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Zimmer aufräumen. Nicht dass es wirklich viel bringen würde. In spätestens zwei Tagen sieht es hier eh wieder wie auf einem Schlachtfeld aus.

Lustlos stopft Rico seine ausschließlich schwarzen Sachen in den dunklen Kleiderschrank. Sein Schreibtisch ist von Heftern, Büchern, Zetteln und sonstigen undefinierbaren Dingen bedeckt. Er beginnt träge die losen Zettel herauszusuchen und sie gleich in den bereits überquellenden Rundordner abzuschieben. Oder einen Haufen mit der mentalen Beschriftung "Allgemeines" daraus zu bilden, oder sie sorgfältig zu glätten und zu den anderen vielen Skizzen und Zeichnungen in einer Schachtel abzulegen. Als er die wenigen Sachbücher daneben stapelt, hört er endlich die Wohnungstür ins Schloss fallen.

'Ah. Endlich ist er da. Er ist spät heute. Sonst dauert der Kurs doch nie so lang.'

Um seinen Klassenkameraden gleich auf dem engen Flur abfangen zu können, stürmt er aus seinem wüsten Zimmer. Gerade noch sieht er die mit einer seiner Bleistiftzeichnungen verzierten Zimmertür ihm gegenüber zufallen. Verdutzt bleibt Rico barfuß auf dem kühlen Parkettboden stehen.

'Was ist das denn? Sonst begrüßt er mich immer so herzlich.'

"Ricky?!"

Keine Antwort.

"Ricky?! Ist alles in Ordnung?"

So wild, wie er aus seinem Raum gestürmt ist, stürmt er weiter in das mit weinroten Samtvorhängen abgedunkelte Zimmer. Er kann gerade noch sein Gleichgewicht halten, als er über einen Haufen nachgiebiger Gegenstände stolpert. Langsam gewöhnen sich seine Augen an das wenige Tageslicht, das dieser regnerische, kalte Tag zu bieten hat, und welches nur sehr widerwillig durch die dicken Vorhänge dringt.

Schuhe, von einer Jacke halb verdeckt, liegen wie der Rucksack mitten im Weg. Er schiebt alles etwas beiseite und nähert sich dem breiten Bett, welches offensichtlich die Zuflucht seines kleineren Freundes geworden ist.

"Ricky?!", fragt er noch einmal. Sorge ist deutlich aus seiner sonst kühlen Stimme heraus zuhören. Er beugt sich über den Körper, von dem nur die kurzen, strubbeligen braunen Haare unter der ebenfalls weinroten Satinbettdecke hervorlugen.

Ricky regt sich noch immer nicht, so dass Rico jetzt eine Hand ausstreckt und ihn leicht an der Schulter fasst, ihn etwas schüttelt. Ein kurzes Wimmern antwortet ihm nun sofort und die Decke wird noch enger um den Körper gezogen. Doch weiter hört er nichts. Mit einem Seufzen setzt er sich auf das Bett und stützt sich auf einen Ellenbogen. Mit der freien Hand schiebt er sich einige Strähnen seiner schwarzen, halblangen Haare aus dem Gesicht.

"Hey, Kleiner. Willst du mir erzählen, was passiert ist?"

Wie erwartet erhält er keine Reaktion darauf.

"Weißt du, ich habe mich den ganzen Nachmittag fürchterlich gelangweilt. Es ist schon so schlimm gewesen, dass ich angefangen habe, mein Zimmer aufzuräumen. Nicht nur das. Ich habe sogar schon aufgewaschen. Trotzdem war es langweilig."

Ein Schluchzen dringt unter der Decke hervor. Doch weiß Rico nicht, ob es vom Weinen oder einem Lachen kommt. Ricky lacht so gerne, auch in ernsten Situationen. Und er weiß, wie er Ricky zum Lächeln und Lachen bringen kann. Meistens sind es Eingeständnisse seiner eigenen Unfähigkeit einen Haushalt zu führen und überall nur Unordnung zu hinterlassen. Deswegen passen sie so gut zusammen: Er beherrscht das Chaos und Ricky die Ordnung.

"Und du bist nicht gekommen. Ich dachte, wir könnten etwas gemeinsam unternehmen. So. Und jetzt bist du da. Sagst kein Wort, flüchtest in dein Zimmer und ich langweile mich weiter, während ich hier liege und mit der Wand rede."

Er lauscht auf die gewisperte Antwort.

"Ich glaube nicht, dass du dein Zimmer aufgeräumt hast."

Rico lächelt bei diesem Satz. Zeigt es doch, dass Ricky ihm zuhört und sich nicht ganz vor ihm verschließt.

"Wenn du mit 'rüberkommst, kann ich es dir zeigen. Na ja. Ich bin noch nicht fertig, aber du kannst mir ja helfen."

"Nein."

"Wie nein? Du hilfst mir nicht oder du kommst nicht mit ‘rüber?"

"Beides."

Rico zupft an der Decke, stößt aber noch immer auf Widerstand.

"Dass du mir nicht helfen willst, sehe ich ja ein. Aber warum kommst du nicht mit ‘rüber?"

Er streicht leicht durch die nassen Haare, die einzig von Ricky sichtbar sind.

"Ich bin müde. Habe Kopfschmerzen. Mir geht es nicht so gut."

"Das muss doch aber einen Grund haben."

"Stress in der Schule."

"Das glaube ich dir nicht. Sonst hast du auch Stress und schaffst trotzdem alles."

Er seufzt wieder leicht auf und legt sich ganz auf Rickys Bett, drängt sich dicht an den Rücken seines Freundes. Gleichmäßig streicht er weiter durch die Haare.

"Und du willst mir wirklich nicht erzählen, was los ist?"

"Nein - nur müde", antwortet Ricky erschöpft.

"Ich lass' dich erst schlafen, wenn du mir erzählt hast, was passiert ist."

"Es ist nicht weiter schlimm. Ich will nur schlafen."

"Nein. Komm jetzt unter der Decke vor. Ich beiße dich doch nicht."

Rico rappelt sich wieder auf und zieht kräftig an der Decke. Erfolglos versucht Ricky sie festzuhalten. Dann ist sein Schutz plötzlich weg und er blickt in das Licht seiner sanft leuchtenden Zimmerlampe. Er sucht Rico, findet ihn an der Tür beim Lichtschalter. Besorgt, sogar entsetzt schaut dieser ihn an.

"Ricky. Wer war das?"

Ruhelos gleitet Rickys Blick über sein volles Bücherregal, versucht Rico auszuweichen.

Ich bin...gestolpert. Es ist glatt draußen."

Er spürt, wie sich die Matratze senkt und Wärme beginnt sich in seinem kalten Körper auszubreiten, beginnend, wo ihn eine sanfte Hand am Arm berührt. Erst jetzt wird ihm bewußt, wie kalt es ihm wirklich ist. Das Zittern ist auch für Rico nicht zu übersehen.

Komm. Gehen wir ins Bad. Da kann ich dich besser versorgen."

Ricky gehorcht automatisch und lässt sich vom Bett aufhelfen. Die Hand dirigiert ihn bestimmend zum großen Bad, drückt ihn auf einen kleinen Hocker herunter. Ricky schaut nervös in eine Ecke, betrachtet die hellen Fliesen. Versucht wieder, Rico nicht anzublicken. Wasserrauschen lässt ihn vermuten, was sein Mitbewohner gerade macht. Dann spürt er auch schon das feuchte Tuch an seiner Wange

"Ricky. Sagst du mir es jetzt?"

Seinen Freund genau beobachtend, erkennt er, wie schwer es Ricky fällt, ihn anzuschauen. Schon fast zärtlich beginnt er das mit Dreck, Regen und etwas Blut beschmierte Gesicht zu säubern, während Ricky stockend zu erzählen beginnt.

"Ich wollte nach Hause... ....es regnete schon stark... ... ...nichts gesehen, weil ich gegen den Wind... ...und den Kopf gesenkt... ...habe sie gestoßen... ...ohne Absicht... ... ...sie...haben... ...mich... ...nicht...gehen...lassen... ...erst...als ich...dort lag... ...und...und...und ich..."

Ohne weiter nachzudenken, zieht Rico seinen verstummenden Freund in die Arme. Er hat nur die Hälfte dessen verstanden, was er versuchte zu erklären. Aber das, was er gehört hat, reicht schon. Mit wenigen Worten beruhigt er Ricky wieder. Ihm ist die Angst in den schönen Augen nicht entgangen.

"Du schläfst dich erst ‘mal gesund und ich werde für die gesamte Woche den Aufwasch machen. Was hältst du davon?"

Ricky nickt nur und versucht das kleine Lächeln, welches sich unweigerlich auf seine Lippen gestohlen hat, zu verstecken.

"Na. Jetzt geht es doch schon wieder."

Er lächelt noch etwas weiter, auch wenn es weh tut. Rico antwortet ebenfalls mit einem erleichterten Lächeln, was sich über seine sonst so kalte, arrogante Miene ausdehnt. Es erreicht sogar die braunen Augen. "Du solltest die nassen Klamotten ausziehen. Du bist schon ganz durchgefroren."

Wie aus dem Nichts hält Rico Rickys weichen, weinroten Seidenpyjama in den Händen. Dass er ihn die ganze Zeit über einem Arm liegen hatte, ist Ricky gar nicht aufgefallen.

"Ich gehe kurz in mein Zimmer und hole die Heilsalbe. Das hilft bei so was wahre Wunder –glaub‘ mir, ich hab‘ es schon testen können."

Eigentlich geht Rico nur aus dem Bad, um Ricky etwas Privatsphäre zu geben. Er weiß, wie unwohl sich sein Freund in solchen Situation fühlt. Er scheint sich für seinen Körper zu schämen, was Rico nicht verstehen kann. Auf ihn wirkt er so fein und zart, so zierlich und zerbrechlich, was ihn beschützenswert macht - und in seiner filigranen Erscheinung einfach nur wunderschön.

Wie jemand seinen sanften Freund so zurichten kann, geht über sein Verständnis hinaus. Niemals würde er grob gegen ihn werden. Niemals würde er ihn verletzen, nicht körperlich und auch nicht seelisch. Obwohl er weiß, dass Ricky zwar äußerlich schwach wirkt, doch innerlich sehr stark ist. Stärker, als so viele andere Menschen, die er kennengelernt hat. Nicht eine Träne hat er in den hübschen Augen gesehen, und nicht ein Wort des Klagens kam über seine Lippen.

In dem Augenblick, in dem er wieder in das Bad zurückkommt, sitzt Ricky noch auf dem Hocker und knöpft gerade sein Pyjamaoberteil zu. Ihn in dem glänzenden, rot- schwarz changierenden Stoff zu sehen, lässt ihn in Ricos Augen ... edel erscheinen.

>Ja. Das ist das richtige Wort für ihn. Nicht nur, dass er aus einer blaublütigen Familie stammt, man sieht es ihm auch an.<

Er lässt sich vor Ricky wieder in die Knie sinken, trotz allem kann er ihm fast gerade in die Augen sehen. Still nimmt er etwas von der milchig trüben Substanz auf und hebt mit einer fragenden Geste den Arm. Das kleine Nicken erlaubt ihm, sanft die blauen Flecken im Gesicht zu versorgen. Sein Patient zuckt nicht zurück.

"Du siehst schrecklich aus, Ricky."

"Dann weißt du, wie ich mich fühle", erhält Rico tatsächlich eine Antwort darauf.

"Wo tut es noch weh?"

Nur mit einer kleinen Bewegung, deutet Ricky auf seine Brust. Zusätzlich schaut er nach unten und weicht somit wieder Ricos Blick aus.

"Willst du es alleine machen?", fragt Rico ohne Vorwurf in der Stimme. Zu seinem Erstaunen schüttelt Ricky den Kopf und beginnt langsam, das Oberteil wieder zu öffnen. Seine Finger zittern dabei so stark, dass es zu keinem Erfolg führt. Sie werden von einer großen, sicheren Hand umfasst. Sanft drückt Rico die schlanken Arme nach unten und beendet die für ihn leichte Aufgabe. Dabei achtet er genau auf Rickys Reaktion.

Vorsichtig schiebt er den Stoff zur Seite und gibt den Blick auf weitere, unzählige Flecken frei. Wut steigt in ihm auf. Doch kann er jetzt nichts machen. Erst muss er seinen Freund versorgen.

Behutsam macht er sich an die Arbeit und reibt die geschlagenen Stellen gut ein. Es ist das erste Mal, dass er Ricky so direkt berühren darf, und er genießt das Gefühl der weichen Haut unter seinen Fingern. Länger als nötig lässt er seine Hand auf dem warmen Oberkörper. Und nicht nur er scheint die sachten Berührungen zu genießen. Er fühlt das leichte Gewicht, welches sich mehr und mehr gegen ihn lehnt. Schließlich legt sich zaghaft ein Kopf auf seine Schulter, wartend auf eine abneigende Reaktion, welche nicht eintritt. Fest umarmt Rico den ganzen Körper, der sich so vertrauensvoll an seinen schmiegt. Sie bleiben lange dort sitzen, wollen den schönen Moment nicht zerstören.

"Hey, Ricky. Ich bring‘ dich ins Bett, o.K.?", flüstert Rico leise, erhält aber keinerlei Antwort. Langsam steht er auf, hebt dabei den leichten Körper mit an. Automatisch legen sich zwei Beine um seinen Körper, halten sich an ihm fest. Ein kaum vernehmbares Murmeln dringt an sein Ohr, erstirbt sofort wieder. Geräuschlos geht er durch die Wohnung und legt den schlafenden Ricky in seinem großen Bett ab, deckt ihn gut zu und verlässt das Zimmer wieder, die Tür nur angelehnt.

 

***

 

Es sind noch keine zwei Stunden dahin, als Rico sich wieder an die fast unlösbare Aufgabe machte, sein Zimmer weiter in Ordnung zu bringen. Seine Tür hat er weit offen gelassen. Trotzdem entgehen ihm die leisen, verzweifelten Geräusche, die Rickys dunkler Traum heraufbeschwört.

Geschirrklappern hält ihn auf, sich dem nicht weniger werdendem, vielmehr weiter ausweitendem Chaos erneut zu stellen. In der dunklen Küche entdeckt er einen verwirrten Ricky.

"Hey. Was machst du hier? Du sollst doch schlafen."

Ricky schaut ihn nur an, die Tasse in der Hand, mit welcher er nichts anzufangen weiß. Hilflos stammelt er etwas vor sich hin, erzählt etwas von hässlichem Lachen. Beruhigende Worte sagend, nimmt Rico die Tasse aus den kalten Fingern, gibt etwas Saft hinein und reicht sie Ricky wieder.

"Noch etwas?"

Stumm schüttelt Ricky den Kopf und bleibt dort stehen, traut sich nicht, in sein Bett zurückzugehen. Er sehnt sich nach der wohltuenden Wärme Ricos und geht einen zögernden Schritt auf ihn zu. Bittend blickt er in die sorgenvollen Augen hinauf.

Kaum hat er seine stumme Bitte vorgetragen, fühlt er auch schon die starken Arme um sich. Sie heben ihn hoch und setzen ihn auf der Anrichte ab. Die warmen Augen halten seinen Blick weiterhin fest und er kann nun gerade in das lächelnde Braun blicken. Sie glitzern in der Dunkelheit. Nur das Flurlicht spendet Licht.

Um mehr Wärme zu bekommen, lehnt er sich weiter nach vorn. Der vertraute Geruch umschmeichelt seine Sinne und führt ihn in Versuchung. Mit seiner Nase schiebt er die Haare weg und berührt kaum spürbar den Hals. Sein Lächeln bleibt nicht verborgen, als er die heftige Reaktion des anderen Körpers bemerkt.

Rico wird augenblicklich von einem angenehmen Schauder überrascht, noch bevor er die Berührung wirklich fühlen kann.

"Das ist nicht gut, was du machst", haucht Rico ihm in sein Ohr. Hastig zieht sich Ricky zurück, hinterlässt eine kühle Stelle, wo zuvor der warme Atem war.

"'tschuldige", murmelt er.

"Nein. Nein. So war das nicht gemeint, Ricky. Es war schön."

Er spürt den fragenden Blick.

"Ich sagte das nur, weil... weil..."

Ganz nah an Rickys Ohr spricht er weiter.

"...weil ich dich sehr mag und wenn du damit weitermachst, kann ich dir nicht versprechen, nicht auch einmal von dir zu naschen. Und wenn ich einmal von so etwas Leckerem gekostet habe, will ich danach alles haben. Und zwar nur für mich allein."

Bei diesen Worten lehnt sich Ricky nur noch näher. Rico wandert mit seinen Lippen von dem zierlichen Ohr, über die Wange und hin zu dem Mund, aus welchem er noch nie ein böses oder wehleidiges Wort gehört hat. Fast testend streicht er einmal mit der Zunge über die leicht geöffneten Lippen. Kostet den Geschmack von Ricky gemischt mit dem Apfelsaft, den er vorher getrunken hat. Immer wieder streicht er zärtlich darüber.

Seine Hände haben sich auch schon selbstständig gemacht und fahren über das weiche Material der Seide. Seine Haare werden sanft von Rickys Fingern durchwühlt.

Plötzlich stoppt er. Eine flinke Zungenspitze stupst seine eigene an, fordert mehr. Jetzt endlich legt er seine Lippen ganz auf Rickys, erhält Antwort durch zärtlichen Druck.

Seine suchenden Finger finden Zugang zu der Haut, die er heute schon berühren durfte. Begierig, sie wieder so warm spüren zu können, reibt er über die Brust. Scharfe Zähne beißen ihn jäh auf die Zunge, gleichzeitig mit einem zusammenzuckenden Ricky. Sofort hält er seine Hände still und löst sich von den köstlichen Lippen.

"'tschuldige."

Sich seiner Umgebung wieder bewußt werdend, hebt er Ricky an, trägt ihn aus der Küche hinaus.

"Dein Zimmer? Es hat das größere Bett, nicht?"

Das sinnliche Versprechen, welches sich hinter dieser Frage verbirgt, lässt Ricky vor Aufregung und Erwartung zittern und leise stöhnen. Kurz vor der Zimmertür bleibt sein Träger jedoch stehen. Verwundert hebt er den Kopf.

"Warum hast du das Bild überhaupt an der Tür hängen? Da kann es doch jeder sehen."

Ricky betrachtet das Bild zärtlich.

"Es gefällt mir", antwortet er einfach.

"Hhhmmm...es ist nur eine Skizze."

"Aber sie ist von dir."

Mit einem weiteren "Hhhmmm", bringt Rico seine kostbare Last in das teuer eingerichtete Zimmer, legt ihn auf die schimmernde Decke. Ganz langsam schiebt er sich über ihn, bedeckt das feine Gesicht mit unzähligen Küssen.

Ricky streckt sich, gibt der suchenden Zunge seinen Hals preis. Begierig nimmt Rico das Angebot an, erfreut sich an den leisen, erregten Geräuschen seines sanften Freundes.

Von den Gefühlen schon so überwältigt, merkt Ricky erst jetzt, dass eine Hand fragend über sein Hemd streicht, die Knopfleiste auf und ab fährt. Hastig versucht er selbst sein Hemd zu öffnen, doch werden seine Hände und Arme sacht abgewehrt, in die weiche Decke hineingedrückt.

Ricky lässt sich willenlos in eine neue und fremde Welt entführen. Gibt sich Rico hin, wie er sich noch nie jemanden hingegeben hat. Lässt Rico seinen Körper, seine Sinne und seine Gefühle erforschen und hervorlocken. Sehen und schmecken. Hören und ertasten. Und reizen, necken und verwöhnen. Schenkt ihm den Anblick seines für Rico so vollkommenen bloßen Körpers.

r keucht laut auf, kämpft gegen die Hände, die seine Hüfte halten und fährt ungeduldig mit den Fingern durch die schwarzen Haare. Rico bricht ab, schiebt sich an Ricky wieder hinauf, bis er in das feine Gesicht blicken kann. Die bloße Erinnerung des gerade Erlebten jagt Ricky weitere Wellen der Erregung durch den Körper. Rico küsst ihn liebevoll auf die geröteten Lippen.

"Ricky. Hast du schon einmal solch ein Erlebnis gehabt?"

Ricky kann bei dieser zwar fein ausgedrückten, aber doch direkten Frage vor Verlegenheit nur mit dem Kopf schütteln.

"Dann werde ich ganz vorsichtig sein."

Wieder küsst er ihn liebevoll, lässt seine Hände über den Körper wandern und umfasst seine Hüften. Mit Schwung rollt er herum, hält einen überraschten Ricky fest. Dann hebt er ihn leicht an, gibt ihm Hilfestellung, lässt ihm aber seinen Willen.

Rico nimmt das wertvolle Geschenk behutsam entgegen, trinkt das leise Wimmern, das sich aus Rickys Kehle befreit, genießt bald das köstliche Stöhnen. Seine Hände stützen den fragilen Körper, unterstützen ihn in der geschmeidigen Bewegung. Er lässt seine Finger über die gespannten Muskeln wandern. Lässt die Bewegungen intensiver werden, als sich seine Hand zwischen ihre Körper stiehlt. Sein sanfter Freund verliert den letzten Kontakt zur Realität, ein Körper nur aus Empfindungen bestehend, kein Denken mehr. Er konzentriert sich nur noch auf das leidenschaftliche Geschöpf in seinen Armen, auf das Gesicht – dessen gelösten Ausdruck.

Noch einmal spannen sich alle Muskeln an, fast krampfhaft. Der leise Schrei hallt in seinen Ohren nach, während er Ricky sicher in seinen Armen hält. Nach Luft ringend, legt dieser seinen Kopf schwer auf Ricos Schulter ab. Erst jetzt bemerkt Rico, dass er auch das Höchste mit ihm geteilt hat. Er achtete nicht auf seine Lust. Zu wichtig war ihm die Erfüllung Rickys.

Vorsichtig löst er sich von seinem noch immer schwer atmenden Freund, legt sich zurück auf das Kissen und zieht Ricky einfach mit sich. Sorgfältig legt er die Decke über sie beide und streicht bewußt durch die verschwitzten, kurzen Haare.

"Morgen ruf‘ ich die Jungs zusammen. Die Typen werden nicht vergessen, was sie dir angetan haben."

Ricky gibt ihm einen leichten Kuss in den Nacken, dort wo er seinen Kopf versteckt hat.

"Nein. Das...das brauchst du nicht."

"Sie haben dich verletzt, Ricky."

"Aber ich will nicht, dass ihr auch so handelt wie sie."

In Gedanken streicht Rico nur weiterhin durch die Haare. Er kann nicht verstehen, warum Ricky alles so hinnehmen will.

"Ich verstehe dich nicht, Ricky."

"Wenn du deine Jungs losschickst, dann wird bestimmt Blut fließen. Ich kenne sie doch. Aber wenn ihr genauso handelt, so seid ihr nicht besser. Und so wird es ständig bleiben. Jeder will wieder Rache. Es wird kein Ende mehr haben."

"Hhhmmm...das macht Sinn."

Ricky gibt ihm einen weiteren Kuss in den Nacken.

"Danke."

"Dafür werde ich ab jetzt immer auf dich in der Schule warten."

"Mmmmhh...ich wollte schon immer einen Bodyguard haben. Vor allem einen, der so gut schmeckt", lacht Ricky leise auf und beißt in den Hals.

"Au!"

"Schlaf...gut", bringt Ricky noch kurz hervor.

"Pah...erst mich beißen und sich dann einfach so davonstehlen", murmelt Rico leise. Mit Ricky in den Armen, folgt er ihm in den erholsamen Schlaf.

 

Ende.

 

(30/10/02)