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du befindest dich hier: Bibliothek der Burg/ "Drache 9 - Buch 2 - Sake und Whisky - Teil 7"

 


Konstantin wollte am Samstag schon vormittags los, damit sie ausreichend Zeit hatten. So hatte sich Souta sogar den Wecker gestellt, damit er noch in Ruhe frühstücken konnte.

Als er gähnend durch die Wohnung trottete, blieb er verwirrt im Durchgang zum Wohnbereich stehen. Er war nicht der erste auf den Beinen. Sein Zimmernachbar war wohl schon eine ganze Zeit lang wach und war sehr fleißig gewesen.

Konstantin gab gerade Orangensaft in ein Glas und stellte es zurück auf den reichlich gedeckten Frühstückstisch, der aber nur zwei Gedecke hatte.
"Ähm, Konstantin, hast du ein Frühstücksdate noch in deinem Zimmer?", fragte er nach.
"Ah. Süßer. Guten Morgen. Du bist mein Frühstücksdate. Das ist mein Dankeschön, dass du wirklich mit mir shoppen gehst. Ich weiß, dass es dir nicht leicht fällt."
"Ja, guten Morgen. Aber deswegen musst du doch nicht so einen Aufwand betreiben", fühlte sich Souta ein wenig überrumpelt.
"Doch! Muss ich und will ich. Mach dir nicht so viele Gedanken, sondern genieße. Wenn dir etwas fehlt, sag es nur", schob er den Japaner an den Tisch, damit er sich setzen möge. "Außerdem hast du ein bemerkenswertes Talent, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Der Tee ist gerade lang genug gezogen. Bitte, greif zu."

Souta wusste auf soviel perfekte Überredungskunst nichts mehr zu erwidern und griff sich also ein leckeres warmes Brötchen. Das hatte Konstantin bestimmt ganz frisch vom Bäcker unten an der Ecke. Und nur wegen ihm. Er wusste ja, dass Konstantin mit den vielen Treppen nicht so der beste Freund war.

Für Souta begann der Tag also mit kulinarischen Köstlichkeiten, denn Konstantin hatte so ziemlich alles aufgefahren, was es im europäischen Raum als Frühstück gerne gab. Er hatte an Brötchen, Schwarzbrot, Croissants und Baguettes gedacht, sowie diversen Aufschnitt und süße Aufstriche. Er hatte ham & eggs gemacht und Blutwurstscheiben angebraten, die stellvertretend für Haggis sein sollten. Das hatte ihm Sean gezeigt.

Etwas, was Souta noch nie gegessen hatte, war ein in Ei getunktes Weißbrot, das dann auf beiden Seiten gebraten war. Es war sehr würzig und wie Konstantin erklärte, eine osteuropäische Frühstücksvariante. Durch die super Kaffeemaschine in der Küche hatten sie sowieso immer alle Kaffee-Varianten zur Verfügung. Doch Konstantins Grüner Tee war hervorragend.
"Was hast du vor, dass du mich durch ganz Europa führst?"
"Nichts. Ich wusste nur nicht, was du wirklich magst, deswegen habe ich von allem, was ich kenne und kann eine Kleinigkeit gemacht."

Die Kleinigkeit war soviel, dass später noch die ganze WG davon satt wurde.

*

"Konstantin, du hast übertrieben", stöhnte Souta, als er versuchte, sich die Schuhe anzuziehen. So voll gefuttert war er noch nie gewesen. Ob das ein optimaler Start für diesen langen Tag war, war zweifelhaft.

"Ach, Mäuschen. Für einen anstrengenden Tag braucht man ein vernünftiges Frühstück - Ah, Foxy, Süße. Guten Morgen. Ich habe in den grünen Kühlschrank ein wenig Frühstück rein getan, was Souta nicht mehr essen wollte. Lass es dir schmecken und gib ruhig den anderen was ab, sollte noch was übrig bleiben."

Foxy kam grad aus ihrem Zimmer geschlufft, noch nicht bereit, wirklich in den Tag zu starten. Eigentlich musste sie nur mal wirklich dringend auf die Toilette. Morgenmuffelig ließ sie sich von Konstantin umärmeln.
"Oh, danke. Und du willst wirklich Souta mitnehmen?"
"Natürlich. Er wird mich sicher optimal beraten."
"Ne, das mein ich nicht. Er sieht nur ein wenig grün um die Nase aus. Geht's dir nicht gut?"
"Ach. Er übertreibt. Nach ein paar Schritten wird das wieder. Das Frühstück muss nur ein wenig rutschen."
"Mein Beileid", flüsterte sie Souta zu, als sie ihn zum Abschied auch kurz umarmte, sogar noch einmal seinen lädierten Rücken prüfte und ihren Patienten dann mit den besten Wünschen in den Shopping-Tag entließ. Dann waren die beiden raus und Foxy schlich sich leise weiter zum Kühlschrank. Erst mal checken, was Konstantin so alles gemacht hatte, ihr WG-eigener Frühstückskönig. Dann würde sie sich die besten Sachen bunkern und den Rest sehr großzügig den anderen überlassen. Sie kicherte gemein wie eine Hexe und räumte die Kühlschränke um…

*

Souta hätte es ahnen müssen. Konstantin ging nicht einfach nur einkaufen. Konstantin ging sich präsentieren - mit seinem aktuellen Lover! Dass Souta wieder in einer festen Beziehung steckte, erfuhr er gleich im ersten Geschäft. Natürlich ging Konstantin nicht in einen Deichmann oder ähnliches. Er ging in einen Szene-Laden, dessen Verkäufer so übertrieben tuntig war, dass Konstantin selbst als Konstanze völlig normal wirkte.

Es wurde sich umarmt, gebusselt und nochmals umarmt. Dabei wurde schon das wichtigste ausgetauscht und natürlich entdeckte der blonde langhaarige Verkäufer Souta, der eigentlich schon auf der Flucht nach draußen war und zog ihn mit in die Begrüßungsorgie ein. Dann knallte der erste Sektkorken für diesen Tag und nebenbei wurden sogar ein paar glitzernde Espadrilles zum Anprobieren gereicht.

Souta entschied sich, heute einmal den Bären zu spielen. Er versuchte sich an einem dunklen Blick, den der Schotte immer um sich warf und gab höchstens ein Brummen oder Knurren von sich. Seiner Meinung nach gelang ihm das ausgesprochen gut, nur half das ihm nicht viel weiter. Blondie fand das wohl extra anregend und schmiss sich regelrecht an ihn heran, was aber Konstantin schon recht bald mit einem ernsten "Souta gehört zu mir" unterband. Sehr zu Soutas Erleichterung.

Und jetzt verstand Souta auch, warum Konstantin ihn in den weiteren Geschäften von Anfang an als seinen neuen Liebhaber vorstellte. Ohne dieses kleine Schauspiel wäre er Freiwild gewesen. So hatte er sogar Spaß daran, in den nächsten Läden mit Konstantin ein wenig auf Tuchfühlung zu gehen und wenn er ihn beratschlagen wollte, flüsterte er ihm dies ins Ohr. Ansonsten war er stoisch ruhig, knurrte und murrte ein wenig, und ließ die ausnahmslos männlichen Verkäufer neidisch aufseufzen.

Konstantin war glücklich. Noch glücklicher war er, als er feststellte, dass Souta ihn wirklich gut beriet. Die Espadrilles im ersten Laden wollte Konstantin schon mitnehmen, doch schüttelte Souta sehr ernst den Kopf. Glitzer hin oder her, sie standen Konstantin einfach nicht. Es waren schmale Damen-Schühchen, die generell viel zu fein für Konstantin, oder besser gesagt Konstanze waren.

Sie diskutierten eine Weile hin und her, bis Konstantin sich überreden ließ, in einem anderen Geschäft nach weiteren Schuhen zu schauen. Souta erklärte ihm, er könne diese hier immer noch kaufen, wenn sie nichts anderes finden würden. Damit gab sich Konstantin zufrieden und führte Souta in die nächsten Geschäfte.

Fast überall war Konstantin bekannt, fast überall gab es ein Schlückchen zum Anstoßen. Souta war nun froh, heute Morgen ein so reichhaltiges Frühstück gehabt zu haben. Mittlerweile ging es seinem Magen wieder besser und der Sekt hatte nicht so eine starke Wirkung auf ihn.

*

Der Vormittag ging recht schnell dahin und zum Mittag saßen sie mit reichlich Beute in einer kleinen französischen Café-Lounge.

Konstantin lud Souta ein, sich gerne aus der Karte auszusuchen, was er wollte, und er solle sich nicht einfallen lassen, nur eine Cola oder einen Kaffee zu bestellen.

So las sich Souta also doch auch das Speisenangebot durch und war überrascht, was das kleine Café zu bieten hatte. Jetzt musste es nur noch schmecken. Er bestellte sich "Trikolore", ein Dreierlei vom Fisch mit Gemüse in einer heißen Pfanne serviert.

Konstantin hielt sich klassisch an ein 3-Gänge-Menu und bestellte sich die Plâte de Jour. Er bekam ein kleines Süppchen vorab, als Hauptgang gab es Garnelenschwänze mit scharfer Tomatenpasta und als Nachtisch ein Trüffel-Soufflé. Konstantin wusste wirklich zu genießen.

Souta schmunzelte über Konstantins Schwärmerei während des Essens, aber musste sagen, dass alles wirklich lecker aussah und hervorragend duftete. Und zumindest sein Essen schmeckte auch ausgezeichnet.

Souta erlebte heute ganz neue kulinarische Eindrücke. Bisher war also der Tag sehr erfolgreich, auch was ihren Shopping-Trip anging.

Sie hatten wirklich Espadrilles gefunden, die beiden gefielen. Es waren Herrenschuhe und trotzdem schick genug für Konstanze. Dazu hatten sie eine passende Herrenhandtasche entdeckt und sogar ein Tuch, das zu allem passte. Konstantin war glücklich.

"Souta, ich habe es gewusst! Du bist die perfekte Einkaufsberatung. Und vielen Dank, dass du meine kleine Scharade so gut mitspielst. Aber ohne dieses kleine Theater wärest du nicht sicher. Du bist einfach viel zu süß, und deine kühle Art macht, dass man dich noch viel mehr haben will. Dabei bist du doch gar nicht so ein brummiger Typ wie unser WG-Bärchen."

"Ich dachte, ich probiere Seans Taktik mal aus. Er zumindest scheint damit genug Leute zu vergraulen."
"Ich glaube, das liegt eher an seiner enormen Körpergröße. Er wirkt nicht, als könne man ihn leicht einfangen. Du dagegen bist doch recht handlich. Obwohl ich weiß, dass du dich sicher gut verteidigen kannst. Foxy hat ja erzählt. Das muss spektakulär gewesen sein. Ich freue mich schon auf morgen, wenn wir dich kämpfen sehen."

"Konstantin, ich habe es schon einmal gesagt: es ist ein Training und kein Turnier. Es werden besonders die Kleinen zeigen, was sie können und üben. Es geht um Werbung, damit mehr Kinder zum Sport kommen. Vor allem Mädchen. Sie sollen sich verteidigen können, aber viel wichtiger ist es, dass sie lernen, gleich von vornherein mit mehr Selbstbewusstsein aufzutreten und damit gar nicht erst als Opfer gesehen werden."

"Und da sollen Mädchen mit hin? Ich mein, Selbstverteidigung klingt gut, aber ist das denn wirklich ein Sport für Kinder?"
"Welcher Sport ist nicht für Kinder? Du darfst dir jetzt nicht vorstellen, dass hier mit Waffen oder dergleichen gekämpft wird. Das kommt doch erst viel später. Machst du keinen Sport?"

Konstantin lachte versöhnlich. "Souta, wirklich. Sehe ich aus, als würde ich Sport machen?"
Souta schüttelte ernst den Kopf. "Es kommt nicht darauf an, wie du aussiehst. Ich kenne genug Trainingspartner mit mehr Körpergewicht. Und ich sage dir, die haben wirklich ein paar gemeine Tricks drauf. Die bekomme ich nicht auf die Matte gelegt."
"Na, ich glaube in einem echten Kampf wärest du trotzdem besser. Technik und Tricks hin oder her, das erhöhte Körpergewicht muss auch bewegt oder in Balance gehalten werden. Ich mein, Sean ist so riesig und massig, der wiegt bestimmt genauso viel wie ich oder sogar mehr. Nur bei ihm sind das alles Muskeln. Die braucht er auch. Immerhin will er beim Iron Man mitmachen. Und bei den Highland-Games ist er auch regelmäßig dabei."

"Beim Iron Man? Das ist hart", sinnierte Souta und genoss den Geschmack seines Grüntees.
"Ja. Und sexy", kicherte Konstantin und schlürfte an seinem Latte Macchiato. "Sag mal, Souta. Hast du noch Lust?"
"Willst du noch mehr shoppen?"
"Ja. Wenn ich dich einmal dabei habe…"
"Ich habe den Tag nichts anderes vor und habe mich gerade sehr lecker gestärkt. Also ich bin so lange dabei, wie du willst."

...

 


 

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