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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Adyar Schattenläufer - Der blaue Diamant - Teil 5"


Es begann erst recht leise. Ein tiefes Brummen erfüllte den Raum, wurde lauter und kräftiger, bis Askil ein ohrenbetäubendes Brüllen von sich gab.

Augenblicklich wurde es still. Der Fuchs machte sich klein und versteckte sich bei Adyar. Adyar ließ den nächsten Dolch wieder im Haar verschwinden. Masaru war das Lachen vergangen, Naoko lupfte interessiert eine Augenbraue, sagte aber auch nichts.

Entweder fraß der Eisbär sie nun alle auf, damit Ruhe herrschte, oder…

Den, den das gar nicht interessierte, war Rikou. Er kam durch das Fenster geklettert und fiepte glücklich auf, als er Askil endlich wiedersah. Er sprang über das Bett zu ihm, hüpfte über einen Arm hinauf zur Schulter, und kuschelte sich an das bärtige struppige Gesicht des Eisbären.

"Setzen!", knurrte der Eisbär und deutete mit dem Schwert auf die ungeladenen Besucher.

Masaru und Naoko nickten und setzten sich auf die zwei Stühle am kleinen Tisch.

"Jetzt möchte ich in aller Ruhe wissen, was das für eine Geschichte ist", forderte er Masaru und Naoko auf.
"Wir wollen ja gar nicht mit der Wahrheit zurückhalten. Masaru, erzähle Herrn Askil, was er wissen möchte", forderte Naoko seinen Weggefährten auf.

"Gern. Nun, seht, es ist alles ein wenig verzwickt. Naoko, Yukiko und ich sind Agenten des Kaisers. Um genauer zu sein, Geheimagenten. Wir ziehen durch das Land in seinem Auftrag, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und wenn möglich auch gleich abzuwenden. Der Kaiser sorgt sich sehr um das Wohlergehen seines Landes und der Menschen, die hier wohnen, leben, arbeiten oder auch nur als Gäste durch das Land reisen. Ihm ist Frieden wichtig."

Askil knurrte warnend.

"Im Zuge unsere Aufgabe haben wir einen Mann ausgemacht, der nichts Gutes im Schilde führt. Er hielt sich sehr bedeckt, gab den Menschen im naheliegenden Dorf keinen Grund ihm zu misstrauen, außer dass er sich in einem alten Tempel niederließ, wie ein Gott selbst."

Askils Ungeduld wurde greifbar. Der Raum kühlte merklich ab. Masaru ließ sich in seiner Erzählung nicht beirren.

"Wir zogen Erkundigungen über diesen Mann ein und erlauschten daraufhin, dass er gar Übles im Sinn hatte. Es wurde ein Attentat geplant. Wir mussten aber noch mehr erfahren, da wir weder wussten, wer getötet werden soll, noch wer dies tatsächlich durchführen sollte. So schickten wir unseren besten Agenten, sich in den Tempel einzuschleichen und dies herauszufinden. Yukiko wurde aber entdeckt und gefangen genommen.

Nun haben wir überlegt, wie wir wenigstens Yukiko dort wieder herausholen konnten, ohne uns selbst und unsere eigentliche Tätigkeit zu verraten. Da wollte es der Zufall, dass ihr, Askil und Adyar, das Gasthaus betreten habt. Wir kennen eure Geschichten und nicht zuletzt die große Heldentat, die Adyar Schattenläufer vollbracht hat, bewegte uns zu unserer kleinen List. Nicht nur ist Adyar als Held bekannt, vor allem doch aber als Meisterdieb. Von Schattenläufer hat nun ja schon jeder gehört. So ließen wir uns belauschen, als wir über den blauen Diamanten sprachen - und es hatte den gewünschten Erfolg."

Jetzt war es Adyar, der leise knurrte und seinen Dolch wieder aus dem Haar zog. Wie konnten sie ihn nur mit so einem gemeinen Trick locken? Es war wieder der kleine Fuchs, der ihn sachte am Arm zupfte.

"Und nun hat er also unsere Yukiko mitgebracht. Der blaue Diamant, wo auch immer er sein möge, soll als Bezahlung für diesen Dienst ausreichend sein. Er ist gewiss sehr wertvoll und auch wunderschön, wurde auch einst aus des Kaisers Drachenhöhle gestohlen, aber hat keine weitere Bewandtnis für uns."

Damit endete Masaru seine Geschichte und deutete auf den kleinen Fuchs.

"Wir wollen uns nun auch verabschieden, da dies nun geklärt ist. Wir bitten nur darum, über unser Dasein Stillschweigen zu bewahren. Immerhin haben wir unseren eigentlichen Auftrag noch nicht ausgeführt", sprach nun auch Naoko wieder und stand auf.

"Und nun komm, Yukiko. Du siehst doch, dass dein Held einen Gefährten hat. Wir müssen gehen. Vielleicht magst du dich von Adyar vernünftig verabschieden und dich für seine Hilfe bedanken?", sprach er den Fuchs an.

Der kleine Fuchs trippelte nervös auf dem Bett umher, drehte sich im Kreis. Dann endlich setzte er sich und begann sich zu wandeln. Nur wenige Augenblicke später saß eine junge Frau neben Adyar. Ihr Gesicht war fein mit weichem Kinn, ihr Haar war so hellblond, dass es fast weiß schien. Sie waren gerade so lang, dass sie die Frau nur spärlich bedeckten und Adyar einen Blick auf nur wenig Busen gewährten. Sie war fast noch ein Kind.

Beschämt blickte sie Adyar an und als er ihr in die Augen schaute, sah er Tränen darinnen.
"Ich dachte, wir könnten so gut zusammenpassen. Du hast mich doch gerettet und so gut versorgt. Und du hast so herrlich hinter den Ohren gekrault und durch mein Fell gestreichelt. Und ich wollte es dir schon die ganze Zeit zeigen, dass ich kein normaler Fuchs bin. Aber ich habe mich nicht getraut. Ich dachte, du könntest mich seltsam finden. ~ Es tut mir leid", schluchzte sie auf und mit Schwung umarmte sie ihn.

Adyar war zu perplex und noch ehe er etwas tun konnte, spürte er schon wieder weiches Fell unter seinen Fingern. Yukiko sprang davon und ließ sich von Masaru auffangen, wo sie ihren Kopf in dessen weite Ärmel versteckte. Er strich ihr tröstend durch das Fell. "Sie ist noch sehr jung, vergebt ihr ihre heftigen Gefühle. Wir lassen euch nun allein", sagte er und wendete sich der Tür zu.

"Mo~Moment!", rief da Adyar. Das hatte er fast vergessen. "Ich habe dort noch etwas gefunden. Es war im Schreibtisch versteckt, in einem Geheimfach."
Er zog den Brief und das Schmuckstück hervor, reichte den Zettel Naoko. Ein paar Momente las er die Zeilen, dann nickte er Masaru zu.
"Das ist genau das, was wir gesucht haben. Wir können Hotaka verhaften. Nur wissen wir noch nicht, wer das Opfer sein soll."
"Ich kenne die Unterschrift. Askil, wir haben sie schon einmal gesehen", erklärte Adyar.

Der Eisbär nahm jetzt selbst den Brief und zog die Brauen tief zusammen.
"Schon wieder!", brummte er.
"WAS?! Ihr kennt den Attentäter?"

"Nun, unser Abenteuer bei Lord Vincent brachte uns damit in Verbindung. Der böse Lord Korskov hatte ein ebensolches Schreiben. Wenig später wurde auf einem Fest des Königs ein Dunkelelf festgenommen, der mit einem Giftdolch einen Adeligen umbringen wollte. Die Unterschrift ist die Gleiche."

"Mit einem Giftdolch? Das klingt sehr nach der Assassinengilde", bemerkte Masaru und auch Yukiko guckte neugierig wieder hervor.
"Ich glaube nicht, dass es die Gilde ist. Das ist der Grund, weswegen wir auf dem Weg zum Gildenmeister sind. - Und wenn diese unbekannte Gruppe auch hier schon in eurem Land für Unruhe sorgt, muss man befürchten, dass sie größeres Unheil im Sinn hat", brachte Askil seine Gedanken laut hervor. "Ich nehme diesen Brief mit mir."

Naoko überlegte kurz. "In Ordnung. Aber erlaubt mir eine Abschrift zu fertigen. Habt ihr Papier und Stift da?" Askil gab ihm Gewünschtes aus ihrem Reisegepäck und während Naoko eine Kopie des Briefes anfertigte, zeigte Adyar das Schmuckstück her.
"Eine Schlange. Ist das nicht der Gilde Symbol?", fragte Masaru.
"Nicht ganz. Die Gilde hat zwei Schlangen, die sich umeinander winden und einen geschlossenen Kreis bilden. Es steht für das Gleichgewicht und damit Einheit. Dieses hier aber ist eindeutig eine einzelne Kobra, bekannt für ihr tödliches Gift", erklärte Askil. Er schien sich damit bestens auszukennen.

"Wir werden dem auf den Grund gehen. Ich werde Lord Vincent und dem König Informationen zukommen lassen, was wir bei der Gilde herausgefunden haben. Das Gleiche könnten wir auch euch und eurem Kaiser schicken. Ihr solltet ihn darüber schnellstmöglich in Kenntnis setzen."

"Ja. Wir wollten sowieso direkt zu ihm aufbrechen, sobald wir Hotakas Pläne vereitelt hätten. Vielleicht trennen wir uns hier, Naoko. Die Botschaft muss so schnell wie möglich in den Kaiserpalast", änderte Masaru ihre Pläne.

"Ja. Du hast Recht, Masaru. Ich werde also sofort aufbrechen", gab Naoko sein Einverständnis. Damit packte er seinen kopierten Zettel ein und verbeugte sich vor Askil und Adyar. "Vielleicht sehen wir uns einmal wieder. Aber vor allem erwarte ich eure Botschaft beim Kaiser…" Dann ging er auch schon hinaus und wart nicht mehr gesehen.

"Und ich und Yukiko werden versuchen herauszufinden, wer das Opfer sein soll", erläuterte Masaru, was seine nächste Aufgabe sein wird. "Ich bedanke mich für eure Hilfe. Genießt den Aufenthalt in unserem Land trotz der Unannehmlichkeiten. Des Kaisers Licht möge euch auf eurem Wege begleiten und Erkenntnis und Freude bringen…" Damit verbeugte sich auch Masaru.

Yukiko hob zögernd eine Pfote zum Abschied.

Dann wurde die Tür geschlossen und Adyar und Askil waren allein, mit einer Menge neuer Informationen.
Adyar ließ sich zurück auf das Bett fallen.
"Da ist man noch gar nicht richtig wach und dann so viele neue Dinge auf einmal. Das muss ich erst einmal verdauen…"

Askil lachte dazu.
"Und ich dachte, ich komme so frühzeitig, dass ich mich an einen bettwarmen Elfen kuscheln kann, um mit ihm noch ein wenig zu dösen. Und dann so ein Trubel."

Aber jetzt war seine Kuschellaune auch vorbei, denn sein grollender Magen verlangte endlich nach Essen.

 


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