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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 21: Riverside Lodge 4"

 


Als Aiden die Leute vom CID näher kommen sah, freute er sich, fast nur Leute zu sehen, die er bereits kannte.

Die Gerichtsmedizinerin Dr. Abigail Winstone war eine der ersten, die Aiden beim CID vor einigen Jahren getroffen hatte, da der Geist ihn schnurstracks in den Obduktionssaal der Rechtsmedizin führte. Damals hatte ihn sein Großvater noch begleitet, weswegen sie sich auch frei auf dem Gelände bewegen durften. Sie hatte nicht schlecht gekuckt, als ein Jugendlicher in ihre sonst so stillen Hallen trat und ihr erklärte, an was genau die Person verstorben war, die sie gerade auf dem Tisch liegen hatte. Doch schlussendlich hatte alles gestimmt und sie fand durch Aidens Hinweise alle Beweise, die den Mörder sicher überführten.

Die hübsche schwarze Frau war immer äußerst schick gekleidet, was er manchmal sehr konträr fand zu der Arbeit, die sie ausführte. Doch sie liebte ihn fast wie einen eigenen Sohn und war immer erfreut, ihn zu sehen. Auch jetzt musste er sich herzlich begrüßen lassen, bevor sie Platz für die anderen machte.

Von den beiden Forensikern kannte er nur Sam Matthews. Sam war schon länger dabei und wusste auch um die Besonderheit der Blake-Fälle. Er war eher wortkarg und gab Aiden einen kurzen festen Händedruck. Sein sehr junger neuer Kollege hielt sich im Hintergrund.

Noch bevor McLean Aiden nach den Einzelheiten fragen konnte, war Reece bei Aiden. Er sah, dass Aiden blass aussah und umarmte ihn. Er verstand ja, dass man hier bei der Arbeit war, aber wenn es Aiden nicht gut ging, musste er doch ein paar Minuten Ruhe bekommen.
"Willst du dich kurz ausruhen?", fragte er ihn leise. Aiden lehnte seinen Kopf an Reece Schulter, schloss für kurze Momente die Augen und genoss Reece' eigenen Geruch. Es beruhigte ihn. Und jetzt, wo er wusste, dass er es auch ganz offen tun durfte, genoss er es noch einmal mehr. Er war ganz plötzlich mit diesem tollen Sänger zusammen und es fühlte sich … … es fühlte sich sicher und schön an. Dazu ein angenehmes Schnurren an seinem Ohr und ein Schutzgeist an seiner anderen Seite.

Doch er löste sich schon nach wenigen Momenten. Er bat Reece, das schwere alte Buch zu übernehmen und gut darauf aufzupassen. Das Kästchen behielt er bei sich. Dann erklärte er McLean, was er von Beth erfahren hatte, übergab das Gästebuch und beschrieb kurz den Tathergang, so wie es ihm Beth erzählte hatte: der jüngere der beiden Männer hatte sich wenige Tage vorher schon bei ihr eingemietet. Er wolle ein paar Tage in der Natur wandern gehen. Zwei Tage vor dem Mord bemerkte sie das Lagerfeuer in der Nähe und entdeckte ihren Gast mit einem fremden Mann dort beim Zelten. Es gab dabei nichts Ungewöhnliches. Sie dachte sich, ihr Gast hätte den Camper zufällig bei seiner Wanderung getroffen. Im Nachhinein sah das alles natürlich anders aus. Heute Nacht erwischte sie beide bei ihr im Haus. Der jüngere der beiden Männer hatte Geld aus der Kassette gestohlen, der andere hatte zugestochen, als sie die zwei beim Raub erwischte.

Beth bestätigte, dass sie auch den zweiten Kerl genau gesehen hatte und ein Foto identifizieren oder ein Bild mit einem Zeichner gestalten könnte. Mit Aidens Hilfe natürlich. Dies sollte später auf dem Revier passieren.

Danach teilte McLean die Leute entsprechend ein. Er suchte sich für den Wald den jungen Benjamin Parson aus und stellte ihn nun Aiden auch endlich vor. Ben war gerade frisch mit dem Studium fertig geworden und erst ein, zweimal mit draußen gewesen. Er wirkte mit seinen aschblonden Haaren und den grau-grünen Augen recht unscheinbar und hatte eine verschüchterte Art an sich. Das musste sich ändern, denn laut Aussage seines Kollegen Matthews war er sehr tüchtig und überaus akkurat. McLean wollte, dass der junge Forensiker Aiden gleich besser kennenlernte, denn bei einem "Geisterfall" war er noch nie dabei gewesen. Er machte also beide kurz miteinander bekannt und musste grinsen, als Ben ehrfürchtig Aidens Hand nahm und sie vorsichtig schüttelte. Gehört hatte er also schon von Aiden.

Neben dem jungen Kriminaltechniker entschied sich McLean noch für Kyle und den verdrießlich dreinschauenden Brandon. Als der jedoch näher kam, fuhr Nion die Krallen aus, sträubte das Fell und fauchte laut drohend. Aiden spürte die spitzen Krallen in seiner Haut und kraulte den Kater beruhigend. Auch Beth hielt Abstand.
"Aiden, dieser junge Mann hat eine schlechte Aura. Du solltest dich von ihm fernhalten", riet sie ihm ernst. Aiden nickte nur. Er hatte sowieso keine gesteigerte Lust mit diesem Miesepeter mehr zu tun zu haben als notwendig wäre.

McLean schaute sich das kratzbürstige Fellknäuel an und war sich sicher, dass die Katze Aiden nicht allein lassen wollte. Von daher beschloss er: "Brandon, du bleibst doch erst mal hier. Geh Mian und Valerie im Haus zur Hand." Noch ätzender konnte der Blick von Brandon nicht werden. Er maulte, man verstand nur Katzenvieh und dann trollte er sich.

Reece blieb nur ruhig, weil Aiden seine Hand umschloss und sie sanft drückte. Er lächelte ihn warm an und zuckte dann nur mit den Schultern.
"Wie kannst du dabei nur so ruhig bleiben? Er mault schon den ganzen Tag so rum und behandelt dich, als wärest du sein Feind. Dabei kennt er dich gar nicht."

Aiden schüttelte den Kopf, deutete auf sich und dann Brandon hinterher. Reece verstand ihn nicht, doch McLean erklärte gleich: "Brandon behauptet, von Aiden noch nie etwas gehört zu haben. Mag sein, dass er einfach seinem Vater nicht zugehört hat. Aiden wiederum kennt die Familie Royston gut und kennt natürlich auch Brandons Vater. James Royston ist der Kriminaldirektor von Yorkshire. Durch verschiedene Fälle haben wir schon einige Zeit miteinander verbracht. So kennt Aiden Brandon, wenn auch nur aus Erzählungen heraus. Doch wir wussten schon vorher, wie er ist, weswegen es uns nicht so überrascht. Brandon ist Einzelgänger und ein Grießkram. Lass ihn maulen. Irgendwann wird er jemandem begegnen, der ihm eins auf die Nase gibt. Doch das solltest nicht du sein, Reece. Dann müsste ich dich nämlich verhaften", lachte er gutmütig. Dann schlug er Reece aufmunternd auf die Schultern und schob ihn etwas an. "Lass dich von Brandon nicht ärgern. Und jetzt auf. Folgen wir Aiden…"

Reece rieb sich die Schulter. McLean war nicht nur riesig, er hatte auch ungeahnte Kräfte. Er nickte nur und folgte dann Aiden, der sie nur wenige Minuten vom Häuschen weg Richtung Fluss führte. Es gab keinen Weg oder Spuren, die vom oder zum Häuschen führten. Beth ging einfach quer durch den Wald, Aiden folgte ihr, Nion weich und anschmiegsam auf seiner Schulter. Ihm direkt auf den Fersen war Reece. Er hielt seine Hand und gab seine Wärme an Aiden weiter. Dahinter kämpfte sich die riesige Gestalt des Chiefs durchs Geäst und auch Kyle hatte manches Mal mit seinem großen Körper Schwierigkeiten. Benjamin hielt sich geschickt in der Spur der beiden Großen und kam ohne größere Anstrengungen durch.

Sie erreichten bald den Fluss. Auf einem kleinen Stückchen freier Wiese war tatsächlich noch ein kleines Dreieckszelt aufgebaut und die kalte Feuerstelle. Aiden hielt sich hier jetzt fern. Es gab nichts, was er von Beth noch näher gezeigt bekommen könnte.

Er ließ Kyle und McLean ihre Arbeit tun und auch der junge Forensiker war schon gut dabei. Er suchte nach verwertbaren Fußabdrücken und anderen kleinsten Hinweisen, die der Täter hinterlassen hatte. Dafür verteilte er eifrig kleine Plastikschildchen mit Nummern darauf, manches mal ein Lineal für die richtigen Größenverhältnisse, um dann Fotos davon zu schießen und kleine Dinge in Tüten zu verpacken.

Reece machte es sich etwas entfernt auf einem Baumstamm bequem, um nicht im Weg zu sein und holte Aiden mit dazu, damit er sich ein wenig an ihn anlehnen konnte. Aiden legte seinen Kopf wieder an Reece Schulter und schloss die Augen. Es wehte im Wald ein laues Lüftchen und die Waldtiere unterhielten sich. Dazwischen war immer mal wieder Gemurmel von den Leuten zu hören. Irgendwann saß auch Beth neben ihnen und wartete geduldig ab.

Erst nach längerem merkte Aiden, dass Gabe fehlte. Natürlich. Mal irgendwo ruhig sitzenbleiben war dem nicht möglich. Er sah ihn zwischen den Bäumen herumgeistern und lächelte. Gabe hatte ihm erzählt, dass er und seine Familie hier früher öfter spazieren gewesen waren, so freute er sich für den Geist mit, dass er schöne Erinnerungen hatte.

Auf seiner Schulter regte sich etwas. Nion schien es auch langweilig. Er begann sich zu strecken und schüttelte sich einmal, dann schnupperte er an Reece. Dieser wollte den bunten Kater nicht verschrecken und hielt seine offene Hand hin, damit er daran riechen konnte. Nion stupste die fremde Hand mit der Nase an, dann kletterte er zu Reece auf die Schulter. Er rieb seinen Kopf einmal gegen Reece' Wange, dann hüpfte er auf den Baumstamm und kletterte ein wenig durchs Geäst.

Er hangelte sich über dicke Äste und einige kleine Baumstämme zum Fluss hinüber. Freudig maunzend sprang er mit den Füßen in das flache Wasser und tatzte nach ein paar Libellen, ohne sie aber zu verletzen. Als Gabe vorbeischwebte rief er nach ihm und sprang ganz auf die andere Flussseite.

Gabe nahm Nion kraulend in Empfang und ließ ihn laut schnurren. Als er sich wieder aufrichtete, sah er etwas im Ufergras blitzen. Er schaute näher und sah ein großes blutiges Messer dort liegen.
"Aiden! Du musst unbedingt herkommen!", rief er erschrocken.

Aiden war sofort allarmiert und sprang auf. Er gab Reece einen kleinen Kuss auf die Wange und zeigte ihm, hier zu bleiben. Zum anderen Ufer folgte er dem Weg, den Nion genommen hatte und balancierte recht geschickt über einen dicken Baumstamm und über große Steine im Fluss.

Er kam zu Gabe und Nion und sah auch sofort das blutige Messer. McLean hatte ihn im Blick und als Aiden sich zu ihnen umschaute und winkte, forderte er Kyle auf, nachzuschauen, was Aiden gefunden hatte.

Aiden versuchte derweil seinen Geist ein wenig zu beruhigen. Das große Messer hatte ihn wirklich entsetzt. Mit so etwas hatte Gabe noch nie zu tun gehabt. Er ließ ihn bei sich ankuscheln und hob Nion wieder auf seine Schulter, obwohl er noch nasse Pfötchen hatte. Doch auch der Kater hatte keine Lust mehr im Wald zu klettern und maunzte ärgerlich auf das Messer hinunter.
Es ist nur ein Messer, Gabe. Und kein Mensch ist noch hier, der es gegen uns benutzen kann.
"Ich weiß doch, Aiden. Aber es ist voller Blut. Allein der Gedanke daran. Ich weiß gar nicht, wie du das so einfach hinnehmen kannst."
Wir finden dadurch die Mörder von Beth. Wir helfen damit ihr und ihrer Verwandtschaft, antwortete er einfach. Denn genau das war es. Er und seine Familie machten dies einfach schon zu lange, um von einem simplen Messer so überrascht zu sein. Da gab es weitaus Schlimmeres.
"Du bist so mutig. Wie die Super-Detectives im Fernsehen. You're my hero, Aiden!", rief der Geist von Aidens cooler Art beeindruckt. Er wusste ja, was Aiden so machte, aber das erste Mal live dabei zu sein, war dann doch noch etwas anderes. Aiden musste lachen und wuschelte Gabe durch die Haare. Ein Held! Was Gabe manchmal von sich gab, war schon amüsant. Aber er schien seinen Schreck überwunden zu haben. Da war er für seinen Geist auch gerne mal ein Held.

Kyle war auch recht elegant über den Fluss gekommen und folgte Aidens Fingerzeig. Er hatte eine kleine Tüte dabei, die er als Handschuh benutzte, um das Messer aufzuheben. Es war ein mittelgroßes Jagdmesser mit schöner echter Holzklinge. Es sah teuer aus - und scharf. Er stülpte die Tüte über das Messer und knipste den Zipper-Verschluss gut zu.
"Danke, Aiden", sagte er dann knapp und wandte sich bereits ab, als er am Arm zurückgehalten wurde.
"Kyle! Warte!"

Kyle kannte die Stimme noch von früher, doch sie plötzlich wieder zu hören, brachte ihn durcheinander. Überrascht schaute er zu Aiden zurück und blickte in blaue statt in braune Augen.
"Was..? - Was soll das?"
"Ich bin Gabe. Aiden wollte, dass ich mit dir rede!", erklärte sich Gabe sogleich.
Kyles Augen wurden schmal. "Er wollte was?"
"Aiden sagt, dass es ihm Leid tut. Doch er konnte es einfach nicht."
Kyle schien sofort zu verstehen, was Gabe sagte.
"Aber… aber mit dir kann er es", klagte er traurig Aiden und Gabe an.
"Dass es so gut klappt hat uns auch erstaunt. Aber wir sind… hmmm… ich würde sagen, wir sind kompatibel. Beth sagte uns, ich wäre Aidens Schutzgeist."
Kyle brummte dazu nur, was Gabe reizte.
"Würdest du denn jeden Fremden in deine Seele lassen?", fragte er also harsch nach. Er ließ gar nicht weiter zu, dass Kyle Aiden ein schlechtes Gewissen machen konnte.
"Sie war keine Fremde", sagte Kyle leise.
"Für dich nicht. Aber für Aiden. Es ist seine Seele, die er dafür offen legt. Und zwar ganz. Jeden geheimen Gedanken, jedes Gefühl. Würdest du denn einfach so jemanden deine ganz eigenen Gedanken offenbaren?" Kyle schien zu überlegen, eine wahre Antwort darauf zu finden. Dann seufzte er leise.
"Nein. Nein, ich würde nicht einfach irgendwem meine geheimsten Gefühle offenbaren", stimmte er dann Gabe zu.
"Doch als Aiden vorhin uns sagte, dass du durch ihn reden darfst, dachte ich, es wäre schön gewesen, wenn ich noch einmal mit ihr hätte so sprechen können. Ich war nicht da, als sie starb und ich liebte sie so sehr."
"Das weiß sie doch", lächelte Gabe und konnte dabei Aidens Erinnerungen an einen hübschen weiblichen Geist sehen. Sie lachte und umarmte einen ahnungslosen Kyle, bevor sie sich von Aiden verabschiedete und verschwand.
"Aiden sagte das auch schon…"
"Aber es ist ja auch wahr. Sie liebte eure gemeinsame Zeit und war glücklich. Und so solltest du sie auch in Erinnerung behalten. Sie ist beruhigt in die andere Welt gegangen und wünschte sich, dass du noch ein schönes Leben hast."
"Ja? Hat sie das gesagt?"
"Na ja. Etwas anders. Sie meinte, du sollst nicht so ein gefühlsduseliger Kerl bleiben, sonst findest du keine neue Freundin mehr."
Kyle guckte überrascht. So was sagte doch kein Geist! Doch dann erinnerte er sich wieder an sie, wie verrückt sie manchmal gewesen war und genau so etwas hätte sie wohl tatsächlich gesagt. Und er glaubte nicht, dass Aiden oder auch Gabe Grund hätten, ihn anzulügen.

Er atmete einmal tief durch, dann kniete er sich auf ein Bein, um mit Aiden auf Augenhöhe sein zu können, und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Bitte entschuldige, dass ich so missgünstig war. Ich war doch im Einsatz als es passierte. Sie war so plötzlich weg und ich konnte mich von ihr auch nicht verabschieden. Nur ihren Mörder dingfest machen. Ich vermisse sie noch immer so sehr. Doch wenn sie glücklich war, so bin ich es auch. Wenn du es mir sagst, ist es in Ordnung. Du tust schon so viel mehr, als andere Menschen. Wenn ich kann, helfe ich dir wo es möglich ist."

Dann zwinkerte Kyle schelmisch und auch sein sonniges Gemüt kehrte zurück: "Sollte ich dich durch mein Leben oder meinen Tod schützen können, werde ich es tun. Du hast mein Schwert - und wenn ich sie noch auftreiben kann, auch einen Bogen und eine Axt."
"Ich trage doch keinen Ring zum Vulkan", lachten Gabe und auch Aiden in ihm mit.
"Nein, keinen Ring. Aber der Weg ist auch nicht leicht. Vielleicht kann ich ihn dir leichter machen."
Er schaute plötzlich neckend drein und fuhr mit den Fingern in Nions weiches Fell.
"Wie wäre es, wenn ich dir dieses Fellknäuel hier für eine Weile abnehmen würde?", fragte er und erntete umgehend ein empörtes Maunzen. Das hatte er sich schon denken können. Das Tier wirkte auf Aidens Schultern sehr zufrieden und so beließ er den Kater wo er war.
Sie lachten und während sie über den Fluss zurück kletterten, ließ Gabe Aiden wieder an seinen Platz.

***

Kyle zeigte McLean kurz das Messer und gab es dann direkt an Benjamin weiter. Hier mussten auf jeden Fall Fingerabdrücke und Blutanalysen durchgeführt werden.

Sie blieben nicht mehr lange. Um das Lager herum war soweit alles erledigt und sie konnten zurück zum Haus. Auch hier war die Arbeit fast fertig. McLean erfragte bei Mian den Stand der Dinge, erfuhr aber vorerst nicht wirklich etwas Neues. Selbst Abigail konnte auf den ersten Blick nur den Tod durch tiefe Messerstiche feststellen und den Todeszeitpunkt von heute Nacht bestätigen. Näheres konnte sie erst im Labor prüfen.

Es wurde entschieden, das Mian und Brandon noch hier bleiben, bis auch Abigail mit allem fertig war. Sie sollten dann mit dem Auto der Forensiker zurückfahren. Damit dort mehr Platz war, durfte Benjamin dafür im Van schon mit. Immerhin waren die Labore im gleichen Gebäude wie das Büro des CID.

Er kletterte nach hinten auf die Rückbank und sah sich dadurch direkt mit der hübschen Valerie konfrontiert, die ihn auch gleich mit neugierigen Fragen bedachte.

Aiden hatte sich diesmal zu Reece in die zweite Reihe geschlichen, wo er Nion auf dem Schoss sicher festhielt. Der Kater hatte nicht beim Haus bleiben wollen. Auch Beth hatte zugestimmt, dass Aiden vorerst den Kater mitnehmen könne, da Nion sich bei ihm offensichtlich so wohl fühlte.

Kyle steuerte den Van, während McLean schon wieder mit seinem Handy zugange war. Also durchorganisiert war der Chief, das musste man ihm lassen. Er telefonierte eine Weile und Aiden erlauschte etwas über Thunfisch!

***

Es war schon später Nachmittag, als sie zurück auf dem Revier waren. Die Kollegen wurden über den Fall informiert und zur Recherche eingeteilt. Benjamin verschwand mit den ersten Beweisstücken in seinem High-Tech-Labor. McLean wollte vor allem zuerst das Messer analysiert haben.

Marc erhielt das Gästebuch zum Schrift- und Namensvergleich.

Für Aiden war schon der Polizeizeichner da und wartete mit frischen Kaffee auf sie. Sie zogen sich wieder in McLeans Büro zurück, um Ruhe zu haben. Reece machte Aiden in der Zwischenzeit einen frischen Kräutertee mit Minze und Süßholz und lachte, als Marc bei ihm in der Küche auftauchte. Er nahm die kleine Dose entgegen, gab den Inhalt auf einen Teller und bereitete noch eine Schale mit Wasser vor. Damit balancierte er gekonnt ins Chief-Büro und er konnte gar nicht so schnell gucken, wie das wuschelige Fellknäuel sich hungrig auf den Thunfisch stürzte.

"Ah! Bestechung hat geklappt", freute sich McLean und lachte brummend. Man sollte es nicht glauben, aber er liebte Tiere. Und Nion war nun auch ein ganz außergewöhnliches Tier. Auch Beth freute sich über diese liebevolle Geste und wusste ihren Kater hier und bei Aiden vorerst in guten Händen…

Umso leichter verlief die nächste Stunde, in der Beth sehr detaillierte Beschreibungen der beiden Männer abgab. Gabe erklärte durch Aiden alles mit kurzen Worten, was die Sache doch ziemlich erleichterte. Am Ende hatten sie zwei sehr realistisch wirkende Fahndungsbilder. Sie würden die Medien einschalten und die Gesichter über die Nachrichten und Zeitungen verbreiten lassen!

McLean und der Polizeizeichner waren nach draußen verschwunden; Reece wollte eben mal auf Toilette. Beth hatte sich für den Abend verabschiedet und war verschwunden. Sie wolle für die Nacht in ihr Häuschen zurückkehren. So saß Aiden gerade allein auf dem Sofa, kraulte den schlafenden Nion auf seinem Schoß, und war schon fast am wegdämmern. Er war sehr müde und der häufige Seelentausch mit Gabe war da sicher mit dran schuld.

Auch der Geist hatte das schon bemerkt und fragte wiederholt, ob es Aiden gut ging. Er wollte ja nur helfen, doch Aiden dafür so zu strapazieren war nicht gut. Andererseits bemerkten sie beide, dass es umso besser funktionierte, je öfter sie "trainierten". Jetzt aber wollte auch Gabe nur noch nach Hause.

Bei diesem Gedanken stockte er. Nach Hause! Damit meinte er Aidens Wohnung. Und tatsächlich war die Buchhandlung sein zu Hause. Schon nach so kurzer Zeit.
"Lass uns nach Hause gehen", sagte er auch zu Aiden. "Die Polizei hat doch jetzt alles, was du ihnen sagen konntest."
Ja. Ich bin wirklich alle. Was für ein Tag…, stöhnte Aiden und kämpfte sich hoch. Das Sofa hier war aber auch sehr bequem.

Gähnend trat er in das Großraumbüro und sah Kyle auf sich zukommen.
"Hey. Ich wollte euch gerade holen. Ich bringe euch nach Hause. Wo ist dein Freund?" Dankbar nickte Aiden und zeigte in die Richtung der WCs.
"Na, da hast du dir aber ein Sahneschnittchen geangelt", plauderte Kyle los, als sie auf Reece warteten. "Er hat so eine gewisse Aura."
Oh ja. Die hatte Reece. Besonders auf der Bühne, dachte sich Aiden seinen Teil und nickte kräftig zu Kyles Einschätzung.
"Wenn er dir wehtut oder dich wegen einem anderen sitzen lässt, sagst du mir Bescheid, ja? Dann verhafte ich ihn!"
Sie lachten, aber Aiden war sich sicher, dass Kyle es ernst meinte. Und wenn es nur eine Nacht hier auf dem Revier war, um ihn zu ärgern. Und der Rest der Truppe würde ihm auch noch dabei helfen. Es war schön zu wissen, dass er so viele gute Freunde hatte. Genau wie Beth ihm sagte. Er musste sie nur zulassen.

Reece hatte sich endlich ausgemehrt und Kyle nahm sich einen Streifenwagen, um die beiden zum Antiques zu fahren. Er wollte Reece schon mal zeigen, wie so ein Wagen von innen aussah. Reece ließ sich nicht beeindrucken und verabschiedete sich von Kyle auf gutgelaunte kumpelhafte Art. Ihm war schon klar, dass alle auf Aiden aufpassten.

...


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