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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 12"

 

 


 

Bis zur großen Mittagspause hatte sich Andrew erfolgreich drum gedrückt, Nickis Fragen zu beantworten. Er schien wohl ruhiger zu sein als in der ersten Stunde, trotzdem wollte er Nicki nicht mit hinaus auf den Schulhof begleiten. Er sah ihn noch in der Mensa, wie er sich ein Wurstbrötchen an der Theke und einen Kaffee aus dem Automaten erkämpfte - beides nicht so lecker, aber wenigstens Etwas, wenn man das Frühstück vergessen hatte - und wieder nach oben verschwand. Dort stand in einer Ecke eine kleine Couchlandschaft, ein Sofa mit zwei Sesseln und einem kleinen Tisch.

Andrew versteckte sich öfter dort oben, wenn er seine Ruhe haben wollte und Nicki ließ ihn auch allein, tummelte sich mit Matti und anderen Klassenkameraden draußen auf dem Hof und freute sich über die Sonne, die nun wieder durch die Regenwolken hindurch zu sehen war.

***

Allzu schnell war die Pause auch schon wieder rum. Wieder dichtes Gedränge am Eingang, Mattis vertraute Wärme im Rücken, sanfte große Finger, die sich durch seine Haare wuselten, dann leider wieder verschwanden. Sie eilten durch die unteren Flure zu ihren Spinden und packten Bücher für die folgenden Stunden um. Heimlich, hinter der geöffneten Spindtür, bekam Nicki nun doch endlich seinen heiß ersehnten Kuss, doch als Stimmen laut wurden und so ein komischer Tölpel mit schief sitzender Brille und doof grinsend an ihnen vorbeistolperte, trennten sie sich. Sittsam nebeneinander gingen sie also nach oben zu den Klassenräumen. Auf dem engen Flur drängelten sich die Schüler bereits alle vor der Tür. Sie warteten bis endlich der Lehrer kam und so plauderte Nicki noch ein Weilchen mit Matti bis er bemerkte, wie sich Andrew einfach still neben ihn schob und seinen eigenen Gedanken nachhing.


"Hey, Andrew, was ist heute wieder los", fragte er ihn flüsternd. Nicki kannte seinen besten Freund einfach zu lange und wusste, dass mehr sein musste, als nur mal eben verschlafen.
"Nichts. Nichts Schlimmes", wiegelte Andrew trotzdem ab. Hier, wo alle zuhören konnten, wollte er wohl darüber nicht reden.
"Im Gegenteil, ich habe eine Verabredung für heute Nachmittag." Nicki wollte erst auf seine Antwort beharren, doch dann hörte er den zweiten Satz. Er überlegte und dann endlich verstand er, dass da in der Pause wohl mehr passiert war, als nur Wurstbrötchen und ekligen Kaffee zu vertilgen.
"Hast du sie endlich gefragt?! Wurde ja auch Zeit", lenkte auch Nicki ein und freute sich ehrlich über Andrews Erfolg. Hatte er endlich die kleine niedliche Katrina aus der Parallelklasse nach einem Date gefragt. Und diese hatte nach Andrews Grinsen zu urteilen auch zugestimmt. Andrews heimliche Liebe. Jede hätte er haben können, aber sie war es, der er hinter her schaute. Zierlich, aber mit frechen Sprüchen auf den Lippen und wie Andrew immer wieder sagte: eine total süße Nase und ein lustiger kurzer Pferdeschwanz, der beim schwungvollen Gang stetig hin und her hüpfte. Er durfte sogar einmal dran zupfen, erklärte er fröhlich.

"Wie kommt es, dass du sie gefragt hast?" Nickis Neugier war einzigartig. Über alles wollte er genau informiert werden. Wenn sich dieser Wissensdurst auch auf den Unterricht ausbreiten würde, könnte er das Abi mit einer glatten Eins bestehen. Andrew lächelte ihn frech an.
"Verrate ich nicht."
"Och, komm. Bitte. Ich will es wissen."
"Ich weiß."
"Du bist gemein."
"Ich weiß."
"Ich sage dir doch auch immer alles."
"Ich weiß."
"Und hör' auf, immer "ich weiß" zu sagen. Das nervt."
"Ich weiß", rief Andrew ein letztes Mal lachend. Schmollend wendet sich Nicki ab und suchte Trost bei Matti.
"Na, ärgert er dich wieder", fragte dieser, lachte aber auch - Mitleid sah wohl anders aus. Dann aber, kurz bevor sie in die Klasse gingen, flüsterte Andrew Nicki noch ein leises "Ich sag's dir nachher beim Training" zu. Und Nicki wusste, dass es nichts mit dem Date zu tun hatte.

 


 

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