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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 14: Bandprobe"

 


Als Aiden und Gabe an der Halle ankamen, standen alle noch draußen um Daniels schwarzen Skoda Octavia versammelt. Sie quatschten und tranken Bier. Aiden wurde sogleich entdeckt und freudig von allen heran gewunken. Er war ehrlich überrascht, dass alle sich so sehr freuten ihn zu sehen, hatten sie ihn doch erst einmal vor zwei Tagen am Abend beim Auftritt kennengelernt. Er dagegen kannte die Leute schon besser als sie es selbst vermuteten, immerhin hatten Gabe und auch Reece ihm bereits viel von der Band erzählt.

So begrüßte er die fröhliche Runde und nahm auch lächelnd von Reece einen Kuss auf die Wange entgegen. Ein bisschen wunderte er sich schon, dass die Band das so hinnahm, doch erklärte Gabe ihm, dass alle von Reece' Neigung wussten und auch Gabe stets so von ihm begrüßt worden war, sobald sie unter sich waren.
Welche Neigung?, fragte Aiden naiv.
Gabe guckte erst irritiert. Wollte Aiden ihn aufziehen? Doch der unschuldige Blick zeigte ihm, dass Aiden die Frage ernst meinte.
"Aiden, das erkläre ich dir, wenn du älter bist", lachte er dann doch. Es war ganz wunderbar zu sehen, wie bei Aiden erst der Groschen fiel und dann die Wangen sich rot färbten.

"Hey, alles in Ordnung?", wurde er auch gleich von Jackie gefragt. Der junge Asiate stand ihm direkt gegenüber und hatte seine ungesunde Gesichtsfarbe gleich erkannt. Sofort fühlte er die warme Hand Reece' auf seiner Schulter und auch seinen fragenden Blick. Er nickte heftig, dass alles o.K. war und versuchte den noch immer lachenden Geist neben sich zu ignorieren.

"Wie geht es dir denn sonst, Aiden? Konntest du dich wieder gut erholen von dem Abend?", fragte ihn Brooke. Er bestätigte und erinnerte sich, dass Gabe sie als eine große Schwester beschrieben hatte. Und genau das war sie auch. Sie hatte heute ihre weißen Haare hinten in einem geflochtenen Zopf gebändigt und war nicht geschminkt. So wirkte sie zwar nicht ganz so fremd wild, aber man erkannte trotzdem, dass sie eine starke und energische junge Frau war.

Sie plauderten noch ein wenig, bis Reece sie dann endlich in die Halle scheuchte.
"Auf. Wir haben viel zu tun. Mir sind ein paar neue Zeilen durch den Kopf gegangen", informierte er. Und so wie er es sagte, wussten alle, dass es mit den düsteren Texten vorbei war!

***

Aiden mochte es, bei der Probe zuzuschauen, zumal die einzelnen Bandmitglieder sich über einen Gast freuten. Er hatte es sich vor der Bühne auf einem alten, etwas ramponierten Sofa gemütlich gemacht und lauschte den ersten Klängen, als die Instrumente gestimmt wurden. Von Reece hatte er noch ein Bier mit Zitrone-Mix in die Hand gedrückt bekommen. Normalerweise trank er so etwas nicht, doch jetzt jetzt passte es irgendwie und es schmeckte ihm auch.

Gabe war am Anfang unterwegs. Er fühlte sich hier nach wie vor ganz wie zu Hause und war voller ausgelassener Freude, wieder hier sein zu können. Er durchstreifte die Halle, rief in den großen Raum hinein und wunderte sich, dass kein Echo kam. Als die Band ein altes Lied zur Einstimmung gespielt hatte und Reece seine neuen Ideen präsentierte, turnte Gabe mit über die Bühne. Entgegen Aidens Bitte hatte der Geist nur wieder übermütigen Schabernack im Sinn.

Er ärgerte Liam, den großen Sportlerstudent am Bass, indem er ihm ins Ohr pustete. Tatsächlich fühlte er den Luftzug und rieb sich ab und an das Ohr, verpasste dadurch die Einsätze.

Bei Daniel ließ er die Blätter auf dem Keyboard davonsegeln und verstellte dann ungesehen das Instrument. Plötzlich dröhnte Orgelmusik durch die Halle, statt des klassischen Klaviers.

Jackie hatte nach einem kurzen Toilettengang mit der Suche nach seinen Schlagzeugstöcken zu tun, und so blieb das Instrument stumm.

Nur Brookes Gitarre ging noch mit Reece' Melodie passend einher.

Reece bemerkte die Unaufmerksamkeit seiner Band, sah Aiden verstohlen Grinsen und holte zu einer Strafpredigt aus. Dabei war es ihm völlig egal, ob seine Band ihn jetzt für irre hielt.
"Jetzt ist es genug! Bei meiner Probe wird nicht gestört! Geh zu Aiden und ärger den, er scheint sich immerhin prächtig zu amüsieren." Er ließ seine spitzen Zähne blitzen und guckte grimmig zu Aiden hin, dass der sich an seinem Bier verschluckte. Wenn Reece es drauf anlegte, war er wirklich düster. Mit Lederoutfit, schwarz geschminkten Augen und cooler Frisur würde es noch um Längen besser wirken, aber Aiden war dieses hier schon genug. Er lächelte nur entschuldigend und zuckte mit den Schultern. War er für Gabes Unsinn verantwortlich? Nö!

Die Bandmitglieder waren verstummt und schauten verwirrt zwischen Reece und Aiden hin und her. Es war lauernd still. Zumindest für alle außer Aiden. Der hatte jetzt einen laut weinenden Gabe im Arm. Verwundert bemerkte er die glitzernden Tränen des Geistes, die sich sogleich in kleine Lichterfunken auflösten.
"Aiden, er liebt mich nicht meh-eh-eh-er", kuschelte sich Gabe näher heran und wirkte wirklich sehr geknickt.
Natürlich liebt er dich. Du hättest ihn nur nicht stören sollen. Ich hatte es dir gesagt. Und schau, jetzt muss er sich erklären.

Reece erklärte sich: er zuckte mit den Schultern und gab den nächsten Takt an. Ab dann lief es wie geschmiert.

Aiden blickte verträumt einige Zeit nur Reece an. Es war toll wie er sich auf der Bühne bewegte. Egal ob Probe oder Auftritt. Er wirkte wie ausgewechselt, völlig konzentriert und die Szene bestimmend. Wahrscheinlich bemerkte er seine Verwandlung selbst gar nicht.

Aber auch die anderen vier waren klasse. Jeder spielte sein Instrument professionell und mit Leidenschaft. Man sah ihnen die Freude an und wie gut sie alle zusammen harmonierten. Es bedurfte oft gar keiner Worte, ein Blick, ein Wink, eine gelupfte Augenbraue reichten meistens.

Aidens Bier war schon lange alle, als Gabe ihn in die Küche entführte. Hier eröffnete er ihm, dass er kochen solle. Aiden hatte da nichts gegen und nachdem er mit Hilfe Gabes die Vorräte geprüft hatte und für typische Nudeln mit Tomaten-Soße und Schinkenwürfel alles gefunden hatte, machte er sich ans Kochen.

Seit seinem Studienbeginn lebte er allein im "Antiques" und kochte für sich fast jeden Tag, und wenn er wollte auch für seinen Grandpa. Nudeln waren also keine Hürde und schnell zubereitet. Er vermutete, dass der Geruch die Band in die Küche lockte. Denn kaum war alles fertig, waren auch schon alle da.

Erst war stilles Schmatzen, dann wurde kräftig gelobt. Aiden wollte erst abwiegeln, doch bald nahm er gerne die Anerkennung an. Er hatte ja dafür im Gegenzug schöne Musik zu hören bekommen.

Reece wollte von ihm wissen, wie es ihm gefallen hatte und so, wie er das sagte, wollte er auch von Gabe wissen, ob es gut war. Aiden konnte dies nur ausführlich bestätigen. Er schaute Reece direkt an, und als sich für einen kurzen Moment die Augen blau färbten und Aiden dabei kräftig nickte, wusste Reece ganz sicher, dass es Gabe wirklich gefiel.

Sie schwatzten noch eine Weile, bis sich das Gespräch auf den Samstagnachmittag lenkte. Erstaunt hörte er, dass ein Eishockey-Spiel anstand. Und es war Brooke, die ihn fragte.
"Kommst du auch mit Aiden? Wir haben soviel trainiert. Ich würde mich freuen, wenn du bei dem Spiel meiner Mannschaft vorbei schauen könntest."
So erfuhr Aiden, dass Brooke der Star der York Devils Women war. Aiden interessierte sich nicht für solchen Sport, doch jetzt, wo er damit direkt konfrontiert wurde, fiel ihm auf, dass er auf Werbeplakaten für Hockey-Spiele immer einen Spieler in voller Montur aber mit weißen Haaren gesehen hatte. Das war Brooke! Er bewunderte sie immer mehr. Natürlich würde er kommen, so wie die restliche Band.

Reece versprach ihm, ihn rechtzeitig im "Antiques" abzuholen, so dass sie gemeinsam zur Eishalle fahren konnten.

So war der Samstag verplant und Reece beendete den Probenabend. Sie quetschten sich in den Skoda, indem Jackie in den offenen Kofferraum des Combis kletterte und fuhren zuerst Aiden nach Hause. Alle verabschiedeten sich von ihm und Reece gab ihm noch einen kleinen Kuss auf die Wange.

Aiden lächelte selig vor sich hin, als er in seine kleine Wohnung ging und sich noch einen Tee machte. Es war schön, Leute in seinem Alter zu haben, die ihn mochten und zu einer Probe oder einem Spiel einluden. Das war selten gewesen. Als Kind war er sehr in sich zurückgezogen, hatte mit sich und den seltsamen Dingen um sich herum zu kämpfen, auch wenn es für seine Familie nichts Neues war. Aber er war derjenige, der mit den Geistern kommunizierte, nicht seine Eltern oder seine Schwester. Nur sein Grandpa konnte ihn verstehen und helfen. Also war er die meiste Zeit im Buchhandel. Hier war seine Zuflucht. Es war eigenartig, doch bös gesinnte Geister hatten keinen Zutritt in das Gebäude. Es war sicher hier.

Während seiner Jugendzeit hatte er viel zu tun. Er lernte fürs Abitur, arbeitete aktiv im Buchhandel mit und war bereits viel unterwegs, um Geistern zu helfen. Freunde, oder neue Bekanntschaften, hatten da einfach keinen Platz. Dann kam der Zwischenfall, der ihm seine Stimme nahm.

Gabe kuschelte sich an ihn, als Aiden ihm von seiner Vergangenheit erzählte. Er hatte gemerkt, dass Aiden allein war. Dies hatte er schon erfolgreich geändert. Reece und die Band mochten Aiden und wollten ihn als Freund gerne bei sich haben. Und das andere würde der Geist auch noch deichseln.

Vorerst scheuchte er aber Aiden nun ins Bett, damit er für morgen ausgeschlafen war. Die Monsterdecke war wirklich riesig und für diese Nacht fand Gabe seinen Platz darunter.

...


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