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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 8: Nach Hause"

 


Reece, Brooke und der Rest der Band saßen um den Tisch, mit Tee oder Kaffee, und Reece musste erzählen, woher er Aiden kannte und was dieser mit Gabriel zu tun hatte. Viel konnte er natürlich nicht erzählen und dass Gabe hier war, wollte er nicht verraten.
So wurde bald wieder über ihren heutigen Auftritt gesprochen, was gut gelaufen ist, was verbessert werden müsste oder was es morgen zum Mittag gäbe. Klar wollte Liam das wissen; neben Studium und Band war Essen seine Lieblingsbeschäftigung. Zum Glück machte er genug Sport und man sah ihm nicht an, dass er Portionen für drei verspachtelte.
"Du bist schon dick genug", ärgerte Brooke ihn trotzdem und pikste mit spitzen Fingern in Liams harte Bauchmuskeln. "Hier, so viel Fett. Du bekommst morgen Salat und die restliche Woche auch." Und schon ging die Rangelei los.
Reece hielt sich wie immer raus. Als Band-Leader war es seine Aufgabe danach alles wieder zu schlichten und jeden zu trösten. So saß er auf seinem Stuhl und lachte. Ehrlich und befreit seit langem. Er war auch der einzige, der die Bewegung auf dem Sofa wahrnahm. Ein völlig verwirrter Aiden saß dort aufrecht, die Decken verkrampft in den Fingern und schien neben sich zu blicken, die Augen auf etwas konzentriert, das nur er sah.

***

Aiden musste sich gerade eine Strafpredigt von Gabe anhören. Dabei wusste er gar nicht mehr, was geschehen war und warum er jetzt auf einem Sofa lag.
Gabe, was ist denn passiert? Ich weiß nur noch, dass Reece doch wieder da war. Dann ist alles verschwommen.
"Du Idiot", rief Gabe aufgebracht weiter. "Du wärst fast gestorben. Du hättest mir sagen sollen, dass du mich nur wenige Minuten aushalten kannst."
Ich wusste das nicht. Und dannů, stockte er und blickte auf die bunte Decke in seinen Händen. ůdann dachte ich, Reece hätte wieder einen Bruder.
"Genau. Und dafür hättest du es verdient, dass ich dir die Ohren lang ziehe. Weißt du, was ich mir für Sorgen gemacht habe? Reece ist gerade wieder vernünftig, da fängst du anů"
Gabriel schimpfte weiter und schwebte aufgeregt um Aiden herum, dass dem es bald zu viel wurde. Seufzend ließ er sich auf das Sofa zurückfallen und versteckte seinen Kopf unter den Decken.

"Aiden? Geht es dir besser?"
Aiden schreckte auf. Er hatte Reece nicht kommen gehört und war umso erfreuter das Lächeln zu sehen, dass dieser ihm schenkte. Er nickte und rappelte sich wieder soweit auf, bis er bequem sitzen konnte. Reece reichte ihm die noch warme Tasse und dankend nahm er einige Schlucke. Er schmeckte den Kräutertee, stippte mit einem Finger hinein, leckte diesen ab und blickte Reece fragend an.
"Gabe hat es mir gezeigt", erzählte er ihm leise.
Danke, beugte er ein wenig den Kopf und meinte beide Brüder damit.
"Willst du ein wenig mit zum Tisch kommen? Dann stelle ich dir meine Band vor."
Aiden schlug die Decken beiseite und zeigte somit sein Einverständnis. Als er Reece jedoch zum Tisch folgte, fühlte er sich unbehaglich. Die Blicke der anderen waren alle auf ihn gerichtet und er sah die offensichtliche Neugierde.
Sein Geist hatte es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht und winkte ihm grinsend hinterher; der war also auch keine Hilfe.

Er ließ sich von Reece auf einen Stuhl drücken und wartete, dass er was sagte, hielt sich derweil an seiner Tasse fest.
"So, Aiden. Das ist Brooke. Sie spielt E-Gitarre und hält hier alles ein wenig in Ordnung. Das ist Daniel, unser Keyboarder und Fahrer für alles, falls wir was transportieren müssen, oder einfach mal schnell ne Pizza brauchen. Das ist Jackie, unverzichtbarer Schlagzeuger und ihm gehört die Küche. Er kocht für uns, seitů", da stockte Reece kurz. "ůseit Gabe nicht mehr da ist. Aber Jackie macht es schon fast so gut wie Gabe. Und hier, das ist Liam, unser Bass. Der tut aber sonst nichts weiter hier außer essen."
Klar wurde wieder gemoppert. Liam konnte sich aber auch so schön aufregen und Aiden war schnell klar, dass die fünf hier wirklich Freunde waren. Er lachte mit und fühlte sich in der Runde sehr bald wohl.
Dass er nicht reden konnte, hielt die Bande jedoch nicht ab, ihn mit Fragen zu löchern. Woher er Gabe kannte und wie lange, wie er hier zum Konzert kam und wie es ihm gefallen hatte, was er studierte und wo er wohnte. Geschickt stellte jeder die Fragen so, dass er mit Nicken oder Kopfschütteln antworten konnte oder mit einfacher Mimik und Gestik erklärte.
Da Gabe auch auf die St. John University ging, musste Aiden noch nicht einmal lügen. Sie hätten sich auf dem Campus getroffen und sofort gut verstanden. Gabe habe so viel von Demon Soul erzählt, da wollte er einfach mal vorbeikommen. Er hätte aber jetzt erst die Zeit gefunden. Weil Gabe ein guter Freund war, wollte er mit Reece gerne sprechen. So war er heute Abend geblieben, um Reece im Büro zu besuchen.

***

Sie unterhielten sich alle so lang, bis Aiden fast vom Stuhl kippte, weil er einfach viel zu müde war. Der Tag war lang gewesen und der Seelentausch vorhin sehr anstrengend. Brooke sah das herzerweichende Gähnen Aidens zuerst und löste die Runde auf.
"Reece, bringst du Aiden nach Hause? Wenn euch Daniel fährt, seid ihr in fünf Minuten da."
Brookes Vorschlag wurde zugestimmt. Aiden merkte nur, dass ihm seine Tasse weggenommen wurde und Reece ihn mit sich nahm. Er roch warmes Leder und lehnte sich an den größeren Körper, wusste auch seinen Geist bei sich. Er vertraute Gabriel, dass er ihn warnen würde, wenn ihn jemand entführen wollte. So döste er eine unbestimmte Zeit in einem Auto vor sich hin. Dann hörte er ein bekanntes Windspiel klingeln und hatte den Geruch von Büchern und Pergament in der Nase. Plötzlich lag er, fühlte sein Kissen und die riesige Decke um sich, kuschelte sich in sie, schlief tief und fest wie ein Stein.

...


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