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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 13: Pikantes Geheimnis"

 


Aiden schlenderten die Stonegate entlang.

Nachdem sich Gabe wieder von Aiden getrennt hatte und dieser sich soweit erholen konnte, wollten sie zurück ins "Books, Arts & Antiques". Aiden hatte Fragen, das konnte Reece ihm ansehen. Klar. Der Kuss war schon etwas, wo auch er nachfragen würde. Als Aiden ihn auffordernd anblickte, wurde er sogar etwas verlegen. "Später. Nicht hier im Park", versprach er, bevor sie aufbrachen.

Sie standen gerade bei der Pizzeria an, um sich eine Hawaii und eine Veggi mit extra Olive und für Aidens Grandpa eine Portion Pizzabrötchen mitzunehmen, als Reece fragte, ob er nicht nur zum Abendbrot, sondern auch noch eine ganze weitere Nacht bei ihm bleiben dürfe.

Gabe kicherte Aiden ins Ohr, dass er jetzt also entscheiden musste, ob er seine Monsterdecke mit jemanden teilen wolle oder nicht. Das brachte Aiden rote Ohren ein und ein verschämter Blick auf den Mosaikboden. Doch ohne lange nachzudenken, nickte er. Er fühlte sich mit Reece wohl. Aber musste er deswegen wirklich seine Decke teilen? Das würden sie noch ausknobeln müssen.

Mit duftenden Pappkartons in der Hand, enterten sie das "Antiques". Grandpa Wil hatte noch einen letzten Kunden vor Ladenschluss und winkte ihnen nur kurz dankbar zu, als Aiden ihm die lecker gefüllten Teigbälle hinlegte.

Mit ihren Pizzen, für Aiden einer großen Tasse frischem Kräutertee mit Gänseblümchen und für Reece einem stillen Wasser, machten sie es sich im Wohnzimmer gemütlich. Aiden schaltete den Fernseher ein und dimmte das große Licht, machte noch eine kleine Seitenlampe an. Damit war es plötzlich sehr romantisch, wie ihm Gabe ausführlich erklärte. Der Geist lümmelte sich zwischen Reece und Aiden mit auf die Couch und genoss das Kuscheln mit beiden, auch wenn Reece es gar nicht merkte.

Aiden fand seine Pizza Hawaii wie immer äußerst schmackhaft. Viel zu selten gönnte er sich so eine Leckerei. Doch schon bei der Hälfte war er bereits satt. Er konnte einfach nicht so viel auf einmal essen. Er schob den Rest ein wenig zu Reece rüber, damit er verstand, dass er sie gerne mitessen konnte. Doch weil es zu gut aussah, versuchte er doch noch ein Stück von Reece' Veggipizza. Sie war gut, aber dann lag er platt in seinen bunten Kissen und konnte sich nicht mehr rühren. Eigentlich bräuchte er statt Kräutertee nun einen Kräuterlikör, wenn er so etwas denn in seiner Wohnung hätte. Weil er aber kaum Alkohol trank, schon gar nicht allein, fand sich bei ihm kein einziger Tropfen Hochprozentiges.

So musste er sich Lästereien zu seinem dicken Bauch von Gabe anhören. Er fragte sich, warum er diesen Geist eigentlich so sehr mochte, wenn der ihn immer nur ärgerte. Dagegen war Reece umso liebevoller zu ihm und räumte bald die leeren Schachteln in die Küche und machte Aiden sogar noch einen Vanilletee, gab einen Klecks Honig dazu. Es war ungewohnt köstlich.

Nachdem es sich Reece auf dem Sofa wieder gemütlich gemacht hatte, stellte er den Fernseher leiser und begann wie versprochen mit dem Erzählen. Er holte weit aus und berichtete aus seiner Kindheit und Jugend. Er erzählte von Besuchen auf Skye, von seiner Band und den einzelnen Mitgliedern, wie sie sich alle gefunden hatten. Er erzählte von seinem Studium, von seinen Träumen für die Zukunft. Und er erzählte vor allem von Gabe. Wie sehr er seinen kleinen Bruder von Anfang an gemocht hatte, wie er auf ihn aufgepasst hatte und wie auch Gabe sich ihm immer mehr anvertraute. Es war pikant und ihr kleines Geheimnis, doch beide empfanden mehr als nur Bruderliebe zueinander. Erst waren es typische Alpträume gewesen, die Gabe nachts in sein Bett trieben, später, weil beide sich damit wohl fühlten.

Es begann mit einem sachten Guten-Morgen-Kuss, gefolgt von sanften Streicheleinheiten. Dabei war es Gabe, der schnell mehr forderte, gerne vieles ausprobieren wollte. Reece folgte gerne den Bitten, aber in seinem Tempo, und liebte es, Gabe auf so köstliche Art zu foltern, indem er ihn langsam in den Wahnsinn trieb. Doch den letzten Schritt hatten sie nie getan.

***

Aiden hatte Reece einfach nur zugehört, musste bei manchen Kindheitserinnerungen mitgrinsen, da es sich gar nicht so sehr von ihm und seiner Schwester unterschied. Auch die Zankereien waren dabei. Als Reece jedoch immer mehr die besondere Beziehung zu Gabe aufzeichnete und Gabe zwischendrin ganz ungeniert von seinen ersten heißen Nächten schwärmte, erglühte er.

Er knüllte eines seiner Kissen, da er gar nicht wusste, wie er seiner Gefühle Herr werden konnte. Das alles erklärte natürlich den Kuss im Park und die starken Gefühle der beiden zueinander.

"Ich hoffe, unser Geheimnis schockt dich nicht allzu sehr, Aiden." Aiden schüttelte heftig den Kopf, nahm sich seine Tasse und versteckte sich hinter dem Trinken. Was erwartete Reece jetzt von ihm? Was erwartete Gabe, der ihn aufmerksam beobachtete?
"Jetzt sag schon was!", forderte Gabe ihn auf.
Was denn?, fragte Aiden zurück.
"Na, lässt du Reece jetzt unter deine Monsterdecke, oder nicht?" Aiden verschluckte sich heftig und begann mit Husten.

Das löste die angespannte Situation. Reece lachte, da er ganz richtig vermutete, dass Gabe mal wieder was Ungezogenes von sich gegeben hatte. Er klopfte Aiden den Rücken und wartete, bis er sich wieder beruhigt hatte.

"Lass uns schlafen gehen, Aiden. Wir müssen morgen früh beide zeitig zur Uni." Dem stimmte Aiden zu und bevor Gabe ihn nochmal fragen konnte, zupfte er Reece am Shirt, ihm zu folgen. Reece freute sich, schnappte sich seine Übernachtungstasche und kam die Treppe nach oben ins Schlafzimmer nach.

***

Es hatte etwas gedauert, bis sich die beiden einig waren. Schlussendlich lagen sie Rücken an Rücken und die übergroße Decke reichte trotzdem. Aiden war sich sicher, kein Auge zumachen zu können, wenn er so dicht bei jemand anderen lag, doch es dauerte nur wenige Sekunden, nachdem sie sich zurecht gerangelt hatten, und Aiden schlief tief und fest.

Gabe lächelte sachte über Aidens Sträuben. Aber er würde es auch bald erkennen. Zufrieden machte er es sich in der Fensternische bequem, um die Nacht über zu wachen.

***

Aiden hatte eine wirklich erholsame Nacht hinter sich. Es war gar nicht schlimm, seine Decke zu teilen, hatte er doch wirklich gut geschlafen. Er stellte den Wecker aus und bemerkte erst dann, dass er an Reece gekuschelt aufgewacht war. Es trieb ihm eine gesunde Röte ins Gesicht, da er sich seiner Gefühle nicht klar wurde. Reece roch so gut. Er war gerne bei ihm, doch andererseits hatte Reece sein eigenes Leben mit seiner Band und seinem Studium. Und mit Gabe seine Liebe erst verloren und irgendwie doch gerade wieder gefunden. Da war für ihn kein Platz.

Er merkte, dass Reece selbst noch nicht wach war und stahl sich heimlich davon, um schon einmal ins Bad zu gehen.

Unter der Dusche fand er sich plötzlich Gabe gegenüber, der ihn fröhlich anlachte.
"Na, wie war die Nacht?", fragte er schelmisch nach, als er versuchte das Shampoo in Aidens Haaren mehr zum schäumen zu bringen. Aiden ließ sich ein wenig von den Geisterfingern den Kopf massieren.
Gemütlich, antwortete er. Aber warum hast du mir vorher darüber nichts erzählt, Gabe?
"Ich wollte dir nicht zu viel von uns erzählen, bevor wir Reece nicht von mir überzeugen konnten. Ich wusste nicht, wir du reagieren würdest. Du solltest möglichst neutral mit Reece reden können."
Neutral? Und da küsst du ihn?
"Nein! Du hast ihn geküsst!", lachte Gabe.

Dem Argument konnte Aiden nichts entgegen bringen. Aber es war ja doch Gabe gewesen, der die Chance genutzt hatte, seinem Reece wieder nahe sein zu können. Dabei hatte er unbewusst Aiden in ein Dilemma gestürzt. In Ratlosigkeit versunken, ließ er Gabe Duschgel auf sich verteilen, bis dieser Aidens Gedanken aufschnappte.
"WAAAS?! Nicht dein ernst. Du willst mich veralbern."
Nein, gestand Aiden leise. Es war wirklich mein erster Kuss.
"Na dann wurde es mal Zeit", war Gabes einziger Kommentar und ging einfach über Aidens Bedrängnis hinweg. Aiden verwirrte alles. Energisch schob er die Gedanken um Reece und seinen unfreiwilligen aber sehr geschmackvollen Kuss beiseite und stieg aus der Dusche. Der Tag konnte beginnen.

***

Reece kam irgendwann noch recht verschlafen in die Küche. Er bekam einen Guten-Morgen-Tee und bereits fertig gerösteten Toast mit Marmelade. Er genoss das kleine Frühstück vor dem anstehenden und anstrengenden Vorlesungen.

Vor dem Buchhandel trennten sie sich. Aiden musste zur St John University, Reece zur York University. Die beiden Unis lagen in entgegen gesetzten Richtungen.

Während Reece heute einen vollen Unitag hatte, war Aiden schon ab Mittag wieder im Laden zu finden. Zu Aidens Überraschung lud Reece ihn heute Abend zur Bandprobe ein. Erst zögerte er, doch freute Gabe sich so sehr, dass das Glück des Geistes und natürlich auch seine Neugierde ihn zusagen ließ.

Reece wirkte zufrieden und nach einem kurzen spontanen Kuss auf die Wange war er dann auch schon unterwegs. Sein Weg war länger und er musste sich sputen.

Aiden grinste wegen des Kusses vor sich hin und Gabe war happy, dass er die restliche Band wieder sehen würde. So marschierten sie gemeinsam glücklich zur Uni und verbrachten einen recht ruhigen Studentenvormittag.

Kurz nach Mittag war Aiden zurück im "Antiques". Zwischen der Arbeit und Kunden berichteten Aiden und Gabe Grandpa Wil die letzten Ereignisse. Die brisanten Details ließen sie aber aus.

Für Gabe wurde auch ein neues Buch hingelegt. Grandpa Wil wollte den Geist ein wenig ärgern und legte ihm eine kunstvolle frühe Druckausgabe der Ilias vor. Da hatte er sich in dem allesverschlingenden Bücherwurm getäuscht. Zufrieden machte Gabe sich über das Homer-Epos her.

Am zeitigen Nachmittag schlenderte Aiden zum Café hinüber, um für sich und seinen Großvater ein paar leckere Gebäckstücke zum Kaffee zu besorgen. Es war heute ein besonders ruhige Freitag, sodass sie ein wenig gemütlicher an die Arbeit gehen konnten.

Am Abend ließ Aiden sich wieder ein wenig von Gabe stylen, auch wenn er es diesmal nicht übertrieb. Es war ja kein Konzert, nur eine Probe. Wie gehabt nahmen sie den Bus so weit dieser fuhr und liefen die letzten hundert Meter zu Fuß, bis sie die Halle erreichten.

...


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