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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 10: Kleines Frühstück"

 


Aiden schüttelte die Gedanken, die sich bei Gabes neckenden Worten unweigerlich aufdrängten, energisch ab und trottete mit einem Handtuch ins Bad. Reece hatte das kleine Fenster geöffnet und die kühle Luft ließ Aiden frösteln. Er mochte die Kälte nicht, vor allem, wenn nebenan ein noch warmes, kuscheliges Bett wartete. Aber genauso wartete ein Reece, der sicher noch mehr über Gabe erfahren wollte. So schlüpfte er schließlich unter die Dusche, wusch sich die Haare zweimal, um auch das restliche Gel heraus zu bekommen und fühlte sich danach gleich munterer. Er föhnte sich gleichzeitig beim Zähneputzen die Haare und beeilte sich, frische Sachen anzuziehen.

Als er schon wenige Minuten später in der Küche erschien, wurde er von Reece gut gelaunt begrüßt, durch die Haare gewuschelt und von Gabe bekam er noch einen Kuss auf die Wange. Das kleine Radio in der Ecke spielte leise die aktuellen Charts.
"Guten Morgen, Aiden. Was möchtest du zum Frühstück? Ich habe deine kleine Küche schon inspiziert. Ist Toast oK? Du musst mir nur den Tee geben, den du möchtest."
Aiden ließ sich von Reece' breitem Lächeln anstecken, nickte ihm zu und suchte sich für diesen guten Morgen einen frischen Weißtee mit Pfirsich heraus.
Während Reece neuen Toast mit Erdbeer- und Orangenmarmelade für Aiden vorbereitete und ihm schon den aufgebrühten Tee hinschob, schwebte Gabe neben dem Minitresen und schwatzte munter aus der Vergangenheit. Gerne erzählte er Aiden, wie sehr Reece es mochte für ihn und die Familie das Frühstück zu machen. Über die Woche natürlich einfach mit Toast und Marmelade, aber an Wochenenden liebte er es deftig. Dann ließ er sich Zeit und bereitete ein full scotish breakfast zu. Da gab es ham & eggs, sausages, baked beans, black pudding und haggis. Nur auf die gegrillte Tomate konnte er gerne verzichten. Wenn ihre Mutter Zeit hatte, backte sie manchmal noch fruit loaf. Und ihr Vater hatte eine Schwäche für warmen porridge mit frischem Apfelzimt-Kompott. nach unten
So erfuhr Aiden noch ein wenig mehr über die Familie MacLeod. Nein! MacLeod of Harris!
"Mein Vater besteht auf den vollen Namen", lachte Gabe. "Er hat nur für unsere Mutter seine Heimat verlassen. Er ist stolz einem Clan anzugehören, dessen Stammsitz heute noch von unserem Chief bewohnt wird. Außerdem wurde er in Dunvegan geboren, ist dort aufgewachsen und hat im Dunvegan-Hotel gearbeitet bis ihm Mom über den Weg lief. Aber seine Eltern, Geschwister und weitere Familie leben alle noch dort. Wir haben sie bisher regelmäßig besucht. Es ist wunderschön auf Skye", schwärmte Gabe und sah gedankenverloren aus dem kleinen Fenster in den Himmel.

Aiden musste über Gabes enthusiastischen Bericht lächeln und hätte gerne noch mehr erfahren, doch er ließ ihn träumen und widmete sich seinem Frühstück. So schaute er zu, wie Reece in seiner Küche räumte und werkelte als wäre er hier bereits zu Hause. Er bekam zwischendurch noch einen Traubensaft eingeschenkt und warmen frischen Toast nachgereicht.
Es fiel ihm immer noch schwer den Reece von Nachts - in Lederoutfit und voller Adrenalin auf der Bühne - mit dem Reece vom Tag - ruhig und in einfacher heller Kleidung - als eine Person zu sehen. Doch die Eckzähne waren dieselben. Etwas länger als gewöhnlich und sie passten ganz hervorragend zu ihm, genauso wie die tiefe Stimme. Aiden hörte sie gerne, egal ob er sang oder einfach nur mit ihm sprach.

Bald hatte Aiden seinen Toast verputzt und trank nur noch seinen Tee und überließ es Reece sein Geschirr gleich mitzuspülen, lächelte ihn dankbar an.

***

Reece stellte noch die letzten Teller in den Schrank zurück und wischte die Arbeitsfläche sauber. Er hatte überlegt, wie er Aiden bitten könnte ihm mehr über Gabe zu erzählen, wusste aber nicht, wie er das Thema beginnen sollte. Außerdem wollte er nicht einfach nur reden und Aiden dann nie wieder sehen. Er mochte ihn und dass ihr Start so holprig war, lag eindeutig an seinem eigenen Sturkopf. Er wollte mehr über Aiden erfahren, war einfach neugierig, vor allem, warum er überhaupt Geister sehen konnte.
Während er so vor sich hin grübelte und schon eine ganze Weile die gleiche Stelle todwischte, schob sich ein kleiner weißer Zettel in sein Gesichtsfeld: "Gabe will dir einiges sagen. Gehst du mit raus?", stand da einfach. Und daneben breit grinsend Aiden. Das Lachen steckte an und eilig bejahte Reece. Natürlich kam er mit! Doch dann fiel ihm etwas ein: "Kann Gabe denn mit raus? Macht ihm die Sonne nichts aus?"
Erstaunt sah ihn Aiden mit großen Augen an, dann verzog er schmerzhaft das Gesicht.
"Aiden! Was ist?", rief Reece verwirrt, besorgt. Er trat eilig näher, berührte ihn zaghaft an der Schulter.

 

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[1]

ham & eggs Bauchspeckstreifen knusprig gebraten mit Rührei, wahlweise auch Spiegelei;
sausages unseren Nürnbergern Würstchen nicht unähnlich;
baked beans gebackene Kidneybohnen;
black pudding Blutwurst, in dünne Scheiben geschnitten, angebraten und warm serviert;
haggis im Schafmagen gekochte Innereien vom Schaf, sehr würzig, in dünne Scheiben geschnitten, angebraten und warm serviert;
fruit loaf Früchtebrot: fest wie ein Brot aber feucht wie ein Kuchen, mit Zimt, Ingwer, Marmelade und getrockneten Früchten (besonders Rosinen über Nacht in starken Tee oder schottischen Whisky (Glenfiddich 12 years) eingelegt); fruit loaf schmeckt auch lecker zum "five o'clock tea" - Nachmittagstee;
porridge Haferbrei, warm serviert mit frischem Kompott oder mit Zimtzucker… oder auch beidem;

Ein komplettes schottisches Frühstück besteht neben der deftigen warmen Mahlzeit zusätzlich aus Toast und Marmelade. Natürlich darf der obligatorische Tee nicht fehlen. Wenn man in Hotel, B&B, auf Schiffen usw. das Frühstück bestellt, muss man darauf achten, dass man NICHT "continental" bestellt, sondern "english" oder "scotisch". "Continental" bedeutet "europäisch" oder "vom Festland". Soll heißen: nur Toast oder Brötchen mit Aufschnitt oder süßen Brotaufstrichen, vielleicht noch gekochte Eier. Ans leckere warme Frühstücksbuffet darf man dann nicht heran.

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