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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Demon Soul - Teil 1: Demon Soul"

 


Die tiefe Stimme jagte ihm Schauer über den Rücken. Aiden wusste noch nicht, warum Gabe ihn hier her geführt hatte, aber das würde er noch erfahren. Bis dahin genoss er einfach nur das Lied dieses jungen Sängers auf der Bühne. Mit seinem schwarzen Lederoutfit sah der schon ziemlich wild, fast dämonenhaft aus. Es passte ganz ausgezeichnet zu dem Bandnamen. "Demon Soul" nannte sich die Gruppe von fünf jungen Menschen. Und so sehr der Sänger ihn mit der Stimme und dem Aussehen vereinnahmte, am coolsten fand er das einzige weibliche Mitglied in der Gruppe. Mit wirren weißen Haaren spielte sie E-Gitarre wie ein tatsächlicher Dämon.
"Das ist Brooke", wisperte Gabes Stimme. "Sie ist wie eine große Schwester. Eigentlich ist sie ganz brav, wenn sie nicht auf der Bühne steht."
Aiden hörte das Lachen heraus und lächelte ebenfalls. Dann hörte er gespannt den nächsten Liedern zu. Mal aufwühlend energisch, mal sanft, fast traurig. Für eine Heavy-Metal-Band auffällig viele Liebessongs.
"Reece sagt immer, er spielt Love-Metal", antwortet ihm Gabe. Aiden nickte nur; genau das war die richtige Bezeichnung.

***

Das Konzert war nur kurz. Nicht ganz nach einer Stunde ließ sich Aiden von den anderen Menschen mit hinaus schieben. Vor der kleinen Lagerhalle, ehemals ein Gebäude der York Railway, die der Band ebenfalls als Probenraum diente, wartete er auf Gabe. Wer weiß, wo dieser noch herumschwirrte.
Nicht lang, da kam er schon auf ihn zu. Die Augen wirkten traurig. Fast glaubte er Tränen darin sehen zu können. Was war nur passiert, dass der bisher so fröhliche Gabriel plötzlich bedrückt war?
"Es tut mir leid, Aiden. Ich dachte, wir könnten es heute schon machen, aber Reece würde dir nie glauben. Nicht jetzt. Ich denke, wir müssen ihn einfach mal tagsüber treffen."
Aiden nickte. Es klappte nicht immer sofort beim ersten Mal. Er hätte ihn zum Trost gerne umarmt, aber dafür war Gabriel noch zu jung.
Gehen wir nach Hause. Ich bin müde, Gabe, dachte er und gähnte auch schon. Gabriel nickte und begleitete Aiden. Auch wenn York nicht sehr groß war und der Heimweg nur eine viertel Stunde dauern würde, war es auch hier nachts nicht ganz gefahrlos. Zudem vermied Aiden den direkten Weg über die Lendal Bridge zur Stonegate. Auf der Brücke, meist am Treppenaufgang, hielt sich Jack auf. Noch immer jagte er Frauen nach Einbruch der Dunkelheit am Wasser nach, auch wenn er ihnen nichts mehr tun konnte. Doch für Aiden war er gefährlich. So nahm Aiden den längeren Umweg über die Ouse Bridge und war erst eine halbe Stunde später zu Hause.

***

Seine kleine Wohnung lag direkt über der Buchhandlung seines Grandpas. "Books, Arts & Antiques" war eines dieser typischen engen Fachwerkhäuser Yorks. Es drängte sich schief an die Nachbarhäuser und Aiden kam in seine Wohnung nur durch den Laden selbst. So sperrte er die enge Tür auf, zog den unverkennbaren Geruch von Pergament, Leder und Tinte ein und fand mit dem spärlichen Licht der Straßenlaternen sicher den Weg nach hinten zu der schmalen Treppe, die ihn direkt in sein kleines Wohnzimmer führte.
Er warf seine Jacke auf die Couch und machte in der engen Küche Wasser heiß. Mit einem Becher frischem Kräutertee in der Hand - eine bunte Mischung aus Zitronengras, Hibiskus und anderen Kräutern - kuschelte er sich in die vielen kleinen Kissen auf seinem Sofa und dachte an diesen wilden Sänger.
"Na? Denkst du an seine Stimme? Er ist toll, nicht?", lachte neben ihm Gabriel leise auf. Aiden nickte ihm bestätigend zu, ein kleines verträumtes Lächeln auf den Lippen.
"An was denkst du noch?", fragte ihn Gabriel neckend.
Als wenn du es nicht wüsstest, dachte Aiden und blickte in das fröhliche Gesicht, erwiderte das breite Lächeln und machte es sich noch gemütlicher. Lauschte Gabriel, als er ihm endlich ein wenig von sich und Reece erzählte.

***

So verbrachten sie die Zeit auf dem Sofa bis Aidens leckerer Tee alle war. Gähnend streckte er sich und stieg die Treppe zum Schlafzimmer hinauf, dass sich mit dem kleinen Bad in der obersten Etage des Hauses befand. Sich in seine große Decke wickelnd schlief er ruhig und schnell ein, wissend, dass sein Schlaf seit neuestem bewacht wurde.

...


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Teil 2