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Achatius

 

Auszug aus

Der Prinz von Sagyr

 

- Trauerspiel -

 

Personen

 

Achatius – Prinz von Sagyr

Alexius – Wache des ersten Grades. Freund des Amatus

Amatus - Wache des ersten Grades. Von edlem Geblüt.

 

Die Szene beginnt in Sagyr, ein Land, welches seit vielen Jahren den Frieden der „Fünf Reiche“ bewahrt.

Der Herrscher, Basilius, König von Sagyr erwartet, dass der Sohn bald seine Nachfolge antritt und möglichst schnell eigene Erben benennen kann. Doch weiß der König nicht, welche Gefahren bereits in naher Zukunft sein Reich ereilen werden.

 

Erster Akt/ Szene 1

 

Alexius auf Wache. Reibt ab und zu die Finger, um sie in der Kälte zu wärmen. Die Runde, die Alexius dreht, ist im hohen Schnee deutlich sichtbar. Es schneit. Vom Hof unten klingt fröhliche Musik und ausgelassene Stimmen. Die Szenerie wird von zwei Fackeln herhellt.

 

ALEXIUS. Wer da?

ACHATIUS. Geht leise im Schatten auf der Brüstung entlang. Versteckt sich schließlich in einer Mauernische. Wickelt den dünnen Mantel um sich.

ALEXIUS. Amatus? Seid Ihr’s? Nimmt eine Fackel. Erschrickt. Herr! Was tut Ihr hier? ’s ist bitterkalt und es schlug schon zwölf. Macht Euch zu Bett, junger Herr. Morgen steht Eure siebzehnte Feier an und der König hat sich Besonderes erdacht.

ACHATIUS. Zieht die Knie an den Körper. Wischt sich verstohlen über die Augen.

ALEXIUS. Geht es Euch nicht gut, junger Herr? Soll ich den Heiler rufen? – Nein, Ich spüre es: ein Arzt ist hier nicht Hilfe. Schaut sich unsicher um, stellt die Fackel zurück, kniet sich dann zu Achatius hin. Sprecht, junger Herr. Ich höre zu. Und keine Furcht. Die nächste Wache hält Amatus. Er kommt gewissenhaft auf seine Stunde.

ACHATIUS. Die Musik und die Stimmen werden leiser. Achatius zittert bereits vor Kälte. Flüstert. Er ist nicht da.

ALEXIUS. Zieht seinen Mantel aus. Legt ihn um Achatius. Sagt, wen meint Ihr?

ACHATIUS. Amatus. Er wird nicht kommen diese Nacht.

ALEXIUS. Betrübt. Wie schad’. Er wollte mir den „Hamlet“ spielen. Er ist vernarrt in dieses Stück.

ACHATIUS. Schreit plötzlich. ER WIRD NIE WIEDER KOMMEN! Musik und Stimmen aus. Achatius spricht erneut ganz leise und&xnbsp; verkriecht sich tiefer in den Mantel. Er ist tot.

ALEXIUS.

Starr vor Schreck. Lange Zeit herrscht Stille. Vom Hof her klingen wieder Musik und Gespräche.
Das ist nicht wahr, junger Herr. Ihr scherzt.
Klammert sich an Achatius’ Schulter. Zwingt ihn, ihm in die Augen zu blicken.

Oh Gott – ’s stimmt. Euer Schmerz glüht so tief in den Augen, wie die Sterne am dunklen Himmel glänzen, und Eure Tränen sind so heiß, dass sie meine Finger wärmen – Nein! Eine Lüge wäre dazu nicht im Stande.
Streicht beruhigend einige Haarsträhnen Achatius nach hinten und kost über die kalte Wange.

Ich will nicht fragen, warum Euch eines Soldaten Schicksal so tief peinigt. Ich bin nicht von edlem Geblüt wie unser beider Freund, und weise dazu noch lange nicht. Zu jung, um das Leben schon zu kennen. Doch weiß ich um der Liebe Schmerz. Viel mehr war Amatus nicht nur Euer Lehrer, sondern ein Vater, wie es der König selbst nie sein könnte. Sehe, dass Eure Seele das Leid nicht ertragen kann. Doch lasse ich so teures Leben nicht dahinsiechen. Nicht um des Königsblutes Willen, dass in Euren Adern fließt, aber um Eure edle Seele, die von Beginn an Platz in diesem jungen Körper fand, will ich Euch zur Seite stehen. Mein Schwert in Eure eigenen Dienste stellen. Euch Schutz und Hilfe geben, so gut ich es vermag.
Zieht Achatius zu sich.

Kommt an meine Schulter, junger Herr. Hier könnt Ihr weinen, Eure Verzweiflung herauslassen. Ich bin verschwiegen, erkenne die Stärke, die trotz allem in Euch steckt, noch anwächst. Doch bei mir braucht Ihr nicht stark sein. Ich bin es in diesem Moment für Euch.

ACHATIUS. Weint nun ungehemmt und klammert sich an Alexius fest.

 

Erster Akte/ Szene 2

 

Achatius weint noch immer. Der Wind weht stärker. Es schneit nicht mehr. Es brennt nur noch eine Fackel. Der schwarze Himmel nimmt einen violetten Farbton an. Die Geräusche der Burg sind verstummt. Ein unheimliches Murmeln erhebt sich im Wind.

 

ALEXIUS. Hält Achatius fest umarmt. Zu sich selbst. Es ist so ruhig aber ich höre Stimmen. Will ich’s nicht zugeben, doch erfasst mich Schrecken in der Seele, der so greifbar und doch weitentfernt sich über dieses Land hier legt. Es trifft sich ganz hervorragend. Ein Unheil jagt das andere. Der König haucht bald sein Leben aus, der junge Erbe ist noch nicht bereit, Amatus schied von uns. Das Heer? – pha. So verweichlicht in den ruhigen Jahren. Schmücken sich mit den Siegen vergangener Jahrhunderte und die Rüstung des Fußsoldaten glänzt wie das Silberbesteck im Schlosse. – Doch was geschieht hier. Ein Mensch? Ein Geist? Amatus?!

AMATUS. Der Geist des Amatus tritt heran. Legt eine Hand auf Achatius’ Schulter. So weine ein letztes Mal um mich, junger Herr. Denn bald wirst du deine Kraft anders brauchen.

ACHATIUS. Schreckt jetzt auf. Blickt entsetzt zu Amatus auf. Will nach ihm greifen. Doch seine Hand gleitet durch Amatus hindurch. AMATUS!

ALEXIUS. Amatus! Bist du’s wirklich? – Doch wart’, bevor du gehst. Was wird geschehen? Deine Worte waren nie leer, sagten stets mehr, als mancher hörte.

AMATUS. Du wirst es bald erfahren, teurer Freund. Sei bedacht, doch handle schnell und sehe, was du nicht glauben willst. Ich kann länger nicht verweilen. Löst sich auf.

ACHATIUS. Amatus! Bleib! Sackt schließlich kraftlos zusammen und bleibt in den Armen Alexius’ ruhig liegen. Die Fackel erlöscht. Das Murmeln im Wind dauert noch eine Weile an. &xnbsp;&xnbsp;

 

(30/11/03)