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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 15: Teddy Bear Toss"

 


Obwohl Gabe ja ein Geist war, machte er sich über Nacht fürchterlich breit im Bett. Aiden wurde immer weiter an den Rand gedrängt und hätte er nicht die Decke so um sich geschlungen, wäre er schon längst aus dem Bett gefallen.

Als am Morgen der Wecker klingelte, zum Glück nicht so früh wie während der Woche zu einem Unimorgen, griff er hinter sich, erwischte den Wecker zwar, aber hing so weit auf der Kante, dass er nun doch fiel. Mit einem dumpfen Laut landete er auf dem Boden und stieß sich den Kopf am Nachtschränkchen.

Au…, rief er und weckte damit Gabe. Dieser hatte tatsächlich geschlafen und war noch etwas durcheinander, als er zu sich kam.
"Aiden?! Was machst du da?", gähnte er über den Bettenrand hinweg.
Du hast mich aus dem Bett geschmissen, klagte Aiden seinen Geist an.
"WAAAS? Aiden, ich würde dich niemals aus dem Bett werfen. Dafür mag ich dich doch viel zu sehr. Na komm. Ist noch alles dran?" Er kam zu Aiden auf den Boden und untersuchte sachte die kleine Beule am Kopf. "Das wird schon wieder."
Hmmm… ich glaube, ich mache mir erst mal einen Tee, rappelte Aiden sich auf und schlappte in die Küche hinab.

Was für ein Morgen. Wenn ein Tag schon so anfing, dann konnte es ja nur noch besser werden. Aiden kochte sich seinen Tee, duschte und machte sich tagesfein. Beim Toast fiel ihm dann noch etwas ein.
Gabe, hast du wirklich geschlafen? Bist du müde? Wie fühlst du dich? Das verwirrte Aiden. Geister schliefen nicht. Andererseits waren sie auch nie durchgehend präsent. "Schliefen" sie, wenn sie nicht zugegen waren?
"Ich fühle mich gut. Gestern Abend war ich etwas platt, aber es fühlte sich nicht wie Müdigkeit an. Eher wie, na ja, energielos."
Energielos? Also brauchst du wirklich "Schlaf" oder "Zeit zum Energie tanken"… Wir fragen gleich mal Grandpa, murmelte er nachdenklich in sein Erdbeertoast. Denn außer, dass er Gabe noch besser spüren konnte, ja fast schon keinen Unterschied zu einem normalen Menschen fühlte, wirkte Gabe nicht verändert.

***

Schon von früh an war viel los im "Books, Arts & Antiques". Als Aiden die Treppen herunterkam, waren zwei Besucher da, die sich nicht nur umschauen wollten.

William hatte für die junge Frau ein zwar nicht sehr altes, dafür aber wunderschön verziertes Exemplar von Goethes Faust besorgen können. Sie war hellauf begeistert und nach einem neugierigen Nachfragen, für wen das Buch denn sei, erzählte sie, dass es ein Geschenk für ihren Vater zum 50. Geburtstag war.

Für den älteren Herrn konnte William eine der ersten Druckausgaben von Shakespeares Hamlet bei einer Versteigerung ergattern. Es war keinesfalls ein Schnäppchen, doch der Herr war ein leidenschaftlicher Sammler des britischen Schriftstellers und konnte es sich auch leisten. Er war ein jahrelanger Stammkunde des Buchhandels.

So konnte Grandpa Wil bereits am zeitigen Morgen zwei sehr zufriedene Kunden verabschieden und machte dem "Books, Arts & Antiques" erneut alle Ehre, jedes Buch besorgen zu können, welches sich ein Kunde wünschte.

Erst zum Mittag wurde es ruhiger. Aiden hatte ein kleines schnelles Menü mit Geflügelsticks und Gemüse gekocht und zum Nachtisch einen Pudding gezaubert, das sie einfach im Geschäft an der Theke essen konnten. Dabei hatten sie endlich ein wenig Zeit, um über Gabes Müdigkeit zu sprechen.
"Und jetzt fühlst du dich aber ausgeruht?", fragte William den Geist, der auf einem niedrigen Regal herumlungerte, wo er einen bunten Käfer entdeckt hatte und diesen auf seinem Finger balancierte.
"Jap", antwortete er und beobachtete das glänzende Insekt, was nicht so recht wusste, wo es hinwollte.
"Weißt du, Gabe, du bist etwas Besonderes", holte William den Geist zu sich an die Theke heran. Der Käfer krabbelte nun zwischen ihnen auf dem Tresen und steuerte das helle Fenster an.
"Ich habe nie solang einen Geist bei mir gehabt. Normalerweise tauchen sie auf, bitten um etwas, und wenn es erledigt ist, sind sie verschwunden. Andere Geister, die so in der Stadt umhergeistern und keine Hilfe wollen, sind auch nicht immer zu sehen. Ich denke, dass du deine Energien wieder "aufladen" musst, so wie wir Menschen schlafen. Immerhin verbrauchst du ja auch Energie. Seid du bei uns bist, warst du immer wach. Und ihr erzähltet von der Bandprobe gestern. Was hast du da gemacht?"

Völlig unschuldig dreinblickend, berichtete Gabe vom gestrigen Abend. Schmunzelnd hörte William zu. Anderes war von diesem Geist nicht zu erwarten gewesen.
"Du hast also viel Einfluss auf die physikalische Welt genommen", umschrieb William sachlich das Treiben. "Das wird dich erschöpft haben. Andere Geister würden in die Zwischenebene unserer Welten verschwinden. Du dagegen hast hier geschlafen."
"Und zwar ausgezeichnet. Aidens Bett ist so gemütlich mit der tollen Daunendecke. Und man kann sich auch so gut an ihn ankuscheln", demonstrierte Gabe und hing sich kichernd an Aiden, der doch eigentlich nur seinen Pudding genießen wollte.

Sie wurden von dem Windspiel an der Eingangstür unterbrochen. Es war Reece. Pünktlich wie versprochen, wollte er Aiden und Gabe zum Eishockeyspiel der York Devils[1] abholen. Er trug locker über eine Schulter geworfen eine volle Campomaggi Lavaggio Stone Reisetasche. Dazu hatte er feste Boots an, eine dunkelbraune Lederhose mit Schnallen an den kompletten äußeren Beinseiten hinunter und ein zerschlissenes sandfarbenes Shirt unter einer zur Hose passenden Weste. An Armen und um den Hals trug er Lederbänder. Die Augen waren dunkel geschminkt und die Haare kunstvoll gestylt. Das war Reece in komplettem Auftritts-Outfit! Und es sah cool aus!

Aiden merkte, dass er starrte. Wie viele Outfits hatte Reece? Das ist ja schon das dritte, das er an ihm sah und es war das tollste von allen dreien. Es war durch die helleren Erdfarben nicht so düster und doch wirkte es stark. Es erinnerte ihn fast ein wenig an einen modernen urbanen Indiana Jones. Nur der Hut und die Peitsche fehlten.

Reece brummte einen Gruß heraus, gab Aiden einen Kuss auf die Wange und schaute hungrig auf die Reste vom Mittag. Während Reece mit Geflügel, Gemüse und Pudding versorgt wurde, fragte William nach, was es mit dem Outfit auf sich hatte. Auch er wunderte sich; war doch nur vom Spiel die Rede gewesen.

"Na, heute ist Samstag. Wir haben heute Abend wieder einen Auftritt. Wir machen beim Spiel ein wenig Eigenwerbung. Da Brooke im Team spielt, haben wir ne Sonderregelung mit dem Halleneigentümer", grinste Reece. "Die Jungs kommen auch in ihren Bühnenklamotten. Ach, da habe ich was für dich dabei, Aiden", rief er und war ungewöhnlich aufgeregt. Er hockte sich zu seiner großen Tasche, kramte ein wenig darin herum und zauberte plötzlich einige T-Shirts hervor. Als er eines davon entfaltete, sah man den Namen der Band in stilisierten blau-weiß-schimmernden Buchstaben. Dahinter war ein Feuerdämon mit gewundenen Hörnern, Schwanz mit Dreiecksspitze und reißenden Klauen dargestellt. Flügel und Haare waren Flammen.

"Ich habe zwei Größen dabei. Auch als Pullover. Würdest du es tragen heute und ein wenig Werbung mitmachen? Gefällt es dir überhaupt?"

"Woah!!! Das sind die T-Shirts!", rief Gabe begeistert. "Die habe ich noch mit kreiert. Der Dämon ist von mir! Bitte Aiden. Du musst die anziehen!!!"
Der Geist war aufgeregt und strahlte. Wie könnte Aiden da Nein sagen, wenn er derart gebeten wurde? Doch eines störte ihn doch ein wenig.
Gabe, es ist schwarz…
"Ja, Mensch, Aiden. Das ist ne Metal-Band. Klar ist es schwarz."
Ich mag kein Schwarz. Reece hat heute auch kein Schwarz an. Und es sieht toll aus. Trotzdem sieht man, dass er keine deutsche Volksmusik macht.
Gabe versuchte sich wohl gerade Reece vorzustellen, wie er solche ihm derart fremde Musik machen würde - er verzog das Gesicht und lachte gleichzeitig.

"Ähm, was is' denn?", wurden sie von Reece unterbrochen, der auf eine Antwort wartete und nur sah, dass Aiden anscheinend mit Gabe diskutierte. Nur sprach Aiden ja nicht und Gabe sah und hörte er nicht. Grandpa Wil antwortete für ihn.
"Es ist schwarz", sagte er und lächelte dabei entschuldigend. Er hatte nur übersetzt. Seine Meinung war hier nicht gefragt. Aber wie Gabe schon sagte, es war eine Metal-Band. Da waren Klamotten schwarz. Andererseits wusste er, dass Aiden mit der Farbe nicht so gerne zu tun hatte.

"Ach so", winkte Reece lachend ab, kramte nochmal in der Tasche und holte ein Shirt in hellem Anthrazit hervor. Mit gleicher Schrift und Dämon.
"Ich habe schon gemerkt, dass das nicht so dein Ding ist und habe es für dich in hell nochmal drucken lassen. Aber es gefällt mir genauso gut." Und schon hatte Aiden zwei Größen Shirt und Kapuzenpullover in der Hand. Und während er sich oben einmal umzog, konnte Reece sich endlich dem restlichen Mittag widmen und unterhielt sich ein wenig mit William.

***

Aiden stand vor seinem Spiegel und beguckte sich im Demon-Shirt. Es war ein super Design und eine schöne helle Farbe. Doch es war zu eng. Zwar war er eher etwas zu dünn, das sagte ihm seine Familie häufiger, aber er mochte lieber weite Klamotten. Da konnte man sich gut verstecken. Er wollte es sich gerade wieder ausziehen, um sich das größere T-Shirt zu nehmen, als Gabe bei ihm auftauchte.
"Das sieht so toll aus, Aiden! Lass es an!"
Es ist zu eng, grollte er.
Gabe kam näher, umarmte ihn von hinten und strich aufreizend über Aidens Brust und weiter hinunter zum Bauch. Dabei schnurrte er ihm ins Ohr.
"Du siehst sexy aus in so einem engen Shirt."
Verdammt, Gabes Berührungen waren so stark, dass es Aiden einmal prickelnd durch den gesamten Körper rieselte.
Gabe, hör' doch auf. Wen interessiert das denn? Wichtig ist doch, dass man den Namen lesen kann.
"Wen das interessiert?", lachte Gabe. "Aiden, da unten vertilgt grad ein hungriger Vampi dein Mittagessen. Ich glaube, den interessiert es ganz sicherlich."
Der freut sich heute mit dir das Spiel sehen zu können, Gabe. Und ich freue mich, mit tollen Leuten etwas machen zu können, wovon einer sogar mein Geheimnis kennt.
Gabe konnte es nicht glauben. War Aiden wirklich so naiv? Schien so. So heftig, wie er auf seine Berührungen eben reagierte, kannte er solche Zweisamkeit wohl wirklich nicht. Es war schade. Gerade Reece war so gut beim Streicheleinheiten verteilen, wenn man ihn ließ. Er nahm Aidens Gesicht zwischen seine durchscheinenden Hände und schaute in zweifelnde Schokoladenaugen.
"Reece ist heute vor allem wegen dir da, Aiden. Dass ich dabei bin, ist ein Super-Extra-Bonus. Das kannst du mir ruhig glauben."

Damit gab er Aiden einen sanften Kuss auf den Mund, freute sich diebisch über den völlig ungläubigen Ausdruck, aber wartete irgendwelche Wiederworte gar nicht erst ab, sondern scheuchte einen vom Kuss noch verwirrten und wehrlosen Aiden in seine schwarze Jeans mit der Doppel-Gürtel-Variante vom letzten Auftritt. Im Bad wurde er auch wieder frisiert.
"Wir gehen in den nächsten Tagen mal einkaufen. Wir suchen dir eine schicke, einfache Lederhose und ein paar feste Boots. Außerdem brauchst du einen Eyeliner für deine schönen braunen Augen."

Aiden blickte in den Spiegel. Es war nach wie vor ungewohnt für ihn, sich so herauszuputzen und was Gabe da erzählte, konnte er auch nicht glauben.
Gabe brauchte Aidens Gedanken gar nicht bewusst zu lesen, er konnte ihm all die Zweifel ansehen. Er umarmte ihn noch einmal, diesmal einfach liebevoll, und lächelte ihm im Spiegel zu.
"Glaube mir, Aiden. Ich möchte dich beschützen und für dich da sein. Dazu gehört es auch, dich glücklich zu sehen. Und wenn es dazu nötig ist, dass wir mal einkaufen gehen, dann mache ich das sehr gern. Keine Sorge. Es wird gut aussehen. Wir übertreiben nicht und wenn es dir nicht gefällt, kaufen wir es auch nicht. Und alles andere, Aiden, wird sich von selbst fügen. Ich weiß, ich bin manchmal zu überstürzt. Also für heute nehmen wir uns einfach vor, einen tollen Tag mit tollen Freunden zu haben."

Ja. Das klang nach einem guten Plan. Aiden nickte erleichtert dazu und zog sich für die Eishalle noch den neuen Pullover übers Shirt, bevor sie wieder nach unten in den Laden kamen.

***

Reece hatte alle Reste vom Mittag spurlos vernichtet und freute sich über Aidens Entscheidung, wirklich Pullover und Shirt der Band zu tragen. Er verstaute alles andere wieder ordentlich in seiner großen Tasche und schulterte sie, bereit zum Aufbruch.

William wünschte ihnen einen schönen Tag und nahm Reece das Versprechen ab, beide wieder wohlbehalten zu Hause abzuliefern. Reece nahm es sehr ernst und versprach, zumindest Aiden sicher wieder herzubringen. Für Gabe konnte er nicht garantieren, wusste er ja nicht, wo der Geist sich herumtrieb. Gabe ließ ausrichten, dass er sich immer an Aiden halten würde, wie ein Schatten auf Schritt und Tritt.

Wieder allein im Laden, räumte William das benutzte Geschirr nach oben in die Küche. Als er wieder nach unten kam, entdeckte er das bunt schillernde Insekt am Fenster. Er schubste es vorsichtig auf ein Blatt Papier und entließ es dann endlich ganz nach draußen, wo es freudig davon flog.

***

An der Eishalle war viel los, obwohl es nur ein kleines Freundschaftsspiel war. Aiden war solches Menschengewühl nicht gewohnt und hielt sich immer direkt hinter Reece, der durch sein Auftreten, sowie der breiten Tasche reichlich Platz schaffte. Sie kamen nur langsam voran. Tatsächlich führten Reece' Klamotten und Aidens dezent platzierte Werbung zu etlichen Nachfragen. Reece hatte in weiser Voraussicht ein paar kleine Flyer in der Weste versteckt und verteilte sie enthusiastisch. An einem Durchgang sah Aiden dann sogar ein Plakat von der Band hängen, mit Brooke im Vordergrund.

Sie kämpften sich also langsam aber stetig bis zu den Sitzreihen durch und trafen dort auf den Rest. Jackie, Daniel und Liam hatten sich schon häuslich eingerichtet mit Getränken, Fahnen und Knabberzeug. Sie waren wirklich alle in ihren speziellen Outfits gekleidet und wirkten dadurch auffallend anders zu den vielen weiteren Gästen. Vor allem Jackie wirkte in seinem J-Pop-Design sehr fremdartig und erst auf den zweiten Blick erkannte Aiden den kleineren Asiaten bewusst und auch nur, weil er ihn schon in Alltagsklamotten, sowie auch in seinem Bühnenoutfit kennengelernt hatte. Aiden wurde herzlich begrüßt, besonders da er mit dem Pullover für eine riesige Überraschung sorgte.
"Hey. Endlich sind die Shirts fertig. Dass die aber auch immer so lange brauchen bei der Druckwerkstatt."

Jeder wusste, dass Reece aufgrund des Unfalls die Shirts nicht hatte drucken wollen, weil der Dämon ihn einfach zu sehr an seinen Bruder erinnerte. Trotzdem war es leichter, dem Printshop die Schuld zuzuschieben. Umso mehr freuten sich alle, dass Reece sich endlich durchringen konnte.

Die Jungs lobten Aidens tollen Geschmack in Sachen Kleidung und Styling und nur wenig später fand er sich zwischen ihnen wieder, mit einer Cola versorgt. Reece war verschwunden, tauchte aber bald mit warmen Hotdogs für alle auf. Zwar hatten sie gerade im Buchhandel gegessen, doch schien dies ein festes Ritual zu sein. So war man also vor dem Spiel mit allem gut versorgt.

Über all das Neue hatte Aiden seinen Geist vergessen. Erst jetzt, als er vorsichtig von seinem Würstchen abbiss und man gespannt auf den Spielbeginn wartete, fiel ihm ein, dass er Gabe schon eine Weile nicht mehr neben sich hatte.
Gabe, wo stellst du grad wieder Unfug an?, fragte er in den Raum hinein und hoffte, ihn damit zu erreichen. Gabe rief zu ihm zurück, dass er nie nimmer keinen Unfug anstellen würde und winkte ihm lachend von der noch leeren Eisfläche zu. Das hatte er sich schon immer mal gewünscht. Einfach so aufs Eis zu gehen und seine Runden zu drehen. Er geisterte über das Eis und drehte ein paar Pirouetten. Aiden freute sich für ihn, erschrak aber, als Gabe plötzlich wegrutschte und haltlos auf die Bande zuschlidderte. Es passierte nichts, nur Gabe verschwand durch die Wand. Wenige Minuten später kam er neben Aiden wieder heraus und lachte aufgedreht.
"Das war toll! Jetzt kann auch Brooke kommen. Ich habe sie schon besucht. Sie wärmen sich gerade noch in der Kabine auf." Damit drängelte sich Gabe zu Reece auf die Bank, der weiter drüben saß und ließ Aiden zwischen Liam und Jackie allein.

Und wirklich, es dauerte gar nicht mehr lange und die Mannschaften kamen heraus. Brooke war sofort erkennbar. Ihre weißen Haare strahlten nur so, ansonsten sahen alle Mädels unter den unförmigen Schutzausrüstungen gleich aus. Nur Brooke hatte noch ein großes "C" auf ihrem Trikot, das sie als Captain ihrer Mannschaft auszeichnete. Die Halle jubelte auf, als sich die Spielerinnen begrüßten, den Gästen zuwinkten und sich dann auch schon gleich auf Position stellten. Der schrille Pfiff gab den Start. Und natürlich war es Brooke, die als Stürmerin sofort Attacke machte.

Aiden hatte noch nie ein Spiel gesehen und hätte auch nicht gedacht, dass es ihn so fesseln konnte. Da er so gar keine Ahnung von den Regeln und Besonderheiten hatte, wurde er von den Jungs immer gleich aufgeklärt. Gerade Liam konnte ihm als Sportstudent auch genauere Details erläutern und schien damit in seinem Element. Wie sich dabei herausstellte, spielte er selbst längere Zeit in der Jugendmannschaft, bis ihm sein Studium und die Band die Zeit für ein vernünftiges Training raubte.

Das Spiel war nicht einfach. Für keine der Seiten. Die Mädchen hatten echten Kampfgeist und um jeden Punkt wurde hart gerungen. Nach den ersten beiden Spielzeiten stand es Unentschieden. Die Pause zog sich quälend langsam hin, nicht nur die Spielerinnen hatten Adrenalin im Blut, auch die Zuschauer waren heiß.

Lautes Johlen kündigte die letzte Runde an. In lautem Rhythmus schlugen die Hockey-Schläger auf das Eis. Die Gegner feuerten sich gegenseitig an. Das Spiel verschärfte sich zusehends. Die Attacken waren aggressiver. Die Rufe lauter und dominanter. Die Bodychecks wurden härter; mit Sicherheit hatte die ein oder andere danach blaue Flecke. Aiden fieberte mit. Natürlich wollte er, dass Brookes Mannschaft gewann. Mehrfach waren sie schon knapp vor dem Tor, konnten aber keinen Punkt erzielen.

Kurz vor dem Abpfiff gelang Brooke das Unmögliche. Sie drängte die Gegnerin seitlich etwas weg, täuschte mit dem Schläger einen Schlag nach links an, kickte aber den Puck mit dem Schlittschuh in die andere Richtung ihrer Angriffspartnerin zu. Der Trick sorgte für Verwirrung bei den Gegnern und brachte den York Devilsnach unten den entscheidenden Punkt.

Es dauerte einige Augenblicke, bis alle begriffen, was passiert war. Dann aber brach ein lauter Beifallssturm los. Die Halle feierte. Aber nicht nur die Fans der York Devils. Auch die anderen jubelten, freuten sich über das tolle Spiel und riefen ihrer Mannschaft aufmunternde Worte zu. Und es flogen Teddybären auf die Eisfläche. Aiden dachte, dass das eigentlich nur eine Tradition in Amerika sei und hatte sich schon immer gewundert, was die Spieler mit all den vielen Kuscheltieren anstellten. Jackie lachte und holte auch einen Teddybär aus der Tasche. Er reichte ihn an Aiden weiter und erklärte, dass die Kuscheltiere im Anschluss eingesammelt und an Krankenhäuser, Kinderheime oder Kindergärten gespendet wurden. Das war eine schöne Tradition und so warf auch Aiden begeistert das plüschige Tier aufs Eis…

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[1] York Devils - in York/ UK gibt es die York Devils gar nicht. Dieser Verein ist in den USA ansässig. Ich habe mir die schriftstellerische Freiheit genommen und den Verein mal eben nach England verschoben, da es vom Namen einfach zu gut passte. York ist sonst eher für seinen Fußball- und Pferderennsport bekannt.

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