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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 2: Geistermorgen"

 


Aiden schlief tief und fest. Es war schon später Morgen, als er endlich wach wurde. Er brauchte etwas, um zu sich zu finden, blinzelte verschlafen aus dem Fenster und räkelte sich genüsslich in seiner warmen Decke. Er hatte sich schon lange nicht mehr so gut gefühlt. Er war Gabriel dankbar, dass er ihn schlafen lassen hat. Wo war der überhaupt? Die letzten Tage ist er stets da gewesen, wenn er aufstehen musste. Dann wurde ihm bewusst, dass Grandpa allein im Laden war. Schnell machte er sich frisch, um ihm wenigsten "Guten Morgen" sagen zu können, bevor er sich noch ein kleines Frühstück machen wollte.

***

Leise stieg er die Treppen hinunter. Er war noch nicht ganz unten, als er eine Stimme vernahm, die nicht seinem Grandpa gehörte. Er linste um die Ecke und musste still lachen. Grandpa Wil stand auf der kleinen Leiter und sortierte gerade ein paar Bücher in die Regale, während ein aufgeregter Gabriel neben ihm schwebte und unentwegt erzählte.
Guten Morgen, Gabe. Pass bloß auf, dass Grandpa nicht vor Schreck herunter fällt, wenn du so durch die Gegend schwirrst, sprach Aiden in Gedanken und machte den anderen Jungen so auf sich aufmerksam.
"Aiden, guten Morgen. Hast du gut geschlafen? Ich habe dich nicht geweckt. William sagte, du sollst ruhig mal ausschlafen."
Fröhlich kam Gabe sofort auf ihn zu, umarmte Aiden und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Aiden war überrascht! Er konnte Gabriel spüren!!
"Guten Morgen, Aiden. Du siehst erholt aus", sprach auch gleich Aidens Großvater. Er schob noch das letzte Buch ins Regal und stieg vorsichtig die wenigen Stufen herunter. Dann nahm er Aiden in die Arme und gab ihm einen Kuss auf die noch verstrubbelten Haare. So wie er es schon immer getan hatte, als Aiden noch ganz klein war.
Aiden nickte, er fühlte sich wirklich sehr ausgeschlafen, dann zeigte er auf seine Wange, wo ihn Gabriel geküsst hatte und schaute fragend zu seinem Großvater auf.
"Ja, ich habe es auch schon gemerkt. Er hat heute Morgen einige Blätter unbewusst aufgewirbelt, als er mich begrüßte."
"Ist das schlimm?", fragte Gabe plötzlich sehr unsicher.
Nein, das heißt nur, dass du ein ungewöhnlich starker junger Geist bist. Normalerweise können Geister erst nach vielen Jahren physischen Einfluss auf die normale Welt nehmen, erklärte Aiden ihrem Geist.
Der nickte verstehend. Aber er wunderte sich schon ein bisschen, denn so was Besonderes war er doch gar nicht.
"Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich mich hier so wohl fühle."
Mit diesen Worten schwebte er weiter in den Raum hinein, drehte sich um sich selbst und lachte.
"Ich liebe Bücher über alles. Und hier gibt es so viele und auch so schöne alte."
Dann kam er plötzlich ganz nah an Aiden heran.
"Außerdem bist du ein ganz lieber Mensch, der mir hilft, ohne etwas dafür zu wollen. Ich muss dich doch nachts beschützen, wenn du schon wegen mir im Dunklen unterwegs bist."
Aiden senkte den Kopf, um seine leichte Röte zu verbergen. Es war doch selbstverständlich, dass er Gabe half, wo er konnte. So wie es sein Großvater schon immer getan hatte und davor dessen Großväter auch. Doch Grandpa hatte schon vor einiger Zeit die Aufgabe an Aiden abgegeben, weil er einfach nicht mehr die Energie aufbrachte, tagsüber in seinem Laden zu sein und zwischendurch Geistern zu helfen. Aiden machte dies nichts aus, er half gerne.

***

"So, Aiden, du gehst jetzt erst mal Frühstücken. Das hast du sicherlich noch nicht, so wie ich dich kenne", sagte William und schob seinen Enkel wieder Richtung Treppe.
"Und nimm Gabe mit. Er ist so aufgeregt, dass er mich hier unten ganz durcheinander bringt", lachte er dann noch, da ihn dieser gleich schmollend anguckte.
Was für ein frecher Geist! Normalerweise waren Geister eher verzweifelt oder sehr ernst. So ein aufgeweckter Geist wie Gabriel war William noch nie begegnet. Doch er freute sich, dass dieser hier war. Es waren zwar erst wenige Tage vergangen, seit er hier auftauchte, aber seitdem hatte er Aiden viel mehr lächeln sehen. Zwar war es schade, dass Gabriel in so jungen Jahren zu Tode kam, doch Aiden half es vielleicht, wieder ein wenig mehr Spaß am Leben zu finden.
Seine Gedanken wurden von dem kleinen nostalgischen Windglockenspiel an der Tür unterbrochen. So wendete er sich wieder der Arbeit zu und kümmerte sich um seinen neuen Kunden.

...


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