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Das Diamantenschloss - Ein Märchen voller Magie.

 

Maceo wusste, dass ihm seine Schwester dies nie verzeihen würde. Sie hatte es ihm wieder und wieder versucht auszureden. Er hatte ihr versprochen, es nicht zu tun, doch da wussten sie auch noch nicht, dass die Feinde Magie angewendet hatten und die Titanen erweckten, die seit Äonen am Fuße des Grates schliefen. Der Grat, ein riesiges Bergmassiv, was sich einmal durch den ganzen Kontinent zog, teilte ihre Länder und war von je her die natürliche Grenze. Nie wurde sich darum gestritten, doch der neue junge Kaiser des Nachbarlandes, selbstgekrönt nach dem mysteriösen Tod der gesamten Kaiserfamilie, überschritt die Pässe. Mit einem riesigen Heer, mit Maschinen - und jetzt, nach bereits vielen Tagen Kampf, spürte Maceo die tiefen Erschütterungen.

Er ließ seine Magie ein wenig wandern und erschrak sich so heftig, dass er fast von Prakash gefallen wäre. Der riesige Eiswolf stockte mitten im Galopp und knurrte Maceo verwirrt an, während er einen Gegner zwischen den Pranken zerquetschte. Maceo lehnte sich nach vorn, krallte sich geschockt in das weiche Nackenfell seines Seelenpartners. "Prakash, wir müssen vom See. Ich brauche einen ruhigen Ort." Der drängende Tonfall ließ den Wolf sofort gehorchen. Er wendete und mit weiten Sprüngen hechtete er über den zugefrorenen See, der schon rot war von all dem Blut.

Auf einer seichten Anhebung, von der Maceo den schaurigen Kampfplatz, sowie die Berge dahinter gut im Blick hatte, blieb Prakash stehen und ließ seinen Menschen absteigen. Besorgt schob er seine riesige Nase gegen Maceos Gesicht und schnaubte warme Luft aus. Maceo kraulte durch das dichte weiße Fell am Hals und hinter den Ohren. "Passt du auf mich auf?", fragte er nur. Prakash winselte leise, dann setzte er sich auf die Hinterpfoten und ließ Maceo an seiner Brust anlehnen. Enger Kontakt zu seinem Seelenpartner gab ihm mehr magische Energie und somit besseren Fokus auf das, was er nun vorhatte.

Maceo kniete sich in den Schnee, spürte die vertraute Wärme im Rücken. Er schaute noch einmal über den See, die Berge, dann weiter nach links, wo sich aus dem Wasser heraus das glitzernde Schloss erhob. Das Diamantenschloss. Vor tausenden von Jahren von seinen Vorfahren mit Magie geschaffen. Und seit ebenso vielen Jahren das Zentrum friedlichen Lebens und Handelns. Maceos Schloss, Maceos Land. Er war König und er musste schützen, was er liebte. Noch einen Moment betrachtete er seine Heimat. Er war sich sicher, sie nie wieder sehen zu können. Dann schloss er die Augen…

Eine kleine Weile passierte nichts. Doch Prakash konnte bereits das Knistern in der Luft spüren. Maceo zog die Magie in sich zusammen. Dann begann er einzelne magische Fäden auszuschicken. Sie krochen silbrig glitzernd über den See hinweg, unbeeindruckt von dem Geschehen darauf und suchten sich ihren Weg zu den Titanen. Durch die Verbindung spürte Maceo Verwirrung und Wut. Die Riesen wussten nicht, warum sie geweckt worden waren. Sie wussten nur, dass sie dieses Schloss zerstören sollten. Maceo erschrak vor der Zerstörungswut des jungen Kaisers. Denn kein anderer war es, der die Titanen selbst aus ihrem Schlaf geholt hatte und sie noch immer in seiner Gewalt hatte. Ähnlich wie seine eigenen ging von jedem Titan ein dünner schwarzer Magiefaden weg. Und alle Fäden trafen sich an einem Punkt. Im Herzen des Kaisers.

Maceo wurde bewusst, sollte er auch nur einen Titanen davon befreien, würde der Kaiser dies sofort bemerken. Er musste also alle gleichzeitig von diesem Zauber erlösen. Dies erforderte mehr Zeit und mehr Kraft. Er begann seine Magie wie ein Netz um die schwarzen Fäden zu weben. Er musste sich beeilen. Die Titanen waren schon fast am See und würden auf ihrem Weg alles zertrampeln was in die Quere kam. Egal ob Mensch oder Tier.

Schnell aber präzise arbeitete er und bald hatte er jeden einzelnen Titan in seinen eigenen Zauber verstrickt. Doch das reichte nicht; den Kaiser musste er im selben Augenblick vernichten, wie er die Titanen von dessen Magie befreite. Es war anstrengend. Maceo hatte noch nie so lange so viel Magie konzentrieren müssen. Er spürte Prakash bei sich und zog Energie aus ihrer Verbindung.

Endlich war es geschafft! Er merkte die Erde unter sich beben und wusste, dass die Riesen angekommen waren. Menschen und Tiere schrien in Panik unten auf dem See. Er konzentrierte sich noch einmal, prüfte seine Vorbereitungen - dann schlug er zu. Sein Schrei übertönte das Kampfgetümmel. Wie Donnergrollen jagte seine Stimme mit der Magie über die Menschen hinweg, erreichten die Felsgiganten und preschten weiter voran zum Kaiser. Silbrige Magie zerfaserte den schwarzen Dämon mit einem Wimpernschlag.

Dann war ohrenbetäubende Stille. Menschen standen starr. Die Titanen guckten erst überrascht, dann drehte sich einer, ging zurück wo er herkam. Die anderen folgten ihm, hinterließen eine breite Spur - ein neues Tal.

Bewegung kam in die Menschen. Befehle wurden geschrien, eine gewisse Ordnung kam recht schnell zustande. Das feindliche Heer ergab sich ohne Widerspruch. Auch sie schienen verwirrt, wussten nicht genau, warum sie da waren.

Eine junge Frau auf einem sandfarbenen Pferd löste sich aus dem Tumult und kam direkt auf Prakash zugeritten. Wenige Schritte vor dem Wolf sprang sie ab und rannte die letzten Meter zu Fuß. "Maceo!" Sie erhielt keine Antwort. Prakash erhob sich, gab den leblosen Körper frei. "Maceo! Warum nur!", schrie sie weinend, obwohl sie doch wusste, dass er ihr aller Leben gerettet hatte. Nicht nur das ihres Volkes. Maceo hatte auch gleich ein anderes Volk von einem bösen Teufel befreit.

"Prakash! Du lebst noch?", kam ihr dann endlich zu Bewusstsein. Sollte ein Seelenpartner sterben, stirbt auch der andere. Was ging hier vor? Der Wolf winselte nur leise und schob seine Nase an Maceo, roch prüfend an ihm. Er war kalt und ein Puls war nur noch schwar zu spüren. Sie würden ihn nicht mehr retten können und Prakash würde ihm folgen. Doch ein Kribbeln an der Nase ließ Prakash zurückzucken. Magie! Ein Leuchten drang aus Maceos Brust. Ein kleiner Kristall bildete sich heraus, wurde größer, länger, drängte den Wolf und die Frau beiseite, als sich das durchscheinende Gebilde um Maceo schloss.

Ein Lebenskristall!

***

Milan wischte sich den Schweiß von der Stirn, als er eine kleine Pause einlegte. Es war ein herrlich warmer Tag und er hatte bereits das Hemd ausgezogen und nur noch die leichte Weste an. Der See zu seinen Füßen glitzerte und spiegelte den klaren blauen Himmel auf seiner ruhigen Oberfläche. Trotzdem spürte er einen seltsamen Windstoß über seine Arme wehen, als er weiter schaute und den Grat und das Tal sah, von dem erzählt wurde, dass es von Füßen der Bergriesen gemacht wurde. Weiter links ragte das wunderbare Schloss empor. Es funkelte wie all die Geschichten es erzählten. War es wirklich ganz aus Diamant? Eine ebenso blitzende Brücke verband das Schloss mit dem Festland und führte direkt in die kleine Stadt.

Ein seltsames Knistern war in der Luft zu hören und Milan zog automatisch die Schultern an. Hier war es unheimlich. So nahm er seine kleine Tasche wieder auf und marschierte weiter, den kleinen Pfad entlang, der ihn bald zu einer großen Straße brachte, die direkt auf die Stadt und das Schloss zuführte.

Er wusste nicht viel über die Schlacht vor sieben Jahren. Ein Grund, warum er sich entschieden hat, dieses Land zu bereisen. Sein Leben war einfach. Er sammelte an den einen Orten Geschichten und erzählte diese wiederum an anderen Orten weiter oder spielte auf seiner Flöte. So verdiente er sich seinen Lebensunterhalt und er liebte es zu gehen, wann und wohin er wollte.

Milan war nicht der einzige staunende Besucher. Die Stadt war klein, sauber und gemütlich und mit ungewöhnlich vielen Wimpeln und kleinen Fähnchen geschmückt. Die Menschen, die hier lebten waren freundlich und heiter gestimmt. Am Brunnen, wo Milan sich einen Becher Wasser hochangelte, war geschäftiges Treiben. Er sah ein paar Gaukler und Artisten, eine kleine Bühne für Theater und Musik. Drum herum waren bunte Stände aufgebaut und boten allerlei Waren feil. Es gab Lebensmittel, Naschwerk und Gewürze aus aller Welt, bunte Stoffe, vielerlei Schmuck, aus Honig gefertigte Kerzen und Seifen, Leder- und Pelzwaren, Schnitzereien aus Edelhölzern und schillerndem Fischbein vom Regenbogenhecht, Waffen- und Handwerkszeug, sogar ein Bücherstand, der auch Tinte und Pergament anbot. Er sah feines Porzellan, schönes Steingut und herrliche Glaskunst. Daneben verkaufte ein kundiger Kräutersammler schmerzlindernde Tinkturen und kleine Duftsäckchen mit Lavendel und Eukalyptus gefüllt. Ein Bäcker machte Milan warmes duftendes Brot schmackhaft und er kaufte es mit frisch geräuchertem Fisch von nebenan. Es war köstlich.

So verbrachte Milan mehr Zeit in der Stadt, als er eigentlich dachte und erfuhr, das heute der siebte Jahrestag war zu Ehren des unsterblichen Königs, der ihnen allen das Leben rettete. Er erreichte die Diamantbrücke erst zum Sonnenuntergang und der rote Himmel ließ auch das Schloss blutrot erscheinen. Die Schlosswache hielt ihn freundlich aber bestimmt auf. Er erklärte seinen Beruf und erbat eine Nacht die Gesellschaft mit seinen Geschichten erfreuen zu dürfen. "Ja. Ein wenig Abwechslung wird Prinzessin Isalie gut tun", sprach der junge Soldat und ließ Milan hindurch. Ein junger Diener nahm ihn gleich in Empfang und führte ihn direkt weiter zum großen Saal.

Ehrfürchtig folgt Milan und betrachtete verwundert das Schloss. Es war so, wie er ein Schloss aus seinen Märchen sich immer vorstellte und vor allem den Kindern gerne erzählte. Es jetzt in echt zu sehen, war für ihn fast unglaublich. Und doch: es war ganz aus Diamant. Die Sonne strahlte von außen herein und wo die Wände dünner waren, konnte man fast wie durch Glas hindurchsehen. Die mehrseitigen Säulen der Eingangshalle brachen das Licht in Regenbogenfarben.

Sie erreichten den großen Saal, hinter dessen erstaunlich dünnen Wänden Milan bereits viele Menschen sehen konnte. Der Junge öffnete eine der beiden Saaltüren und ging unauffällig seitlich hinter Säulen in den Saal hinein, den Geschichtenerzähler immer bei sich haltend. Milan war überrascht: hier saßen viele hohe Würdenträger an zwei langen Tafeln, die rechts und links des Saales aufgebaut waren. Man unterhielt sich angeregt, es wurde getrunken, gegessen und gelacht. Es war zwanglos, aber wohl gesittet.

Am Ende war eine Quertafel gestellt, an deren Mitte eine Frau mit blonden langen Haaren und reich geschmücktem Kleid saß; traurig sah sie aus. Der Diener ging direkt auf sie zu und sprach mit ihr, deutete dabei mehrfach auf Milan. Der jedoch sah sie nur nebenbei; sein Blick hing an dem riesigen Wolf. Wenige Schritte hinter der schönen Frau führten einige Stufen zu dem Diamantenthron hinauf. Er war leer. Doch daneben auf einem dunklen Fell lag der weiße Eiswolf und starrte Milan aus seinen hellen blauen Augen unentwegt an.

Ein mehrmaliges Zupfen an seiner Weste; Milan blickte den Diener wieder an. "Prinzessin Isalie freut sich, deine Geschichten zu hören. Für die Nacht bekommst du ein Zimmer und morgens ein reichhaltiges Frühstück und nach Bedarf frischen Reiseproviant. Je nachdem wie spannend deine Geschichten sind, bekommst du morgen auch einige Goldmünzen." Milan war überrascht, wie großzügig man ihn hier bedachte und stimmte dem sofort zu. Dann führte ihn der Diener in die Mitte der eckigen Tafelrunde, brachte ihm ein gemütliches großes buntes Sitzkissen, sowie einen Krug mit leichtem Wein, einen bereits vollen Becher und eine kleine Platte mit verschiedenen süßen und deftigen Leckereien, die Milan sich unkompliziert beim Erzählen mit den Fingern nehmen konnte.

Er freute sich über so viel gehobene Aufmerksamkeit und begann mit seiner ersten Geschichte über ein Liebespaar in einem fernen Wüstenland. Die Gesellschaft lauschte gespannt und applaudierte ihm zu. Als kleine Zugabe nahm er seine zierliche Flöte hervor und spielte eine Melodie aus diesem Land. Ein wenig getragen und unendlich wie der weite Himmel über dem endlos sandigen Meer. Ein leichter Lufthauch glitt über Milans Arme, als er sein Musikstück beendet hatte. Nun, da er es ein weiteres Mal spürte, war es gar nicht mehr so unheimlich und er begann seine zweite Geschichte.

Der Abend flog nur so dahin. Milan erzählte, spielte eine Melodie dazu und spürte den sanften Windhauch. Es war schon lange Nacht, als die Prinzessin die Tafel aufhob. Milan streckte sich gähnend, als er endlich aufstand und dem Diener aus dem nun leeren Saal folgte. Er wurde in ein erstaunlich großes Zimmer geführt, dass sogar einen eigenen Raum zum Waschen hatte. Ein bodentiefes Fenster, natürlich aus ganz dünnem Diamant, gab ihm überdies die Möglichkeit, in den hinteren Schlossgarten zu gelangen.

Er machte sich bettfertig, lag aber lange wach. Zwar hatte er die Augen geschlossen, da sie müde waren, doch sein Geist fand noch keine Ruhe. Die laue Nacht zog ihn hinaus in den Garten. Ein schmaler Weg führte ihn aus der kleinen Ecke hinaus in einen weitläufigen herrlich gepflegten Lustgarten mit allerlei Blumen, die bei Tag sicherlich wunderschön bunt ihre Pracht zeigten.

Er ließ sich auf eine der Bänke nieder, legte sich lang auf den Rücken und blickte in den sternenklaren Himmel hinauf. Er war hier, bei dem legendären Diamantenschloss, er hatte den See gesehen, das neue Tal, sogar den Eiswolf. Gab es dann auch den unsterblichen König wirklich? Was bedeutete der Wind, den er immer spürte, seit er hier war?

Ein ungewöhnlicher Laut schreckte ihn auf. Direkt neben ihm war der weiße Wolf. Riesig war er, doch Milan fühlte sich nicht bedroht. Der Wolf hatte die Ohren neugierig aufgestellt und saß entspannt auf seinen Hinterläufen. "Na. Willst du noch eine Geschichte hören?", fragte er ihn. Der große Kopf kippte etwas zur Seite, als müsse der Wolf überlegen, dann stand er auf, und trabte einige Schritte davon, blieb stehen und blickte zurück zu Milan. Dieser verstand nicht. "Was willst du?", fragte er den Wolf wieder und wunderte sich nicht, als das Tier ihm auf seine Weise antwortete. Er kam zurück, fasste Milans Arm ganz sachte mit seinem enormen Maul und zog vorsichtig. "Ich soll dir folgen", begriff Milan nun und ging dem Wolf durch den Garten nach.

Sie schlängelten sich ein paar Mal um kleine Obstbäumchen herum, bis sie wohl das Zentrum des Gartens erreichten. Ein großer halb offener Pavillon stand hier - auch ganz aus Diamanten. Der Wolf überwand mit einem kleinen Satz die zwei Stufen und blickte auffordernd zu Milan zurück, bellte sogar. Milan wusste nicht, was ihn erwartete, doch konnte er wieder den Wind fühlen, stärker als zuvor und das Knistern lag in der Luft. Er betrat den runden offenen Raum und erblickte einen großen klaren Kristall aufgebahrt. Der unsterbliche König!

"Der König", hauchte er ehrfurchtsvoll. "Warum hast du mich hergebracht?", erkundigte er sich beim Wolf. Dieser stupste ihn an, am Bein, wo an seiner Lederhose in einer kleinen Tasche seine Flöte steckte. "Ich soll spielen?" Wolf bellte bekräftigend und setzte sich auf die Hinterläufe, beobachtete Milan auffordernd.

So setzte sich Milan und begann zu spielen. Er spielte lange und bemerkte, wie der Wind um sie herum mehr wurde und dichter. Er trieb vom See und den Bergen herüber und Milan fühlte Erleichterung. Doch es war mühevoll und immer öfter vergriff er sich im Ton. Bald konnte er nicht mehr und wollte schon aufgeben, als er warmes weiches Fell in seinem Rücken spürte. Er wusste den Wolf bei sich, merkte einen wilden Geist in seinen Gedanken und wusste plötzlich, dass der Wolf Prakash hieß. Er erlebte tierische Gedanken und ungebändigte Energie, die jetzt auch seine war. Er nahm sie und spielte damit seine Flöte, die ihre Töne immer weiter und kräftiger trug, bis Milan vor Erschöpfung die Sinne schwanden…

***

Der Morgen begann gerade zu grauen und erste Vögel begrüßten den neuen Tag. Der Boden des Pavillons war mit Kristallscherben übersät. Prakash lag zufrieden knurrend auf einem freien Stückchen Diamantboden und ließ sich von seinem Seelenpartner genüsslich hinter den Ohren kraulen. Er schleckte Maceo fröhlich durch das Gesicht, was diesen leise lachen ließ, dann schaute er besorgt auf den jungen Menschen, der bewusstlos an seiner Seite lag, warm geborgen in seinem Fell. "Mache dir um ihn keine Sorgen, Prakash. Er ist nur erschöpft. Wir bringen ihn hinein, da kann er schlafen, solange er möchte." Damit hob er Milan auf seine Arme und ging die wenigen Schritte zur Terrasse, über die er direkt in seine eigenen Gemächer gelangte. Es war alles so, wie er seine Räume einst verlassen hatte. Sauber und ordentlich. Er legte Milan auf sein Bett, dann kehrte er gleich wieder um, nach draußen, wo auf der Wiese sein Seelenpartner auf ihn wartete.

Er kuschelte sich an ihn, teilte seine frische neue Energie mit dem Eiswolf. "Na, wollen wir zum See reiten und baden? Wie immer?" Aufgeregt bellte Prakash, ließ Maceo aufsteigen und spurtete davon.

***

Milan wachte nach unruhigem Schlaf auf. Er wusste nicht, was passiert war oder wo er sich hier befand. Sein Raum war doch viel kleiner und viel weniger ausgeschmückt. Dann wurde ihm klar, dass er im Bett des Königs lag und sprang hastig auf.

Sein Blick fiel hinaus auf die Terrasse und den weiten Garten dahinter. Der Weg vom Gemach des Königs führte direkt auf den Pavillon zu. Wie überrascht war Milan, dass kein Kristall mehr da war. Er ging weiter an die Brüstung heran und blickte auf den See, der sich glitzernd vor ihm ausbreitete. Und sah einen riesigen Eiswolf und einen nackten Menschen fröhlich im Wasser herumtollen.

"Guten Morgen, Milan", begrüßte ihn eine sanfte Stimme. Milan drehte sich um, erstarrte, dann versuchte er ungelenk eine Verbeugung. "Guten Morgen, Prinzessin", hauchte er heraus. "Ich bitte dich, Milan. Nicht solche Förmlichkeiten, wo du doch nun zur Familie gehörst." Milan glaubte sich verhört zu haben und ein entsetztes "Was?" rutschte ihm heraus. Prinzessin Isalie lächelte beruhigend, kam näher und lehnte sich neben ihn an die Brüstung, schaute entspannt und fröhlich auf den See hinunter. "Du hast Maceo erweckt. Seinen Geist den richtigen Weg gezeigt und ihn damit in seinen Körper zurückgeholt. Hast du Prakash dabei gefühlt?" Milan überlegte kurz, wie sie es meinte, dann erzählte er, was passiert war, soweit er sich erinnern konnte. "Siehst du, Prakash hat dir seine Energie gegeben. Er hat sie mit dir geteilt und dadurch seine Seele mit deiner verbunden. Versuche nach ihm zu fühlen. Auch wenn er da unten am See ist, wirst du ihn spüren können."

Milan folgte Isalies Anweisung und tatsächlich. Er konnte die wilde Energie des Wolfes spüren. Doch da war noch eine andere, die nicht er selbst war. "Ja, Milan. Du fühlst richtig. Da Prakash bereits einen Seelenpartner hat, bist du gleichfalls mit ihm verbunden. Maceo ist nun auch dein Seelenpartner, wie es Prakash ist. Du kannst ihre Energien gebrauchen und kannst ihnen von deiner geben. Deine Magie ist nicht so direkt wie Maceos, doch durch dein Flötenspiel kannst du sie nutzen. Du hast Zeit zu lernen. Maceo wird dir alles beibringen, was du wissen musst, vorausgesetzt du möchtest hier im Diamantenschloss bleiben."

Milan verzog nachdenklich die Brauen. Wollte er hier im Schloss bleiben? Lernen und ein Leben mit zwei Seelenpartnern führen? Er blickte zurück zum See, sah die beiden glücklich, gelöst von allen Sorgen spielen. Prakash bellte und er konnte es hier oben hören. Maceo drehte sich auch zum Schloss, winkte und eine Welle dankbarer und liebevoller Energie strich um Milan.

"JA!"

Ende.

(18.5.2014)