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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Das Fest - Teil 5"

 

 


 

Kapitel 5: Ilaris Herkunft

 

Ich wachte auf und fühlte mich ausgeruht und zufrieden. Fragen zogen träge durch meinen Kopf, doch waren sie nicht mehr so wild durcheinander, wie am Abend zuvor. Ich genoss das langsame Auftauchen aus der Traumwelt und kraulte dabei durch die goldene Haarfülle, die sich direkt vor mir ausbreitete. Ilaris leises unbewusstes Schnurren vibrierte in meinem Körper nach, da er sich so eng an mich kuschelte. Es war fast wie am anderen Morgen zuvor und doch hatte sich so vieles verändert.

Allein dass wir nicht nur zu zweien hier waren. Über Ilaris Schulter blickte mich Cathal an, der müßig Ilaris nackte Seite und den Rücken auf und ab streichelte. "Guten Morgen, Aiven", flüsterte er mir zu und beugte sich schließlich doch zu mir herüber und küsste mich leicht zur Begrüßung. Er wollte sich schon zurückziehen, doch hielt ich ihn bei mir, erwiderte seine sanften Küsse und genoss eine ganze Weile seinen herben Geschmack.

Zwischen uns eingeengt machte sich bald Ilari murrend bemerkbar. Cathal lachte und küsste sich über mein Gesicht hin weg zu Ilaris Schulter. "Guten Morgen, Ilari", begrüßte er auch ihn und rollte ihn weiter auf den Rücken, um ihn auch richtig küssen zu können. Bereits durch unser kleines Vorspiel angeheizt, beließ er es nicht bei einem einfachen Guten-Morgen-Kuss, sondern verstrickte Ilari in einen feurigen Zungenkampf.

Cathals Hände wanderten währenddessen bereits über den hellen schlanken Körper, über die Brust, den Seiten entlang zum Bauch hinab - bis die Decke den weiteren Weg blockierte. Knurrend löste sich Cathal, zerrte fauchend das teure Laken weg. Ilari rekelte sich befreit von jeglichem Stoff und ich bewunderte erneut seine anmutige Gestalt. Er war wirklich außergewöhnlich schön, sogar für unsere Rasse, wie mir Cathal mit leuchtendem Blick gestand.

Und während Cathal sich mit sanften Bissen seinen Weg an Ilaris delikaten Körper nach unten suchte, griff Ilari selbst nach mir und zog mich in einen tiefen Kuss. Auffordernd lockte er mich zu sich und ließ mich gleichzeitig seine spitzen Zähnchen spüren.

Ilari ließ sich von meinen Küssen ablenken bis er laut aufstöhnend den Kopf in den Nacken warf, sich Cathal noch weiter entgegenschob. Mit sanfter Gier nahm Cathal ihn ganz ein, so dass Ilari seinen Atem für sich brauchte; ziellos mit den Händen nach den Kissen griff.

Ich folgte Cathals Beispiel und kostete Ilaris Körper, hinterließ eine feuchte Spur über seinen Hals hinunter bis zum Bauch und noch ein Stückchen weiter. Sachte strich ich mit den Fingern dort durch den weichen goldenen Flaum. Dann folgte ich meiner Neugierde und berührte sanft die Stelle, an der sich Cathal und Ilari vereinigten, neckte beide, bis Ilari nur noch atemlos keuchend um Erlösung bettelte und Cathal mich tief grollend in den Haaren packte. Rau zog er mich zu sich hinauf und küsste mich mit flammendem Blick, bevor er mich wieder entließ.

Auch wenn mir bewusst war, dass es für Ilari unerträglich werden würde, beugte ich mich wieder über ihn und nahm ihn endlich zwischen meine Lippen, genoss seinen frischen, blumigen Geschmack, der hier noch intensiver war. Ilaris leiser Schrei war eine Mischung aus Überraschung und höchster Ekstase und nach nur noch wenigen tiefen Stößen Cathals spannte sich der ganze Körper an, verlor sich in einem heftigen langanhaltendem Höhepunkt, der ihn zitternd und besinnungslos zurückließ.

***

Cathal hatte sich vorsichtig aus Ilari zurückgezogen und ihn sich in seine Arme gekuschelt. Er strich ihm zärtlich die verworrenen Haare aus dem Gesicht und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Ich schob mich an Ilaris Rücken und fühlte mit einer Hand dem tiefen Herzschlag nach. "Das war wohl etwas zu viel für unser Kätzchen", schmunzelte Cathal leise. "Doch ich bin froh, dass er sich uns so völlig sicher hingeben kann. Sein Leben, bevor ich ihn gefunden hatte, war nicht sehr leicht. Umso glücklicher bin ich, dass er dich so vorbehaltlos liebt. Er hatte viele Bedenken, doch vertraute er meinem Gefühl." Dabei strich er herüber zu mir, über mein Gesicht, schenkte mir ein so tiefes freudestrahlendes Lächeln, dass ich es nur still erwidern konnte.

Auf meine Bitte hin, begann Cathal leise zu erzählen. "Ich habe Ilari vor etwas über einem Jahr gefunden. Dafür bin ich einmal um die halbe Welt gereist. Jeden Echtgeborene zieht es irgendwann in die Welt hinaus. Manche brauchen länger, manche finden schon nach wenigen Tagen ihr Kind. Ich habe sehr lange gebraucht.

Ilari wuchs in einem Waisenhaus auf, ist von dort aber schon in jungen Jahren geflüchtet. Er hat mir nicht viel davon erzählt, aber es muss wirklich abscheulich gewesen sein. Er lebte ab da auf der Straße, kämpfte sich mit diversen Botengängen durch, mit Bettelei und kleineren Diebstählen. So wanderte er ziellos von Stadt zu Stadt. In diesem letzten halben Jahr, bevor ich ihn fand, kam er gar nicht mehr zur Ruhe.

Wir Echtgeborene fühlen ungefähr die Richtung unserer Kinder, doch bei Ilari war es täglich anders. Immer weiter. Es war verworren und unstet. Erst hier in Amerika, dann Europa, Spanien, Frankreich, Paris direkt eine Zeit lang, dann nach Deutschland hinein und plötzlich war er weg. Und ich bin irgendwann so verzweifelt und wütend gewesen. Ich entschloss mich, nach Hause zurück zu kehren. Ich reiste noch weiter nach England, um Duncan den Wunsch nach einem guten Whisky zu erfüllen, um von London aus eine Überfahrt zurück nach New York zu buchen.

Dann plötzlich auf dem Schiff habe ich ihn ganz nah gespürt. Es war so intensiv und obwohl ich jeden Passagier genau betrachtete, war er nicht dabei. Auch von der Mannschaft war er nicht. Das Schiff hatte schon längst abgelegt und mir wurde klar, dass er sich versteckt hielt. Ich erzählte dem Captain also, dass mein persönlicher Diener verschwunden wäre und dank ein wenig Klimpergeld fragte er auch nicht näher nach. Wir suchten das ganze Schiff ab, bis ein Matrose ihn fand. Ganz unten im hintersten Lagerraum zwischen Säcken und einigen Kisten lag er in zerrissenen Lumpen.

Er bemerkte uns nicht. Er hatte hohes Fieber, zitterte am ganzen Körper. Wir brachten ihn in meine Kabine und der Schiffsarzt tat alles, was er konnte. Und doch: nachdem er soweit versorgt war, wusste ich, dass er sterben würde. Er war abgemagert bis auf die Knochen und hatte verschieden alte Verletzungen. Er muss seit Wochen nur noch draußen unterwegs gewesen sein und seit Tagen nichts mehr gegessen haben. Ich entschied mich, ihm mein Blut zu geben. Es ist nicht gestattet. Nur mit der freiwilligen eindeutigen Zusage dürfen wir unser Blut teilen. Doch wie sollte er sprechen, geschweige denn verstehen in diesem Zustand?

Ich gab ihm etwas von meinem Blut, nicht viel, doch die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Noch in der gleichen Nacht ließ das Fieber bereits etwas nach. Ich lag neben ihm, als ich merkte, wie er wach wurde. Wie schön hatte ich es mir ausgedacht: der erste Augenblick, in dem ich mein Kind sehe, ihm in die Augen sehen kann und wir uns ohne Worte verstehen würden. Doch Ilari nicht. Er sah mich, meine roten Augen. Sein Puls beschleunigte sich schlagartig. Er begann zu zittern, diesmal vor blanker Panik. Er stieß mich weg, oder eher versuchte er es, die Kraft fehlte ihm. So gab ich ihm Platz, rückte ab und erst als er allein im Bett lag, beruhigte er sich allmählich. Doch er ließ mich nicht aus den Augen. Egal was ich tat, er verfolgte mich mit Blicken. Bis es zu viel war und seine Kraft verbraucht. Irgendwann schlief er wieder ein.

Ich hielt mich die nächsten Tage von ihm fern. Nachts blieb ich auf Deck, genoss die frische Meerluft und das Gefühl, mein Kind gefunden zu haben. Tagsüber brachte ich ihm Essen und war sogar damit zufrieden, dass er nicht mehr in Panik ausbrach, wenn ich die Kabine betrat. Er betrachtete mich jedoch sehr intensiv und ließ mich nicht aus den Augen, bis ich wieder ging.

Da ich bemerkte, dass Ilari zwar nicht mit mir sprach, mir aber doch sehr aufmerksam zuhörte, wenn ich ihm Essen brachte, begann ich, ihm die einzelnen Nahrungsmittel zu erklären. Er kannte nur einfachste Dinge, was er eben so beim Betteln in die Hand bekam. Außerdem bat ich den Smutje, wenn möglich, neue Varianten für ihn zuzubereiten, sodass Ilari, wenn schon nicht immer neue Produkte, so aber andere Arten der Zubereitung auf dem Teller hatte.

Am dritten Tag saß er morgens bereits angekleidet und die kurzen Haare ordentlich gekämmt auf dem Bett und begrüßte mich mit rauer Stimme. Er bedankte sich für das Frühstück und als ich gehen wollte, bat er mich zu bleiben. Er wollte, dass ich ihm erzähle. Ich fragte ihn, worüber ich ihm erzählen solle. Er sagte nur, das wäre egal, solange er nur meine Stimme hören könne. So erzählte ich über die Orte, die ich bisher bereist hatte, bis er vor Müdigkeit auf dem Sessel einfach einschlief.

Er begann sich in meiner Gegenwart zu entspannen und bald konnte ich mich nachts neben ihn in das Bett legen. Er war noch immer kränklich blass und der silbrige Mond, der sein fahles Licht auf uns warf, ließ ihn noch zerbrechlicher wirken. Sehnsuchtsvoll streichelte ich ihm über das Gesicht und die Haare; war einerseits glücklich, dass ich ihn gefunden hatte und andererseits traurig, dass er in seinem jungen Leben bereits soviel ertragen musste. Ich merkte es gar nicht, doch Ilari war wach.

"Du bist schön", sagte er plötzlich mit seiner noch etwas rauen Stimme. "Deine Augen sind so feurig und nachts glühen sie fast. Deswegen bin ich so erschrocken. Ich dachte, der Teufel ist hinter mir her, nachdem ich mich auf dieses Schiff gemogelt hatte." Er rückte näher und ich nahm ihn einfach in die Arme. "Doch du bist kein Teufel. Im Gegenteilů" Er sprach nicht weiter, sondern kuschelte sich noch näher. Es war ruhig und ich dachte, er sei wieder eingeschlafen, doch da spürte ich das sachte Beben in seinem schlanken Körper. Er weinte! "Wirst du mich wieder fortjagen?", flüsterte er kaum verständlich.

Wie konnte er nur so etwas fragen? Niemals würde ich das tun. Ich versprach ihm, dass er solange bei mir sein kann, wie er es selbst will. Und dann erzählte ich ihm von mir. Von meiner Familie, meiner Rasse. Von allem. Und von ihm, meinem Kind. Und es war diese Nacht, in der ich ihn kennen lernen durfte. Obwohl noch Mensch, war Ilari da schon wunderschön. Ich ließ mir Zeit und erkundete seinen Körper, versuchte jede Stelle zu erreichen. Ilari gab sich mir ganz hin, ohne Zögern, ohne Angst oder Misstrauen. Er ließ sich drehen, zurechtrücken und passend legen, wie ich es wollte und folgte jeder meiner Bewegungen. Gleichzeitig zeigte er aber auch sehr deutlich, was er besonders mochte und was ihm gar nicht gefiel...

Und ich fand heraus, dass er ziemlich unersättlich war. Dies bezog sich nicht nur auf Sex und Kuscheln. Er wollte lernen. Das erste, um was er mich am nächsten Morgen bat, war, dass ich ihn in die Kombüse begleiten sollte. Er wollte zu gern den Koch kennenlernen. Die restliche Zeit, die wir noch auf dem Meer waren, war er entweder nachts bei mir in der Kajüte oder tagsüber beim Smutje. Er lernte alles, was dieser ihm beibringen konnte und nutze die Mannschaft, um ihnen sogar erste eigene Kreationen vorzuführen. Nicht immer erfolgreich.

Es war toll zusehen zu können, wie er auflebte und vollends gesundete. Als wir New York endlich erreichten, waren seine Haare sogar schon etwas länger geworden. Wir blieben zwei, drei Tage in der Stadt, bis ich für unsere weitere Reise in den Norden die Pferde und für Ilari genügend Reisegepäck zusammen hatte. Natürlich begleitete er mich auf die Einkaufstour durch New York und ich glaube, wir haben kein einziges Lebensmittelgeschäft ausgelassen.

Ilari genoss das weitere Reisen ohne Angst vor Überfällen, Kälte und Hunger haben zu müssen und ich ließ es mir nicht nehmen, ihn auch währenddessen mit den feinsten Köstlichkeiten zu verwöhnen, derer ich habhaft werden konnte."

***

Ich hörte Cathal gerne zu. Er erzählte nicht nur, wie er Ilari kennen gelernt hatte. Er erzählte damit auch, wieviel ihm sein erstes Kind wert war. Er strahlte eine innere Zufriedenheit aus, als er sich die letzten zwei Jahre zurückerinnerte. Und je länger er sprach, desto mehr konnte ich diese Gefühle auch in mir spüren. Sie waren nicht mit soviel starker Emotion behaftet, aber mit einem unbestimmten Fernweh, was mich von je her von zu Hause weggetrieben hatte. Und jetzt erst fühlte ich mich angekommen. Bei Ilari und Cathal.

Unser Kätzchen bewegte sich und schlug träge die Augen auf, blinzelte Cathal etwas verwirrt an. "Na, wollen wir baden gehen?", fragte Cathal leise und Ilari nickte nur, schmiegte sich enger an ihn und ließ sich ins Bad tragen. Ja. Kuscheln war Ilari wichtig. Ich folgte den beiden und während Cathal Ilari sicher auf dem Schoß hielt, wusch ich ihn. Erst den entspannten Körper, dann seine herrlich goldenen Haare. Und erfreute mich an dem sanften hellen Schnurren.

Cathal erzählte derweil zu Ende: "Nun. Viel gibt es dann nicht mehr zu berichten. Die Zeremonie verlief so, wie du es kennst. Nur dass ich umgehend spürte, dass Ilari nicht mein einziges Kind ist. Doch dies hatte Zeit. Ich entschied, eine Weile zu bleiben. Ich wollte, dass Ilari sich in ruhe einleben konnte, auch um meine Familie richtig kennenzulernen.

Erst ein paar Tage später erzählte ich ihm, dass er nicht mein einziges Kind sei, dass ich bald aufbrechen würde, um dich zu suchen. Ich spürte seine Angst sofort. Er dachte, ich würde ihn austauschen wollen. Es kommt in unserer Rasse nicht häufig vor, dass mehrere Kinder existieren. Ich brauchte lange, ihn davon zu überzeugen, dass du nicht für ihn hier sein wirst, sondern mit ihm. Dass er einen Bruder gewinnen würde und keinen Konkurrenten.

Umso so erfreuter bin ich, wie gut ihr zwei euch versteht. Ich bin glücklich, euch bei mir zu haben, Ilari wie auch dich, Aiven. Meine Kinder." Damit küsste Cathal erst Ilari, sanft und schnurrend, dann mich, energischer und tiefer grollend.

Ich liebte beide. Auf ewig.

Ende.

(17.5.2014)

 


 

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