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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Adyar Schattenläufer - Der blaue Diamant - Teil 4"


Es graute schon, doch so richtig hell war es noch nicht. In der Küche der Gastwirtschaft war aber schon reger Betrieb. Immerhin gab es Gäste, die frühzeitig wach waren und aufbrechen wollten. Der Wirt blickte überrascht zur Eingangstür, als diese recht grob geöffnet wurde und mit einem riesigen Mann auch kalter Wind und einige Schneeflocken hereingeweht wurden. Was für ein Wetter heute!

"Ah, Eissturm, endlich zurück? Hast du die Gruppe gut hinüber gebracht?"
Der Wirt hatte den großen Söldner sofort erkannt und freute sich, dass er ein zwar brummendes, aber doch zufriedenes "Ja" erhielt.
"Soll ich dir etwas aufs Zimmer hochbringen? Ein ordentliches Frühstück mit Brot und Braten?" Dachte er sich wohl zu Recht, dass der große Söldner mit Suppe ihrer Art nicht glücklich werden würde.
"Ja. Klingt gut", nickte Askil ihm dankend zu und machte sich nach oben auf. Er wollte zuerst seinen Elfen sehen, bevor er sich um Essen sorgte.

Etwas war ungewöhnlich. Schon wenige Schritte vor ihrem Zimmer stieg ihm ein unbekannter, tierischer Geruch in die Nase. Er öffnete die Tür und sah sich plötzlich einem kleinen weißen Tier gegenüber, das die Zähne fletschte und ihn anknurrte. Mutig kam es auf ihn zu. Doch da hatte das Tier wohl vergessen, dass es auf einem Bett stand. Es übersah die Kante, rutschte ab und fiel auf den Boden. Der kleine Fuchs jaulte schmerzvoll auf und blieb liegen.

Doch Knurren konnte er auch von dort noch ganz hervorragend und als sich Askil gleichermaßen verwundert wie auch besorgt dem Tierchen näherte, wurde er wieder bedrohlich und warnend angefaucht. Askil machte sich nichts daraus, griff sich das angriffslustige Tierchen und nahm es einfach auf den Arm. Da hing der kleine Fuchs nun und knurrte niedlich wild, weil ihm nichts anderes übrig blieb. Noch nicht einmal beißen konnte er, denn dafür müsste ein Arm oder eine Hand in der Nähe sein.

"So. Nun ist aber gut, du kleiner Kampffuchs. Immerhin bist du in meinem Zimmer, obwohl ich dich gar nicht kenne. Was ist mit Adyar? Warum riecht er krank?", brummte Askil, als ihm das wilde Gebaren zuviel wurde. Gleich wurde der Eisfuchs still, fiepste aber, weil er doch gerne wieder runter wollte. Also runter auf das Bett.

Askil setzte das Tier ab, das gleich zu Adyar trippelte und eine Pfote auf die Stirn des Elfen legte. Denn die war ungewöhnlich warm. Askil folgte, legte seine große Hand ebenfalls auf die Stirn.
"Fieber?! Ist er erkältet?"
Der Fuchs nickte, ließ sich aufmerksam neben Adyar nieder. Da hatte er schon die ganze Nacht gewacht, weil er sich sorgte. Doch das Fieber war zum Glück nicht mehr geworden und Adyar schlief auch ruhig.

Es klopfte. Es war der Wirt, der das Frühstück für Askil dabei hatte. Er brachte einen gut gefüllten Teller und einen Krug mit leichten Wein herein.
"Oh, ist dein Reisegefährte noch krank?", fragte er, als er das besorgte Gesicht des großen Söldners sah.
"Ja, er ist wohl erkältet. Habt ihr einen Heiltee da?"
"Ja, sicher. Ich habe ihm gestern schon einen gegeben. Soll ich nach einem Arzt schicken? - Oh, und was für ein hübscher Fuchs. Er ist doch brav? Knabbert mir keine Möbel an?"
"Nein, er ist brav", versicherte Askil, obwohl er das Tier doch auch erst vor Minuten kennengelernt hatte. "Ein Arzt ist wohl nicht nötig. Adyar schläft ruhig. Das ist gut."
"In Ordnung. Ich hole den Tee", nickte der Wirt und war schon wieder draußen.

Die Unruhe hatte Adyar nun doch aus dem Schlaf geholt. Er regte sich erst langsam. Die Hand suchte träge über das Bett und weil der Fuchs die Nacht über dort gelegen hatte, schob er sich wieder dorthin und fühlte bald die Hand in seinem Fell.
"Na ihr habt es euch wohl schon seit einiger Zeit hier gemütlich gemacht, was?", lachte Askil und schob erst mal sein Breitschwert vom Rücken und legte das warme Fell beiseite, zog auch die festen schweren Stiefel aus.

Dann kam er zurück zum Bett und setzt sich zu Adyar.
"Guten Morgen, kleiner Elf", weckte er ihn nun gänzlich und strich zärtlich an einem langen spitzen Ohr entlang. Das führte dazu, dass Adyar sich wand und kicherte, denn er war an seinen Ohren sehr empfindlich und überaus kitzlig. Leider ging das Lachen in einem Husten unter.

Askil langte nach dem Becher mit Wein und gab ihn Adyar in die Hände. Das brannte zwar im gereizten Hals, beruhigte aber den Husten etwas. Erst als Adyar ein paar Mal vorsichtig durchgeatmet hatte, bemerkte er bewusst seinen Eisbären.

"Du bist wieder da!", rief er freudig und umarmte Askil heftig.
"Ja. Wie du siehst", lachte Askil und hielt seinen Elfen fest bei sich. Dass ihn der Fuchs dabei grimmig anschaute, bemerkte er durchaus.
"Du hast einen Besucher hier, kleiner Elf. Stellst du mir die eifersüchtige Lady vor?", fragte er Adyar und sah auf einmal in zwei sehr überraschte Gesichter.

"Oh ja. Dieser kleine Eisfuchs. Aber warum eifersüchtig und warum Lady?", war Adyar sichtlich verwirrt.
"Nun. Erstens ist er eine sie, was man… ähm… also da erkennen kann", wedelte er unbestimmt in die Richtung des Fuchses und erntete ein Knurren. Wie konnte der Kerl ihr einfach unter den Schwanz schmulen. "Und zweitens…", weiter kam Askil mit seiner Erklärung nicht. Es klopfte erneut an der Tür.

Es war schon wieder der Wirt und Adyar bedankte sich für den heißen wohltuenden Tee. Er tauschte Wein gegen Tee und schlürfte gleich ein paar Schlucke. Der Wirt ging, doch kam er gar nicht dazu, die Tür zu schließen. Es standen zwei Männer davor, die sich mit einer kurzen Verbeugung einfach in das Zimmer schoben und die Tür schlossen, den verdutzten Wirt draußen einfach stehen lassend.

Die zwei sahen reich gekleidet aus und hatten gleich hochgesteckte Frisuren. Der eine war etwas kleiner und stämmiger, der andere sah dagegen groß und sehnig aus. Aber beide wirkten, als wüssten sie sich gut zu verteidigen. Askil spannte sich an, Adyar wurde nervös und stellte schon mal seine Teetasse auf das kleine Tischlein neben dem Bett.

"Guten Morgen, Askil Tyrfang, genannt Eissturm, Söldner und Kämpfer aus den Schneebergen. Guten Morgen, Adyar Schattenläufer, Abenteurer aus dem Lande der Nebelelfen, Held der Grafschaft Lord Vincents", wurden sie ehrerbietig begrüßt und erneut wurde sich vor ihnen verbeugt.

Askil zog die Brauen zusammen, griff nach seinem leichten Langschwert und stand auf.
"Was wollt ihr?", fragte er direkt heraus, bereit sich und Adyar zu verteidigen.
"Ich bin Masaru", stellte sich der Kleine vor.
"Und ich Naoko", meinte der Große, der auch schon zuvor Askil und Adyar begrüßt hatte. "Wir sind wegen Herrn Adyar hier. Er hat etwas, das zu uns gehört."

Askil brummte, sagte aber nichts. Da war sein Elf wohl mal wieder auf Beutezug gewesen und hatte etwas Hübsches gestohlen.
"Ich habe nichts", schüttelte Adyar ehrlich den Kopf. Kein blauer Diamant in diesem Zimmer. Dafür kamen ihm diese beiden Männer bekannt vor. "Ich kenne euch", behauptete er also fest.

"Ja. Wir sind uns wohl zufällig im heißen Bad begegnet."
Das sagte Masaru mit einem so auffällig unauffälligen Unterton, dass Adyar nicht mehr an einen Zufall glauben konnte. Außerdem hatte der Mann so ein verschmitztes Schmunzeln drauf.
"Ihr habt über den blauen Diamanten gesprochen!", brach es aus ihm heraus. Damit war aber auch klar, dass er wusste, was die beiden Herren wohl haben wollten. "Aber ich sagte die Wahrheit: hier ist kein Diamant." So ein Mist. Jetzt war die halbe Überraschung für Askil verraten.

"Ihr wollt einen Diamanten?", fragte Askil. "Ich gebe euch Geld und ihr kauft euch einen. Nur lasst uns unsere Ruhe. Ich war gerade mehrere Tage in einem Schneesturm in den Bergen unterwegs. Ich habe gewiss anderes zu tun, als mich wegen Krempel zu streiten."
Er machte einen Schritt nach vorn und schob seine Klinge in Richtung der feinen Herren.

"Mein lieber Herr Askil", wurde er von Masaru lachend angesprochen. Eine beschwichtigende Geste hielt Askil davon ab, näher zu kommen. "Niemand hat genug Geld, um DIESEN besonderen Diamanten zu bezahlen. Und er ist gewiss kein KREMPEL. Jeder, der ihn sieht, weiß das", sagte Masaru und lachte noch immer. Er fand es wohl sichtlich amüsant, über einen unbezahlbaren Diamanten zu sprechen, der wohl irgendwie verloren gegangen war.

"Aber es ist gar nicht der Diamant, den wir wollen", sprach Naoko nun ernst weiter. "Sie ist es", deutete er auf den Fuchs.
"Ihr wollt sie wieder gefangen nehmen? Das werde ich nicht zulassen!", rief Adyar und nur einen Wimpernschlag später steckte ein schmaler Dolch im Rahmen der Holztür. Direkt neben dem Kopf von Naoko.

Der Eisfuchs sprang auf und bellte aufgeregt, packte Adyars Arm und hielt ihn fest, damit er nicht noch mehr Dolche auf wehrlose Türrahmen werfen konnte oder gar noch jemanden verletzte.

Masaru und Naoko hatten augenblicklich ebenfalls zwei kleine Dolche in der Hand, bereit sich zu wehren. Jetzt hüpfte der kleine Fuchs zum Rand des Bettes und bellte auch die zwei Männer an, stellte sich todesmutig zwischen die Fremden und Adyar.

"Füchslein!", rief Adyar und bekam wieder einen Hustenanfall.

Es begann erst recht leise. Ein tiefes Brummen erfüllte den Raum, wurde lauter und kräftiger, bis Askil ein ohrenbetäubendes Brüllen von sich gab, dass das ganze Zimmer wackelte.

Es wurde still. Der Fuchs machte sich klein und versteckte sich bei Adyar. Adyar ließ den nächsten Dolch wieder im Haar verschwinden. Masaru schob seinen Dolch in den Ärmel zurück, Naoko lupfte interessiert eine Augenbraue, sagte aber auch nichts.

Entweder fraß der Eisbär sie nun alle auf, damit Ruhe herrschte, oder…

 


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