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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Eine Liebesgeschichte - Teil 1"

 

 


 

Schon wieder Regen. Wie die Tage zuvor. Ihre schlechte Laune sank gleich noch weiter und mit ergebenem Seufzen zog sie sich die Kapuze über. Vor sich hin murrend stapfte sie weiter, dem großen quaderförmigen Kasten entgegen, der mit seiner abgeblätterten weißen Farbe nicht besonders einladend aussah. Und außerdem drang jetzt das nervige Stundenklingeln durch den Regen zu ihr, gab ihr zu verstehen, dass sie heute zu spät kam.

Zu spät zur ersten Stunde. Was eigentlich nicht das Problem war, wenn es heute nicht gerade Englisch wäre. Bei dem Lehrer nicht gut. Gar nicht gut. War nämlich gleichzeitig der Schuldirektor. Streng regierend über sein Reich. Und ohne Klischees zu bedienen, hatte man das Gefühl, er liebe es Schüler zu quälen. Wie so ein gewisser Typ aus der Unterwelt.

Der Gedanke nahm in ihrem Kopf mehr und mehr Form an, als sie endlich vor ihm stand, beichtete, dass der Wecker zwar geklingelte hätte, aber irgendwie später als sonst, und sie nun deswegen erst 10 Minuten nach Stundenbeginn hier eintraf. Er verzog keine Miene, machte sich fein säuberlich eine Notiz und schickte sie mit einer kurzen Geste auf ihren Platz. Einige Mädchen in der hinteren Reihe kicherten. Sehr erwachsen streckte sie denen nur die Zunge raus. Sollten die sie doch in Ruhe lassen. Übellaunig packte sie dann ihr Zeug neben ihre Freundin auf den Tisch und knurrte ihr eine kurze Begrüßung hin.

***

Er rannte schon fast durch den Regen. Zusammen mit den schweren Wolken brachte das Wetter sein aufgewühltes Gemüt heute so richtig zum Ausdruck. Er würde es nicht mehr rechtzeitig zum Unterricht schaffen, aber wollte nicht später als nötig ankommen. Denn eigentlich mochte er die Schule doch sehr gern.

Mit einem kurzen Schmunzeln entdeckte er vor sich noch einen weiteren Schüler, der wohl zu spät kam. Der sonst frech hin und her hüpfende Zopf war unter einer Kapuze versteckt, aber trotzdem erkannte er sie an ihrem Gang - heute missmutig ob des Regens und der Zeit, aber wie immer gefühlvoll.

Unter dem kleinen Vordach zum Eingang der Schule blieb er kurz stehen, schüttelte den Kopf wie ein Hund, um das Wasser aus den Haaren zu bekommen und trat endlich ins Trockene. Das Zimmer hatte er auch bald gefunden, entschuldigte sich höflich bei der Lehrerin und setzte sich auf seinen angestammten Platz. Sein Freund rutschte nervös neben ihm auf seinem Stuhl hin und her. Dominic hatte auf Andrew schon gewartet und wollte nun den Grund der Verspätung wissen. Doch der begrüßte ihn nur mit einem ruhigen Schulterdruck, bemerkte die neue Frisur des Freundes, und konzentrierte sich gleich auf den Unterricht. "Streber", hörte er es schmollend neben sich.

 


 

Teil 2