wurde rot. Er kannte dieses Lächeln. Seine Mutter lächelte genauso, wenn sie genau wusste, was los war aber nichts dazu sagte, solange es ihrem Kind gut ging.

So in Gedanken trottete Matti mit dem Team endlich in die Halle, als Andrew sie einließ. Als Schulsprecher und Trainer dieser Basketballmannschaft genoss er das Vertrauen der Lehrer und besaß einen eigenen Schlüssel für die Sporthalle. Nicht selten nutze das Team diese Möglichkeit, um sogar am Wochenende zu trainieren, wenn es ein Spiel gab. Heute, Freitag, war eher lockeres Spielen angesagt, wenn es nach Andrews Trainingsplan ging. Doch da sollte sich Matti gewaltig irren.

***

Nicki wärmte sich schon mit den anderen in der Halle auf, lief einige lockere Runden als er bemerkte, dass Andrew noch immer nicht da war. Er gab den anderen Bescheid, dass er nachsehen würde. Er hatte Angst, was er erblicken könnte und doch konnte er Andrew nicht allein lassen. Er fand Andrew auf der Bank sitzend vor, das Sportshirt in den Händen, gerade zum Anziehen über dem Kopf gehoben. Bestürzt sah Nicki ihn an, kam eiligst auf ihn zu, sagte nichts. Dann berührte er vorsichtig Andrew an der Seite, die Rippen entlang. Andrew stöhnte unterdrückt auf.


"Andrew, warum lässt du das zu? Wie kannst du dir das antun lassen?"
"Ich kann nichts machen. Ich kann nicht -"
"Hör' auf, dir irgendwelche Ausreden auszudenken. Zeige das Schwein endlich an. Und wenn du es nicht machst, werde ich es tun."
Entsetzt schüttelte Andrew den Kopf. "Das kannst du nicht machen."
"Und ob. Ich kann nicht länger zusehen, was der Dreckskerl dir antut. Ich bin dein Freund. Was denkst du, was ich mir für Sorgen mache."
"Brauchst du nicht. Es ist nicht mehr so schlimm."
"Ja, das sehe ich." Nickis Stimme triefte vor Sarkasmus. Andrew wich dem Blick seines kleineren Freundes aus.
"Er schlägt mich weniger als früher", antwortete er.
"Aber er wird immer brutaler, Andrew!", rief er aufgebracht. Dann atmete er kurz durch und zog Andrew in eine lockere Umarmung. Denn das fast ängstliche Zusammenzucken seines Freundes hatte er sehr wohl bemerkt.

"Es tut mir leid, Andrew. Ich wollte nicht so aggressiv sein. Es macht mich wütend, wenn ich sehen muss, was er mit dir tut. Warst du schon bei einem anderen Arzt? Es sieht ziemlich schlimm aus." Andrew schüttelte nur den Kopf an Nickis Schulter. In der Nacht hatte er einfach keine Energie mehr irgendwo hinzugehen und heute Morgen war er eh schon zu spät, erklärte er leise. Also schob Nicki ihn auf die Bank zurück, eilte zu seiner Tasche, kramte, und kam mit einer Salbe zurück zu Andrew. Der lächelte etwas: Nicki hatte aber auch immer alles dabei. Vorsichtig strich er die Heilsalbe auf die Haut.
"Angeknackst sind sie aber nicht wieder?", fragte er, als Andrew etwas zuckte. Wieder schüttelte der nur den Kopf.
"Willst du heute trotzdem beim Training mitmachen?"
"Ja. Ich brauche jetzt Bewegung. Irgendwo muss ich mich abreagieren. Ich will doch heute Nachmittag zu meiner Verabredung."
"Oh ja. Dein Date. Du musst mir dann alles darüber erzählen. Und jetzt auf. Dein Team wartet draußen. Die denken bestimmt, dass wir hier sonst was machen." Dabei zwinkerte er Andrew schelmisch zu und lachte, weil der rot anlief.
"Sei nicht immer so verklemmt", lachte er lauter, drückte dann Andrew tatsächlich noch einen Kuss auf die Wange und rannte nach draußen in die Halle. Er brauchte den Vorsprung, denn eines war sicher: sein Kuss blieb nicht ungesühnt - das gab Rache auf dem Spielfeld.

 


 

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