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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 7: Auf dem Sofa"

 


Mit viel Kraft löste sich Gabe von dem Körper, stieß sich kräftig ab und schwebte plötzlich wieder in seiner durchscheinenden Form neben Reece und Aiden.

***

Reece' Gedanken überschlugen sich, hörte noch den Schrei und sah das Entsetzen in Gabes Augen, bevor diese zuglitten und der leichte Körper völlig in sich zusammensackte. Automatisch fing er ihn auf, hielt ihn vorsichtig an sich und sprach ihn leise an. Doch Aiden reagierte nicht. Er atmete hektisch, kalter Schweiß hatte sich auf seiner Stirn gesammelt und er war unnatürlich bleich.
So hievte Reece ihn sich auf die Arme, schubste die Tür mit einem Fuß weiter auf und brachte ihn in die Küche. Dort steuerte er direkt die kleine Nische an, wo ein gemütliches Sofa mit Sessel und niedrigem Tisch standen. Da legte er Aiden vorsichtig ab und breitete sorgfältig eine Wolldecke über ihn aus.
"Bringt ihr mir noch die zweite Decke aus meinem Büro", bat er seine Jungs, die schon neugierig um ihn herumstanden.
"Und macht ihr Wasser heiß? Wir brauchen einen Tee."
"Reece, wer ist das? Was hat er", fragte Brooke besorgt neben ihm, während sie schon die zweite Decke von Liam entgegennahm und über Aiden passend ausbreitete. Reece hörte bereits das Rauschen vom Wasserkocher und bekam fast zeitgleich von Daniel ein leicht feuchtes Handtuch gereicht, mit dem er behutsam über Aidens Stirn strich und verirrte Haarfransen beiseiteschob. Dabei seufzte er leise.
"Das ist Aiden. Wir haben uns unterhalten, da ist er plötzlich zusammengebrochen. Er…er kannte Gabe", erklärte er.
"Er war sehr aufgelöst, hat geweint. Ich glaube, es war auch für ihn eine schwere Zeit", versuchte er eine plausible Erklärung für den Zustand des Jungen zu finden, obwohl er selber nicht mehr wusste.
"Der Arme", sagte Brooke. "Hoffentlich geht es ihm bald wieder besser."
"Bleibst du grad hier? Ich mache den Tee fertig. Und ihr zurück zum Tisch. Wenn es ihm besser geht, kann er später eure neugierigen Fragen beantworten", scheuchte er die Jungs. Leise murrend zogen sich diese zurück.
Er kam zu der Küchenzeile rüber, wo das Wasser gerade fertigkochte und öffnete die Schublade mit ihren Teesorten. Da hatten sich über die Zeit die verschiedensten angesammelt. Welchen mochte Aiden? Da erinnerte er sich wieder an die fliegenden Blätter in seinem Büro - sein Herz schlug aufgeregt schneller: das war bestimmt Gabriel gewesen!
"Gabe, welchen Tee mag Aiden am liebsten", flüsterte er leise. Seine Band musste das nicht unbedingt mitbekommen. Sie würden ihn wohl für verrückt erklären. Er stellte alle Teepackungen auf die Anrichte und er musste gar nicht lange warten, da schob sich ruckelnd der Kräutertee mit Minze und Orange über die glatte Arbeitsplatte hin zur Tasse. Reece lachte freudig auf, also war Gabe wirklich hier, als Geist, wie hätte es in dieser Stadt auch anders sein können. Mit der vollen Tasse kam er zur Couch zurück. Die Tasse stellte er erst einmal auf den niedrigen Tisch daneben und beugte sich wieder zu Aiden hin.
"Wie sieht es aus? Wie geht es ihm", fragte er Brooke.
"Er ist ruhig. Ich glaube, er schläft jetzt."
"Dann lassen wir ihn auch schlafen. Es war ja alles nicht gerade leicht für ihn", sagte er nur und ging dann zurück; er wollte Aiden ein wenig Ruhe gönnen und sich auch einen Tee machen. Ob der Kräutertee schmeckte?

***

Gabe schwebte im Raum und wusste nicht, was er nun tun sollte. Aiden schlief, nur leicht und etwas unruhig in wirren Träumen gefangen, aber es ging ihm soweit wieder gut.
Gabriel fühlte sich schuldig. Einerseits war er glücklich, dass Reece ihn erkannt hatte, ihm glaubte und plötzlich erleichtert wirkte. Die dunklen Wolken hatten sich verzogen und wenn man ihn sich jetzt anschaute, wie er mit seiner Band am Tisch saß und von Aiden und auch wieder Gabriel erzählte, schien er zufrieden.
Andererseits hatte Aiden sehr viel dafür getan. Zu viel fast und Gabe war sich nicht sicher, warum Aiden ihm nicht sagte, dass ein Mensch so einen Übergriff nur wenige Minuten aushalten konnte. Vor allem, warum er ihn nicht warnte, als es für ihn gefährlich wurde. Hatte er es für ihn und Reece getan?
"Ach, Aiden", murmelte er und kuschelte sich wieder an ihn heran. "Du bist so lieb und dabei der größte Idiot der Welt."

...


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