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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Adyar Schattenläufer - Der blaue Diamant - Teil 6"


Adyar rollte sich noch etwas über das Bett, während er Askil beim Essen zusah. Er hätte auch gerne etwas, aber Askil ignorierte seinen Elfen voll und ganz, gab dafür Rikou eine Nuss, die dieser sich sofort schnappte und zum Bett schleppte, wo er sich unter dem Kissen schon einen kleinen Vorrat angelegt hatte.

Sollte sich Adyar ruhig aus dem gemütlichen Bett bequemen. Vor sich hinmurmelnd krabbelte Adyar irgendwann auch wirklich aus den warmen Federn.

Als sie dann einträchtig am Tisch saßen und sich Brot und Braten teilten, fragte Adyar schon fast bedauernd. "Wir sollten wohl auch sofort aufbrechen, nicht? Damit wir so schnell wie möglich in die Residenzstadt kommen." Schade, und er wollte doch so gerne das Feuerfest miterleben.

"Du bist krank. Wir bleiben hier, bist du wieder gesund bist. Du gehst in dein geliebtes heißes Bad und erholst dich, ich werde nachher den Blacksmith aufsuchen. Mein Schwert hat einige Scharten abbekommen. Es bringt nichts zu Reisen, wenn wir nicht gesund und gut ausgerüstet sind. Ich werde mich auch im Dorf umschauen, ob wir ein Pferd kaufen können. Das wird uns die Reise noch etwas erleichtern, zumindest, bis wir in der Residenzstadt sind. Wir müssen uns demnächst wohl mehr in Acht nehmen. Welche Gruppe auch immer das ist, der wir hier auf der Spur sind, sie werden über uns Bescheid wissen. Der Dunkelelf von Lord Korskov ist schließlich lebend davon gekommen. Er wird über uns schon berichtet haben…", sagte Askil zwischen einigen Bissen Elchbraten.

"Ich hätte ihn fressen sollen!", bereute er seinen Entschluss im Wald, als er den Dunkelelf gehen lassen hatte.

"Wer kann schon wissen, dass da mehr dahinter steckt. Dunkelelfen sind auch sonst nicht gerade friedfertige Leute", meinte Adyar und trank den letzten Schluck Tee aus, der leider schon alle war. Der war wirklich lecker und half gut gegen Husten und Schmerzen im Hals. Er sollte den Wirt fragen, ob er eine kleine Menge von der Mischung für die Reise als Vorrat kaufen konnte.

Er war gerade am Planen für die nächsten Tage, als es schon wieder an der Tür klopfte. Wer konnte das denn jetzt sein? Er stand auf, um zu schauen, als Askil ihn zurückhielt.
"Warte! Da ist Magie!", sagte er und knurrte leise. Er ging selbst, nahm sein kleineres Schwert mit und öffnete vorsichtig die Tür.

Davor stand ein völlig normal aussehender junger Mann.
"Ah, guten Morgen. Ich wollte zu Adyar. Der Wirt sagte mir, er wohne in diesem Zimmer."
Adyar erkannte die Stimme sofort und auch Rikou fiepte freudig auf, als er Kazuhiro von der sicheren Bettkante aus erkannte.
"Kazuhiro! Komm doch rein. Was treibt dich her?", zog Adyar den Künstler herein. "Askil, das ist Kazuhiro. Ich habe ihn vor ein paar Tagen im Dorf kennengelernt. Er ist Künstler", erklärte er und stellte die beiden miteinander vor.

Askil ließ sich aber nicht beirren.
"Warum fühle ich Magie an dir? Eismagie, um genauer zu sein!", fragte er kritisch nach. Der Mann trug etwas bei sich, was eindeutig magisch war.
"Was? Ich habe keine Magie. Ich kann nicht zaubern, oder so was", wehrte Kazuhiro ab und fühlte sich sichtlich unwohl. "Ich bin nur wegen dem Diamant hier. Ich habe die ganze Nacht dran gesessen. Es ging so einfach, obwohl es doch so ein festes Material ist", erzählte Kazuhiro und holte ein Beutelchen hervor.

"Der blaue Diamant?", wollte Askil genauer wissen. "Aha! Von wegen, du wüsstest nicht, wo er ist…", sagte er. Aber er konnte seinem Elfen nicht böse sein. "Zeig ihn mir doch mal…"

"Nein!", rief Adyar. "Den darfst du nicht sehen. Er ist doch dein… dein…"
Er verstummte. Er konnte doch nicht verraten, dass das sein Geschenk war.
"Ich glaube, das sollte wohl ein Geschenk sein für das Fest morgen. Wir schenken unseren Lieben zum Feuerfest immer eine Kleinigkeit. Adyar hatte dies wohl ebenfalls im Sinn", erklärte Kazuhiro, der Adyars Dilemma wohl erkannte.

"Achso", war Askil wirklich überrascht. "Ein Geschenk, ja?"
Adyar nickte ergeben.
"Dann schenke es mir. Eben heute schon. Es wird seinen Wert doch dadurch nicht verlieren", brummte er gutmütig und gab Adyar einen Kuss auf die Wange, hauchte ihm dann zärtlich über das spitze Ohr. Adyar erschauerte. Wie gemein. Askil wusste doch genau, dass er an seinen Ohren so empfindlich war.

Er nahm das Beutelchen von Kazuhiro entgegen und holte den Diamanten hervor. Er wusste ja, was er Kazuhiro aufgetragen hatte, aber als er die Figur sah, die in seine Hände rutschte, staunte er sehr. Man glaubte, Askil in seiner tierischen Form gegenüber zu stehen. Es sah so realistisch aus. Fast meinte Adyar, jedes einzelne Haar vom Fell zu erkennen.

Kichernd streichelte er über die runden Ohren.
"Perfekt", sagte er nur und Kazuhiro strahlte über das ganze Gesicht.
"Bitte, Askil. Dies wollte ich dir schenken. Der blaue Diamant war einfach perfekt für dich und als ich Kazuhiro kennenlernte, wollte ich so gerne, dass er mir die Figur daraus macht."
Er gab Askil das Figürchen in die riesigen Hände und streckte sich, um ihm auch einen kleinen Kuss zu geben.
"Dass wir nächstes Jahr gemeinsam wieder Abenteuer erleben…", schob er noch errötend hinterher. So direkt hatte er ihr Zusammensein noch nie gewünscht oder es auch gesagt.

"Danke, mein kleiner Elf", war Askil auch seltsam berührt von diesem Augenblick. Und obwohl er die Magie genau spürte, die in diesem Stein drin war, nahm er sich den Moment, Adyar fest zu umarmen.

Dann endlich nahm er sich den Diamanten vor. Erst beschaute er sich das eigentliche Figürchen. Er musste schon sagen, dass es eine sehr schöne Schnitzerei geworden war. Mit einem anerkennenden Brummen nickte er Kazuhiro zu.

Um aber das wirklich Innere zu erforschen, schickte er seine Eismagie in den Stein, der genau das Zentrum ausmachte. Fast sofort wurde sein Anrufen erwidert.

Es kam selten vor, dass Askil ernsthaft überrascht wurde, aber heute war es genau dieser Moment. Adyar sah, dass der Eisbär erstarrte und eine Spur blasser wurde.
"Askil, was ist denn? Ist der Diamant wirklich magisch?"

"Dieser Stein lag nicht umsonst in der Drachenhöhle des Kaisers…", blieb Askil vage.
"Ist er gefährlich?", rückte Adyar neugierig näher.
"Im Moment brauchen wir uns um ihn keine Sorgen machen. Ich werde ihn gut bei mir aufbewahren", sagte er schlicht und verstaute das kleine Figürchen sicher in seinem warmen Hemd.

*

Die nächsten drei Tage blieben sie noch in Yukimura. Adyar erholte sich wieder ganz, wie auch sonst, wenn er sich fast die ganze Zeit im warmen Wasser aalte und heißen Tee trank. Askil trieb sich eher beim Schmied herum, bei dem er kurzerhand zum Hammer griff, um sein geliebtes Breitschwert selbst auszubessern.

Kazuhiro fertigte in der Zwischenzeit einen kleinen silbernen Anhänger. Es war ein Wolfskopf dessen Augen aus dem blauen Diamanten gemacht waren. Es war ein sehr schönes Schmuckstück und Adyar freute sich, es Liran schenken zu können, sobald sie sich wiedersahen.

Zum Feuerfest lud Kazuhiro Adyar und Askil zu sich nach Hause ein. So lernten sie auch die kleine Familie des Künstlers kennen. Seine gastfreundliche Frau und die kleine Tochter. Das Mädchen war erst verängstigt, als sie Askil erblickte, aber nur solange, bis er sich zu ihr kniete und mit Hilfe seiner Eismagie über ihr eine kleine Schneewolke entstehen ließ, die sogar schneite, bis sie aufgebraucht war.

Als nächstes musste sie Adyar näher erkunden. Einen Menschen mit solch dunkler Haut und solch spitzen Ohren hatte sie noch nie gesehen. Immer nur von den bösen Dunkelelfen gehört. Er erklärte ihr, woran man einen Nebelelf von einem dunklen Elfen unterscheiden konnte und erlaubte ihr auch, dass sie über seinen Arm streichen konnte. Sie glaubte nämlich, dass die Farbe nur aufgemalt war. Aber Adyar färbte nicht ab.

Zum Schluss war Rikou an der Reihe sich vorzustellen. Das Eichhörnchen ließ sich streicheln und knuddeln, nachdem es mit einigen Nüssen bestochen worden war. Den restlichen Abend saß es also folgerichtig bei dem Mädchen, wo es die notwendige Aufmerksamkeit erhielt, die einem so berühmten Eichhörnchen zustand.

Nach einem reichlichen Mahl, bei dem sich Adyar völlig übergessen hatte, führte Kazuhiro sie alle aus dem Dorf hinaus auf eine kleine Anhöhe. Adyar war gespannt, was hier nun geschehen solle. Kazuhiro reichte ihm eine kleine leichte Papierlaterne und erklärte ihm, dass er die kleine Kerze anzünden solle. Adyar folgte der Anweisung und es dauerte nur wenig Zeit, als er merkte, wie die kleine Laterne nach oben strebte.
"Lass sie los", sagte Kazuhiro und Adyar gab der kleinen Laterne noch einen Schubs. Langsam stieg sie in den Nachthimmel auf.

Adyar folgte ihr und war überrascht, als eine zweite Laterne am Himmel erschien. Er blickte sich weiter um und sah noch ganz viele. Das ganze Dorf war auf kleinen Hügeln unterwegs und ließ Laternen steigen.

Das war ein herrlicher Anblick. Adyar ließ sich von Askil in den Arm nehmen, damit es ihm nicht zu kalt wurde und gemeinsam sahen sie zu, wie der Feuerschwarm die Nacht erhellte und dahintrieb, bis die Laternen irgendwann eine nach der anderen erloschen.

*

"Naoko. Was für Nachrichten bringst du mir?"
Die Stimme des Kaisers war sanft, aber voller Autorität. Naoko verbeugte sich vor dem Thron des Kaisers, der jedoch durch einen hellen Vorhang verborgen wurde. Man konnte den Kaiser nicht wirklich sehen. Nur schemenhaft einen Körper erkennen. Trotzdem wusste Naoko, dass dies sein Kaiser war. Die Stimme war unnachahmlich und auch die Ausstrahlung des Kaisers war einzigartig.

Er berichtete in Kürze, was in Yukimura vorgefallen war und ließ auch das Zutun von Adyar nicht außen vor.

"Ah, Schattenläufer. Das war eine wirklich gute Idee. Zeige mir doch einmal den Brief."
Naoko zog den Brief hervor und gab ihn einem kleinen Mädchen, das herbeigelaufen kam, und das Stück Papier hinter den Vorhang zum Kaiser brachte. Die Schatten zeigten Naoko, dass der Kaiser den Brief las, dann wohl überlegte.

"Und du sagtest, dass dies die gleiche Unterschrift ist, die auch bei Lord Korskov gefunden wurde?"
"So sagte uns Askil."
"Hmmm… gut. - Naoko, du kannst dich ausruhen. Ich werde dich rufen, wenn ich einen neuen Auftrag für dich habe. Einstweilen hoffen wir auf Masaru und Yukiko, dass sie herausfinden können, wer das Opfer sein soll."

"Jawohl, mein Herr", verbeugte sich Naoko erneut und wollte sich zum Gehen wenden.
"Ach, Naoko. Der blaue Diamant. Wo ist er nun?"
"Ich vermute, dass Adyar ihn tatsächlich hat, auch wenn er uns sagte, dass er ‚nicht im Zimmer' wäre. Wer weiß, wo er ihn einstweilen versteckt hatte."
"Gut. Dann wissen wir, wo er sich befindet." Naoko sprach noch einen kurzen Abschiedsgruß, dann ging er.

Der Kaiser aber dachte weiter nach. Der blaue Diamant war jetzt also bei Askil Eissturm. Vermutlich war es das Beste, was passieren konnte, nachdem man ihn aus seiner Höhle gestohlen hatte.

"Mariko", rief er das Mädchen, das sogleich angeflitzt kam. "Du kannst auch gehen. Schau doch mal in der Küche vorbei, ob sie noch Daifuku haben. Die magst du doch so gern…"
Sie verbeugte sich artig, aber strahlte in Vorfreude auf ihr Lieblingsnaschwerk und war sofort auf und davon.

Der Kaiser lächelte auch und wartete bis Mariko aus dem Zimmer war. Er streckte sich und bewegte sich aus seinem Empfangszimmer hinaus in einen runden Gang. Für ihn gerade recht, entsprach sie doch ganz seinem schlängelnden Drachenkörper.

Er kam in die Haupthöhle. Viele dachten, dass es seine Schatzkammer war. Dies stimmte, war hier doch der größte Schatz des Landes und seines Lebens untergebracht. Aber es waren nicht Gold und Juwelen. Hier lagerte der Seelenstein seines Sohnes. Zumindest bis man ihn vor Kurzem gestohlen hatte. Noch gar nicht geschlüpft und schon machte man Jagd auf ihn.

Dass er nun aber bei Askil war, war gar nicht mal das Schlechteste. Askil würde erkennen, was sein kleiner Dieb da gestohlen hatte. Und er würde wissen, was damit zu tun war, wenn die Zeit heran war.

Ende Buch 3

Ich wünsche allen eine ruhige Adventszeit und ein schönes Weihnachtsfest.

 


Teil 5

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