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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Das Fest - Teil 4"

 

 


 

Kapitel 4: Ein neues Leben

 

Es war still. Kühl. Eine Hand strich durch meine Haare. "Aiven, wach auf", flüsterte Cathals tiefe Stimme neben mir. Es war zu laut! Die Berührung zu stark! Stöhnend wand ich mich fort von meinem Liebsten, den ich doch nur berühren wollte. Aber es war zu viel.

"Cathal, lass ihm Zeit. Es ist noch zu viel auf einmal." Da war Ilari. Seine sanfte Stimme war weiter weg, schmerzte nicht so stark in den Ohren. Als ich die Augen öffnete spendeten nur noch wenige Kerzen Licht. Es flutete mein Gehirn mit zu vielen Eindrücken auf einmal. So viel mehr Farben plötzlich. Es war faszinierend und ich konnte den Blick nicht von den golden schimmerten Lichtern nehmen.

Ich verlor mich einige Zeit in diesem Anblick. Mein Atem beruhigte sich und allmählich konnte ich mich wieder auf die unmittelbare Umgebung konzentrieren. Den nun menschenleeren Tempel, den kühlen Steinaltar auf dem ich lag, in meinen grünen Umhang gehüllt. Mein Körper schmerzte noch ein wenig. Vor allem mein Hals und mein … mein Po! Ich suchte Ilari, fand ihn gleich neben mir. Er grinste unverschämt breit und jungenhaft. Seinen frischen beruhigenden Duft konnte ich jetzt fast schmecken und es führte mich ganz in diese neue Welt.

Zaghaft streckte ich eine Hand nach ihm aus. Er kam zu mir, legte eine Hand um meine Schultern und richtete mich auf. Ich zuckte zusammen bei der Berührung, doch sie schmerzte nicht mehr und dankbar lächelte ich ihn an. Dann drang Zedernholz in meinen Sinn - Cathal! Er stand noch etwas Abseits auf der anderen Seite des Steines. Auch ihm streckte ich meine Hand entgegen und sofort war er bei mir. "Aiven, mein Kind", flüsterte er wieder leise, küsste mich ganz zart. Seine warmen Finger streichelten mein Gesicht.

Ich konnte nicht anders und ließ mich in seine Umarmung fallen, kuschelte mich an ihn und wollte ihn nie mehr loslassen. An der anderen Seite fühlte ich Ilari ebenfalls dicht gedrängt an Cathal. Drei Teile, ein Ganzes.

***

Ilari hatte meine Kleidung dabei und half mir beim Anziehen. Meine Beine waren noch ganz wackelig, als ich mich gestützt auf Cathal aus dem Tempel führen ließ. Wir hatten einen wundervollen Blick über die Stadt und das Meer und die weite Berglandschaft. Mir war, als ob ich genauso gut wie am Tage alles sehen konnte.

Ilari, der diese Wandlung ebenfalls durchgemacht hatte, erklärte neben mir leise die frischen Eindrücke und auch, wie ich mit meinen neuen Sinnen zurecht kommen konnte. Dann lächelte er mich an und ich sah etwas Spitzes aufblitzen! Kurz war ich erschrocken, doch auch bei Cathal sah ich die Fänge im Mund blitzen, als ich ihn darum bat. Ich prüfte mit der Zunge meine eigenen Zähne - auch da! Raubtierfänge!!! Und dann musste ich grinsen. Meine waren reichlich groß und jetzt erst spürte ich sie bewusst im Mund. Cathal hatte die Fähigkeit seine Reißer bis auf eine gewisse Größe anwachsen zu lassen. Sie waren enorm und machten mächtig Eindruck. Doch Ilari! Er ließ sie stolz blitzen und ich berührte sanft die niedlichen spitzen Zähnchen. Flüsternd sprach Cathal dabei in mein Ohr: "… und wehe du nennst ihn nun Kätzchen. Das mag er gar nicht." Doch wie anders hätte man ihn sonst nennen können? Ilari sah meinen Gedanken und sofort bewies er mir, dass auch diese kleinen Fänge kräftig beißen konnten. Verwirrt zog ich meinen blutenden Finger zurück, während sich Ilari schmollend abwendete.

Cathal lachte tief und schnurrend, als er meinen Finger ableckte bis kein Tropfen Blut mehr zu erhaschen war. Es jagte mir heiße Schauer durch den Körper. Im Arm führte er mich zu Ilari hin, zog diesen sanft näher und flüsterte liebevolle Worte in sein Ohr, bevor er ihn küsste. Dabei riss er sich an Ilaris kleinen aber nadelscharfen Spitzen die Zunge und ließ ihn von sich kosten. Ein sanfteres helleres Schnurren setzte ein und ich wusste, dass Ilari wieder befriedet war. Ich legte meinen Kopf auf Cathals Schulter und genoss die herrliche Nacht, lauschte den Geräuschen der Dunkelheit und gab den beiden ein paar ruhige Minuten. Dann schlenderten wir gemütlich weiter.

Cathal erzählte währenddessen. So erfuhr ich, dass die Sonnensymbole an manchen Häusern darauf hinwiesen, dass der Herr eines solchen Hauses ein leibliches Kind der Tempelführerin war. Echtgeborene! Ilari schloss an, dass Cathal sicherlich ein Echtgeborener war, jedoch gewiss nicht der Herr im Hause. Cathal zog ein verdutztes Gesicht und ich musste lachen.

Um von Ilaris Frechheit abzulenken, sprach Cathal schnell weiter. Die Sonne war für ihre Rasse genauso wichtig wie der Mond. Beides gehörte zusammen. Im Gegensatz zu all den Legenden lebten sie den gleichen Rhythmus wie die Menschen. Nur je älter sie wurden, desto weniger Schlaf brauchten sie und wandelnden also auch öfters des Nachts durch die Straßen.

Als Cathal vom Schlafen sprach, konnte ich ein Gähnen nicht mehr unterdrücken. "Cathal, es reicht. Du langweilst Aiven. Er ist schon ganz müde von deinen Reden", neckte Ilari und bog auch schon in die kleine Gasse zu Cathals Haus ab. Cathal schlang wieder einen Arm um meine Hüften und ließ mich an seiner Schulter anlehnen. Er gab mir einen sanften Kuss auf die Schläfe. "Ilari hat Recht. Wie immer. Dein Kopf braucht Schlaf, dein Körper braucht Schlaf. Morgen und die nächsten Tage werden wir dir alle Fragen beantworten, die dir noch im Kopf umherschwirren. Aber alles der Reihe nach. Wir haben soviel Zeit…"

Beruhigt ließ ich mich von ihm und Ilari in nun auch mein Haus führen. Cathal hob mich lachend auf die Arme, als er durch die Tür trat und trug mich der Bequemlichkeit halber gleich die Stufen zu unserem gemeinsamen Schlafgemach hinauf. Ich musste mitlachen und mit Schwung landete ich in dem großen Bett. Ilari wuselte um uns herum, zog an meinen Stiefeln, zupfte an Cathals Mantel und verlor selber dazwischen seine eigenen Sachen während Cathal unter leichten Küssen mir meine restliche Kleidung auszog. Ich erwiderte seine Küsse nur noch träge, dämmerte dann schon weg, bevor die beiden neben mir im Bett waren und fühlte nur noch zufrieden, wie ich in Wärme und Glück gehüllt tief einschlief.

***

 


 

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