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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 16: Schmerzliche Entscheidung "

 


Aiden merkte gar nicht, wie er zwischen den Jungs der Band hinaus aus der Halle geschoben wurde. Er war aufgeregt, euphorisch und noch immer in dem gerade erlebten gefangen. Er wusste sich nicht anders auszudrücken und so quasselte er unentwegt auf Gabe ein. Der Geist konnte über so viel Enthusiasmus nur Lachen.

Dann wurde Aiden plötzlich an den Schultern gefasst und Reece zog ihn fest an sich.
„Na! War super, nicht? Wie hat es dir gefallen?“ Aiden nickte heftig und Gabe nutzte das enge Menschengewühl und schob sich näher, in Aiden hinein, und lehnte sich dichter an Reece. „Super“, bestätigte er. Die Augen blitzten kurz blau auf.

Reece lachte, wuschelte Aiden durch die Haare und zog ihn weiter mit sich nach draußen auf den Parkplatz, bis sie Daniels Skoda erreicht hatten. Hier wollten sie auf Brooke warten, um gemeinsam zur Band-Halle fahren zu können. Aiden musste auch den anderen noch mehrmals bestätigen, dass es ihm außerordentlich gut gefallen hatte und er auch weitere Spiele besuchen würde.

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis Brooke zu ihnen stieß. Die Mädels hatten ihren Sieg gleich kräftig begießen wollen und Brooke als Captain musste natürlich mit allen anstoßen. Nach den ersten Schlucken Sekt konnte sie sich dann doch loseisen, nicht ohne ihr Team für heute Abend noch zum Konzert einzuladen. Sie sagte also Reece ein paar mehr Gäste für ihren Auftritt an. Dann endlich konnten sie fahren. Sie quetschten sich alle gemeinsam in den Octavia, indem Jackie wieder in den Kofferraum verbannt wurde. Dort durfte er diesmal mit Reece‘ riesiger Tasche kuscheln, hatte aber auch einen Kasten frischen Bieres dabei. Aiden war es unangenehm, dass der junge Asiate wegen ihm dahinten eine unbequeme Fahrt hatte, doch als er sich selbst anbot, wurde er rigoros auf die Rückbank geschoben.

Daniel fuhr noch bei einem Bäcker vorbei, bevor er die Halle ansteuerte. Bis zum Auftritt hatten sie noch ein wenig Zeit. Nach Kaffee, Kirschtee für Aiden und einem super leckerem Streuselkuchen verschwand Brooke erst einmal für längere Zeit im Bad mit kleiner Dusche. Sie machte klar, dass der Zutritt ab jetzt für alle verboten wäre, bis sie fertig sei. Ohne Ausnahme. Die Jungs neckten sie, wenn sie Hilfe bräuchte, sie müsse nur rufen, sie würden ihr trotzdem gerne helfen. Sie ließ sich jedoch nicht weiter ärgern und schritt mit einem großen Handtuch und ihrem Bühnenoutfit hoheitsvoll davon.

Reece gönnte allen noch ein paar Minuten bis der Kaffee alle war, dann scheuchte er seine Jungs auf zum Bühnenaufbau. Die Instrumente mussten ordentlich hergerichtet, sowie die Elektronik und Soundanlage nochmal geprüft werden.

Aiden stand auch mit auf, doch Reece hielt ihn sachte am Arm zurück.
„Würdest du das Geschirr noch machen?“, bat er ihn. Da sich Aiden den ganzen Tag schon lecker durchgefuttert hatte, nickte er. Das war kein Problem. Viel Arbeit auch nicht, das war in wenigen Minuten erledigt. Reece lächelte dankbar und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange, während er sachte mit den Fingern über die andere Seite streichelte. Dann war er nach draußen verschwunden.

Aiden stand eine lange Weile am Tisch und starrte gedankenverloren vor sich hin. Eine Hand hat er auf die Wange gelegt, die Reece so sanft gestreichelt hatte.
„Na, siehst du? Er mag dich“, flüsterte Gabe leise neben Aiden und holte ihn wieder in die Realität zurück. Aiden blickte seinen glücklich lächelnden Geist an und seufzte auf. Wollten sie heute nicht nur mit Freunden unterwegs sein? Und jetzt fing Gabe schon wieder damit an. Willst du nicht Reece draußen etwas ärgern?, fragte er ihn. Gabe legte den Kopf schief und blickte Aiden fragend an. Dann nickte er und ohne ein weiteres Wort verschwand er.

Verwirrt schaute Aiden an die Stelle, wo Gabe gerade noch war. Er hatte sich noch nie vor ihm so plötzlich in Luft aufgelöst und schon gar nicht ohne Wiederworte. War er jetzt sauer auf ihn? Aiden wusste, dass der Geist nur sein Bestes wollte und er schickte ihn weg. Aber merkte Gabe denn nicht, dass Reece nur seinen kleinen Bruder in Aiden sah? Aiden mochte Reece, aber er wollte nicht ein Ersatz sein und Reece sollte jemanden finden, den er wirklich liebte, um dessen eigenen Charakters wegen. Das Beste wäre – ja, das Beste wäre, wenn er wieder aus Reece‘ Leben verschwinden würde, so sehr er ihn und dessen Freunde auch mochte.

Aiden ließ Wasser in die Spüle ein und stapelte Tassen und Teller schon mal daneben. Den restlichen Kuchen verpackte er in eine Plastikbox, die er im Schrank gefunden hatte. Als er die wenigen Teile aufwusch, bemerkte er Feuchtigkeit auf seinen Wangen. Er wischte sich die Tränen unwirsch weg und räumte nur wenige Minuten später die letzte Tasse in den Schrank.

Als er hinter der Bühne hervor in die Halle spitzte, sah er bereits viele Menschen. Die Bühne war fertig aufgebaut und die Band bereit. Am Eingang sah er noch Brooke und Liam am Tisch sitzen, die zwei letzte Gäste kassierten und stempelten. Gabe schwirrte zwischen ihnen herum und hatte seinen Spaß. Er würde Gabe noch nichts sagen. Er sollte selbst entscheiden, ob er bei Reece bleiben oder doch zu ihm ins „Antiques“ kommen wollte.

Ungesehen verschwand er wieder nach hinten, wo er sich durch die kleine Tür des Bürotraktes davonschlich. Er blickte noch einmal zurück, als schon die ersten Töne anklangen. Dann ging er davon, mit schmerzendem Herzen.

...


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